Donnerstag, 11. Juni 2026

Werners heimliche Liebe

 

Werners heimliche Liebe - die Stadt Bremen

Bremens wundervoller Werdersee
Ihr Lieben,

auf vielfachen Wunsch wiederhole ich nach langer Zeut heute für alle, die Bremen noch nicht kennen, meinen kleinen Rundgang durch Bremen . 

Mein Stiefvater sagte immer: "Bremen ist ein Dorf mit einer Straßenbahn" und daran ist etwas Wahres. Bremen ist zwar von seiner Länge her (Bremen-Osterholz bis Bremen-Schönebeck) eine sehr große Stadt (52 Kilometer(!), aber an manchen Stellen ist Bremen eben auch nur wenige hundert Meter breit. 

Das hat zum Beispiel den Vorteil, dass ich mit meinem Fahrrad, nachdem ich in wenigen Minuten die Weser überquert habe, mitten im Grünen bin und gar nicht mehr das Gefühl habe, in der Nähe einer Großstadt zu sein.

Mein Rundgang durch Bremen ist natürlich ein sehr persönlicher und soll Euch ein wenig die Besonderheiten von Bremen zeigen. Viel Spaß!


Neben den üblichen Supermärkten gibt es bei uns in Bremen z.B. noch solche Geschäfte wie diese, in denen ich sehr gerne einkaufe, weil man dort noch persönlich bedient wird und auch einen, wie man hier sagt, Schnack (Gespräch) halten kann.   
                                                                             


Bei dieser kleinen Gasse handelt es sich um das berühmte Schnoorviertel in Bremen und man sieht noch genau, wie eng im Mittelalter die kleinen Gassen in Bremen waren, Heute gibt es hier viele Andenkenländen und vor allem wunderbare Restaurants und Cafés.


Als ich diese alte Inschrift in einer kleinen Seitengasse, in die selten Touristen kommen, entdeckte, überkam mich ein Gefühl der Erleichterung, weil ich doch froh bin, dass wir heute in so hygienischen Verhältnissen leben. 

In der Zeit des Mittelalters hat man das Weserwasser zum Brauen des Bieres verwendet und um möglichst sauberes Wasser zu haben, wurde eben einen Tag früher bekannt gemacht, dass niemand seine Notdurft in die Weser verrichtet. 

O glückliche Neuzeit!!!



Dies ist der Eingang zu der Böttcherstraße, die direkt vom Bremer Marktplatz abzweigt. Hier sind viel Restaurants, aber auch eine Goldschmiedewerkstatt, handwerkliche Läden und ein wunderbares Glockenspiel zu finden.


Als ich vor längerer Zeit einmal auf dem Bremer Marktplatz stand, fragte mich ein schwäbischer Tourist: "Was ist das denn für ein Haus?" 
Was dieser Tourist als "Haus" bezeichnete, darauf sind wir Bremer ganz besonders stolz, denn es handelt sich um das Bremer Rathaus, das gleichzeitig Weltkulturerbe ist.



Der Markplatz von Bremen wird umschlossen von schönen alten Häusern, die auch sehr gepflegt werden. Im Sommer stehen vor diesen Häsern ganz viele Tische und Stühle und die Bremer und die Touristen sitzen dann draußen, genießen die Sonne und lassen es sich bei leckeren Speisen oder Kaffee und Kuchen gutgehen.


Das einzige Gebäude am Marktplatz, das mir nicht gefällt, ist das Gebäude der Bremer Bürgerschaft, das ist der Landtag des Bundeslandes Bremen.


Neben dem Rathaus ist der Bremer Roland eines der Wahrzeichen der Stadt Bremen. Er ist das Sinnbild für die Freiheitsliebe und Unabhängigkeit der Bremer. 
Unten neben dem Rathaus seht Ihr mich übrigens stehen. Ich habe einen Touristen gebeten, das Foto zu machen, damit Ihr an dem Größenvergleich (ich bin 1,79 m) sehen könnt, wie groß der Roland ist!



