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| Werner im Alter von fast 15 Jahren (!) |
Ihr Lieben,
zu meinem Geburtstag und an Feiertagen, wie jetzt zu Weihnachten und Silvester, zünde ich gerne eine rote, dicke Stumpenkerze an, wie sie meinem Jugendfreund Hans-Christoph gut gefallen hätte und heute meinen Söhnen gefällt, und dann blicke ich lange in den warmen Lichtschein der Kerze.
Dann öffne ich meinen kleinen abgegriffenen alten braunen Lederkoffer, der die Erinnerungen meiner Kindheit und Jugend enthält:
Er enthält die Schätze meines Lebens:
- Eine Pfeife, nach der ich tanzen musste
- Einen Bambusstock, der mir mit Schlägen zeigte, wo es lang ging
- Eine kleine Kiste, denn man schlug mich gerne, damit ich in keine passte
- Ein Paket Kakao, durch den man mich gerne zog
- Eine Pfanne, in die man mich bei vielen Gelegenheiten gehauen hat
- Eine Klappe, die ich meist halten musste
- Ein Dutzend Stricke, die mir meine Familie und Verwandtschaft drehten
- Einen Bären aus Plüsch, der mir sehr oft aufgebunden wurde
- Einen harten Knüppel, der mir gerne zwischen die Beine geworfen wurde
- Ein Glas mit Hopfen und Malz, das nach Meinung meiner Mutter bei mir verloren war
- Zwei alte Knochen, bis auf die mich meine Mutter gerne vor anderen Menschen blamierte
Aber auch
- Eine rosarote Brille, mit deren Hilfe ich -- gegen alle Wirklichkeit -- versuchte, die Welt positiv zu sehen
- Einen Mantel, mit dem ich die schlimmen Übergriffe meiner Familie, meiner Verwandtschaft und der Schule gegen mich -- trotz allem – mit Liebe zudeckte
- Einen Hut, den ich noch heute bisweilen symbolisch und respektvoll vor all den Menschen ziehe, die in meiner Kindheit und Jugend zu mir gehalten haben und den ich vor all den Menschen ziehe, die mir heute mir Respekt und Würde begegnen
Jeden einzelnen kostbaren Gegenstand nehme ich als einen unverrückbaren Teil meiner Jugend in meine leicht zitternden Hände und betrachte ihn mit Aufmerksamkeit lange und intensiv und denke still versunken darüber nach, wie wunderbar sich die Dinge seitdem entwickelt haben.
Und ich erinnere mich jedesmal an die Mut machenden, hoffnungsvollen Worte von Hans Christoph und ich beschließe, niemals aufzugeben.
Liebe Grüße Euer Werner
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| Man beachte den Frosch, der mit seinem Kopf schon im Schlund des Storches steckt und dennoch versucht, den Storch zu erwürgen, um zu überleben. Das nenne ich Überlebenswillen! |


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