Nur wenige Schritte weiter steht das berühmteste Bremer Wahrzeichen, die Bremer Stadtmusikanten, die in aller Welt bekannnt sind.
Und das Märchen von den Bremer Stadtmusikanten kennt Ihr ja sicher alle!


Im Sommer, wenn die Sonne am Vormittag und Mittag warm auf das Bremer Rathaus scheint, setze ich mich gerne unter die Rathausarkaden und schaue dem Treiben auf dem Bremer Marktplatz zu.
Da kann ich so richtig die Seele baumeln lassen und alle Unruhe und aller Stress fallen von mir ab.


Gegenüber dem Rathaus steht der Bremer Schütting.
Das ist das Haus der Bremer Kaufleute. Hier werden bis zum heutigen Tage viele Geschäfte unter Bremer Kaufleuten per Handschlag vereinbart. Das ist eine alte Tradition in Bremen.



Den Abschluss des Bremer Marktplatzes bildet der Bremer Dom, der zum Glück im letzten Krieg nicht beschädigt wurde, obwohl über 50% von Bremen in Schutt und Asche lagen.


Mitten zwischen den Füßen des Rolands (siehe weiter oben) ist die hier abgebildete Steinfigur zu sehen. Kaum ein Tourist beachtet diese Figur, jeder achtet nur auf den starken Roland.


Dabei hat der Roland eigentlich gar nichts für Bremen getan, er ist lediglich ein Sinnbild für den Freiheitswillen Bremen.  Die Figur zwischen seinen Füßen stellt dagegen einen Krüppel dar, der sehr viel für Bremen getan hat.

Bremen besaß früher kaum Weideland und Wald. Da hat die Gräfin Emma, der das umliegende Land gehörte, beschlossen, den Bremern so viel Land zu schenken, wie ein Mann an einem Tag zu Fuß umrunden kann. Ihr Mann, der sehr geizig war, bat darum, den Mann aussuchen zu dürfen und wählte einen Krüppel aus. 

Dieser arme Mann strengte sich vom Aufgang der Sonne bis zu ihrem Untergang an und umkroch ein sehr großes Gebiet, sodass die Bremer nun eine Bürgerweide und einen großen Bürgerpark ihr Eigen nennen konnten. 

Während der Krüppel das Gebiet umkroch, wurde er von den Bremern den ganzen Tag mit Essen und Trinken versorgt. Als er mit untergehender Sonne wieder am Ausgangspunkt eintraf und nachdem er damit so viel für Bremen getan hatte, brach er tot zusammen. Und deshalb hat man ihm zwischen den Füßen des Rolands ein Denkmal gesetzt.

Manchmal denke ich, dass es besser in dieser Welt aussehen würde, wenn man den Menschen ein großes Denkmal setzen würde, die etwas Positives und Gutes für die Gemeinschaft getan haben, und wenn man den Menschen, die Kriege geführt haben, keine Denkmäler mehr setzen würde.

Und damit komme ich zum Abschluss meines kleinen Rundganges, einem großen schwarzen Stein, auf den zahlreiche Bremer in der Nähe des Marktplatzes, des Domes und des Rathauses auch heute noch aus Tradition spucken. 

Ich selbst pflege diese Tradition nicht, aber dieser schwarze Stein erinnert mich jedes Mal, wenn ich an ihm vorbeikomme, daran, wie wichtig es ist, gegen das Böse und Schlechte in dieser Welt zu kämpfen. 
An der Stelle, wo dieser Stein liegt, wurde 1831 Gesche Gottfried hingerichtet, die einzige Serienmöderin, die es je in Bremen gegeben hat. Sie brachte über einen Zeitraum von 20 Jahren 15 Menschen durch das Gift Arsen um

Man verdächtigte sie in all den Jahren nicht, weil sie auch ihre eigenen kleinen Kinder, ihre eigenen Ehemänner, ihre eigenen Eltern und ihren eigenen Zwillingsbruder nicht verschonte. 

Allen mischte sie Arsen ins Essen und man vermutete, dass es sich um eine noch unbekannte Seuche handele und bedauerte diese Frau von Herzen. Erst nach den letzten Morden kam man ihr auf die Schliche und sie wurde an der Stelle des schwarzen Steins mit einem Schwert hingerichtet.

Um meinen Rundgang fröhlich abzuschließen, beende ich ihn mit einem Foto aus dem Sommer.
Wenn es im Sommer schön warm ist, dann erhole ich mich gerne am Weserstrand oder ich sitze im Café Sand und esse ein schönes Stück Apfelkuchen und trinke eine heiße Schokolade dazu.


Ihr Lieben,

ich hoffe, mein kleiner Stadtrundgang hat Euch einen kleinen Eindruck verschafft, was Bremen betrifft.
Es ist mir jeden Tag eine ganz große Freude, Eure Kommentare zu lesen und mich mit Euch auszutauschen. Ich bin froh, dass es Euch gibt und ich grüße Euch ganz herzlich aus Bremen

Euer fröhlicher Werner vom Weserstrand


Donnerstag, 4. Juni 2026

Geschichte: Das Geheimnis der vergessenen Tür

 

Geh durch die Tür Deiner Angst hindurch!

Quelle: Helmut Mühlbacher

Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Euch eine Geschichte von Paul Maar erzählen:

„Die vergessene Tür“

„Ich muss damals acht Jahre alt gewesen sein, als ich im Hause meiner Großeltern eine Tür entdeckte, die mir Angst machte. Sie befand sich oben auf dem Dachboden des alten Gebäudes. 

Es war eine ganz gewöhnliche, braune Tür aus unbearbeitetem Holz. Einige Male war ich schon mit Großvater oben auf dem Dachboden gewesen, aber die Tür war mir noch nie aufgefallen.

„Opa, woher kommt die Tür?“, fragte ich. „Woher soll sie kommen, sie ist schon immer da gewesen“, antwortete der Großvater gleichmütig. Er suchte unter alle dem Gerümpel nach alten Flaschen.

„Und wohin führt sie?“, fragte ich weiter. „Nirgendwohin“, sagte er, blies den Staub von einer Flasche und stellte sie zu den übrigen in einen Korb. „Nirgendwohin? Das gibt es doch gar nicht. Ich meine: Wenn man da durchgeht, wo kommt man da hin?“

„Man kann nicht durchgehen.“, antwortete der Großvater geduldig. „Habt ihr den Schlüssel verloren?“, bohrte ich weiter. „Nein, sie ist nicht abgeschlossen“, sagte er und lachte ein wenig. 

„Du kannst sie öffnen, wenn Du Dich traust, die Spinnweben zu entfernen.“
Ich trat auf die Tür zu, streckte den Zeigefinger aus und wischte die Spinnweben fort, die vom Türgriff herabhingen. Irgendetwas in meinem Inneren hinderte mich daran, den Griff anzufassen, herunterzudrücken und die Tür zu öffnen.
Quelle: Werner Forneberg

An diesem Abend konnte ich nicht einschlafen. Ich musste ständig an die Tür denken, die ich nicht geöffnet hatte und die ins Nirgendwo führte. Schließlich schlief ich doch ein und träumte von einer Tür, aus der eine große Hand nach mir griff und mich hindurchziehen wollte. Ich sträubte mich dagegen, ich schrie und schlug um mich, bis Großmutter kam und mich wachrüttelte.

Während des Tages vergaß ich die Tür. Aber am Abend im Bett kehrte die Angst zurück. Und wieder hatte ich einen Albtraum, in dem eine riesige Tür die Hauptrolle spielte.
„Heute Nacht hast Du wieder im Schlaf geschrien“, sagte der Großvater beim Frühstück zu mir.

„Sag schon, was ist da los?“ „Ich fürchte mich vor der Tür“, gestand ich. „Vor der Tür?“, fragte er verständnislos. „Vor der Tür auf dem Dachboden“, antwortete ich. Der Großvater schien zu begreifen. „Die Tür, die Du aufmachen wolltest und dann doch nicht geöffnet hast“, sagte er.

„Da gibt es nur ein Mittel gegen die Angst: Wir gehen zusammen nach oben und öffnen sie!“
Er nahm mich an die Hand und wir stiegen gemeinsam die Treppen hoch zum Dachboden. Vor der Tür blieb er stehen. „Mach sie auf!“, sagte er. „Kannst Du sie nicht aufmachen?“, fragte ich zaghaft.

„Nein“, sagte er. „Wenn man Angst vor etwas hat, gibt es nur ein Mittel dagegen: Man muss durch die Angst hindurchgehen. Wenn Du die Tür öffnest, wirst Du Dich niemals mehr vor ihr fürchten.

Ich stand vor der Tür und streckte die Hand nach dem Griff aus. Ich fand es lächerlich, aber ich schaffte es nicht, diese Tür aufzumachen.
Ich fühlte Schweißtropfen auf meiner Stirn. 

„Bitte, Opa, mach die Tür auf“, bat ich ihn inständig. Er schüttelte den Kopf. „Du muss es selbst tun“, sagte er.

Mit einem Ruck riss ich den Türgriff nach unten und zog die Tür auf. Dahinter war nichts als eine rote Bachsteinmauer. „Du hast es geschafft!“, sagte der Großvater erleichtert. „Siehst Du, es ist genauso, wie ich es Dir gesagt habe, die Tür führt nirgendwohin.“

„Aber warum ist da eine Mauer?“, fragte ich. „Früher haben dieses Haus und das Nachbarhaus zusammengehört, man konnte von einem Dachboden auf den anderen gehen“, erklärte er. „Als mein Vater das Haus gekauft hat, ließ er die Türöffnung zumauern. Darum ist da jetzt eine Mauer.“

Natürlich habe ich später noch oft Angst gehabt, auch als Erwachsener. Aber Großvaters Rezept, dass man „durch die Angst hindurchgehen müsse“, hat mir immer geholfen.“
Quelle: Raymonde Graber
Ihr Lieben,

bei unseren Ängsten, die manchmal unser Leben erschweren, die unser Leben manchmal verdunkeln, verhält es sich wie mit der Tür in unserer Geschichte. Die Tür ist nicht verschlossen, der Zugang zur Tür ist uns nicht verwehrt, aber wir trauen uns nicht, die Tür zu unserer Angst aufzumachen, uns unserer Angst zu stellen.

Wir vermuten hinter der Tür ganz schreckliche Dinge, unsere Fantasie spielt uns manch schrecklichen Streich in dem Zusammenhang und mit der Zeit entwickeln wir sogar Angst vor der Angst!

Das einzige Mittel, um die Angst zu besiegen, ist, sich ihr zu stellen, die Tür zu öffnen und der Angst ins Gesicht zu blicken. Wenn wir die Tür zur Angst nicht öffnen, dann wird unsere Angst immer größer, weil wir uns ihr nicht stellen, weil wir nicht wissen, was sich hinter der Tür genau verbirgt.

Eine solche Angst hat in unserer Straße sogar eine Bezeichnung: 
Es ist die namenlose Angst, die unsere Lebensfreude tötet. 
Erst dann, wenn wir uns der Angst stellen, wenn wir ihr ins Angesicht blicken, bekommt sie einen Namen und wir werden wie der kleine Junge in unserer Geschichte, in vielen Fällen feststellen, dass die Angst in Wirklichkeit nicht bedrohlicher ist als die Backsteinmauer in unserer Geschichte.
Quelle: Helmut Mühlbacher
Ihr Lieben,

Ich wünsche Euch einen heiteren angstfreien Tag und grüße Euch herzlich aus Bremen

Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen