3326 Geschichten


Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 3.326 Beiträge und mindestens zwei Mal in der Woche kommen weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen


Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Mittwoch, 30. März 2011

Ein wunderschönes Video als Mutmacher

Das Foto wurde von Karin Heringshausen zur Verfügung gestellt


Ihr Lieben,
hier schicke ich Euch noch ein wunderschönes Video als Gute-Nacht-Gruß und Mutmacher

Die Vier Kerzen


Die Geschichte der roten Rose



Vor langer, langer Zeit gab es noch kaum Rosen, denn sie waren aufgrund ihrer stechenden Dornen nicht gerade beliebt. Deshalb kümmerten sich die Menschen auch nicht um sie, sondern ließen sie eingehen.

Zu dieser Zeit in einem großen Garten vor einem Königsschloss pflanzte ein alter Gärtner heimlich eine Rose an. Er wartete sehnsüchtig auf den Tag, an dem sie zu blühen begann. Und der Tag kam: die Rose öffnete ihre Knospen. Die anderen Blumen im Garten tuschelten über sie und lachten sie aus. Ein Vergißmeinnicht sagte laut: "Schaut euch doch mal die häßlichen Dornen an!"

Die Rose guckte traurig an sich herunter und senkte den Kopf. Jetzt lachten ihre Artgenossen noch mehr. Sie sagten: "Du bist ein Schandfleck für unseren schönen Königsgarten. Mit uns kannst du es doch gar nicht aufnehmen. " Eitel streckten sie ihre Hälse noch höher. Eine hübsche weiße Lilie warf dazwischen: "Wenn der hartherzige König dich sieht, lebst du nicht mehr lange." Danach verschloss sich die Rose immer mehr. Sie wagte nicht mehr zu blühen aus lauter Angst.

Der Gärtner kam, um seine Rose zu bewundern, doch er erschrak, als er sie sah. Er fragte sie leise: "Was ist los mit dir? Warum lässt du dich so hängen?" Die Rose wagte sich bei der freundlichen Stimme ein bißchen heraus. Sie zitterte: "Ich habe Angst. Die Nachbarblumen meinen, der König ist böse und wird mich nicht mögen."

Der Gärtner seufzte: "Es stimmt, dass der König hartherzig und gefühllos ist. Doch ich kann mir nicht vorstellen, dass er so was Schönes wie dich kaputtmachen will." Dann flüsterte er noch leiser: "Du bist die schönste Blume in diesem Garten. Die Anderen platzen vor Neid, deswegen spotten sie über dich." Das munterte die Rose auf. Der Gärtner sorgte sich liebevoll um sie, und so fing sie wieder an zu blühen. Die Blumen waren empört.

"Du eitle Häßlichkeit verunstaltest alles. Was bildest du dir eigentlich ein?"
Die Rose fühlte sich von diesen Worten immer noch verletzt, doch sie vergaß ihren Kummer, sobald der nette Gärtner kam, um nach ihr zu sehen. Ihn wollte sie auf gar keinen Fall enttäuschen.

Eines Tages kam der König vorbei, um sich seinen Garten anzusehen. Die Rose fragte sich, was er wohl sagen würde und ob er wohl schimpfen würde. Als er sie entdeckte, blieb er wie angewurzelt stehen. Dann rief er den Gärtner. Als dieser den König vor seiner geliebten Rose stehen sah, wurde es ihm schwer ums Herz.

Der König, der noch sehr jung war, zeigte auf die Rose und fragte grimmig: "Was ist das?" Der Gärtner schaute zärtlich seine Lieblingsblume an und entgegnete: "Eine Rose. Gefällt Sie Ihnen, Majestät?" Der junge König schaute ihn böse an.
"Habe ich dir befohlen, so etwas zu pflanzen?"
"Nein", erwiderte der Gärtner kläglich.

"Vernichte sie!" befahl der König und ging hohen Hauptes zurück in sein Schlossgemach. Die anderen Blumen lachten schadenfroh, doch dem Gärtner standen Tränen in den Augen. Er sagte zur Rose: "Du hast es gehört."
Die Rose erwiderte leise: "Ja, du musst es tun. Die anderen Blumen hatten wohl recht. Ich bin häßlich." Der Gärtner meinte daraufhin: "Du bist nicht häßlich, du bist zu schön. Das kann "seine Majestät" wahrscheinlich nicht ertragen."
 
Er ging fort und kam eine Weile später mit einer Gartenschere zurück. Die Rose sagte zum Gärtner: "Ich danke dir, was du für mich getan hast." Der Gärtner schluchzte: "Ich bring`s nicht über mein Herz, dich zu töten. Er steckte die Schere ein und ging. Die anderen Blumen tuschelten: "Er übt den Befehl des Königs nicht aus. Das kann schlimme Folgen haben."

In dieser Nacht schlich sich der König in den Garten und blieb vor der Rose stehen. Er flüsterte ihr zu: "Röslein, liebes, bist du wach?"

Die Rose schaute verwundert auf. War das wirklich der hartherzige König, der befohlen hatte, sie zu töten? Er war es, aber seine Stimme klang freundlicher und sanfter. Der König sprach weiter: "Es tut mir leid, was ich heute gesagt habe. In Wirklichkeit bist du die schönste Blume, die ich je gesehen habe. Deine Dornen haben mich etwas abgeschreckt. Ich hoffe, du bist mir nicht böse. Ich glaube, du bist etwas ganz Besonderes. Was wünschst du dir, damit ich mich entschuldigen kann? Ich möchte dir deinen Wunsch erfüllen."

Die Rose dachte nach. Sie wünschte sich Einiges. Sie wünschte sich, bewundert zu werden, und zwar auch von den anwesenden Blumen. Sie wünschte sich andere Rosen als Freunde, und sie wünschte, stolz auf sich sein zu können. Sie schaute sich den jungen, gutaussehenden König an und dachte an seine Hartherzigkeit. Sie sagte: "Ich wünsche mir, dass du wieder lieben kannst."

Der König war erstaunt und bedankte sich: "Wenn du dir das wünschst, so hoffe ich, dass es in Erfüllung geht."

Die Rose wurde wieder fröhlich und blühte auf in ihrer Schönheit. Der Gärtner freute sich, und als er hörte, dass auch der König die Rose bewunderte, war er erleichtert. Als die Nachbarblumen davon erfuhren, entschuldigten sie sich bei der Rose und ernannten sie zur "edlen Schönheit".

Der König kam jetzt jeden Tag in seinen Garten und sprach mit allen Blumen. Er war viel freundlicher als früher, doch so richtig glücklich wirkte er nicht.
Er erzählte der Rose: "Du hast daran geglaubt, dass ich wieder lieben kann. Ich habe mich tatsächlich in eine Prinzessin verliebt, doch ich weiß nicht, wie ich es ihr zeigen kann."

Die Rose hatte die Antwort schon parat, doch sie fragte ihn: "Wodurch hast du die ersten Gefühle gespürt, wodurch bist du auf den Weg der Liebe gekommen?"
"Durch dich", sagte der König sofort und bat: "Darf ich?"

Die Rose nickte. Er durfte sie pflücken und seiner geliebten Prinzessin zum Geschenk machen. Das war das schönste Glück, was der Rose widerfahren konnte. Sie war sehr stolz auf sich.

Als die Prinzessin die rote Rose und in die Augen des Königs sah, verstand sie es sofort. Der König hielt um ihre Hand an, und sie antworte mit strahlenden Augen mit "Ja". Die Rose kam in eine wunderschöne Vase und erlebte auch noch die Hochzeit der beiden Verliebten im Königsschloss. Als sie verwelkte, trocknete der König sie und hing sie zur Erinnerung in ein Bild auf.

In seinem Garten wuchsen von Jahr zu Jahr mehr Rosen, und es wurden so viele, daß das Schloss das Rosenschloß genannt wurde. Der König erklärte die rote Rose zum Symbol der Liebe. Und das ist so geblieben bis heute.

Unbekannter Autor

Die Fotos wurden von Karin Heringshausen zur Verfügung gestellt

Die Geschichte eines Baumes - Ähnlichkeiten zu uns Menschen sind beabsichtigt!



Der Baum

Es war einmal ein Gärtner. Eines Tages nahm er seine Frau bei der Hand und sagte: "Komm, Frau, wir wollen einen Baum pflanzen". Die Frau antwortete:"Wenn du meinst, mein lieber Mann, dann wollen wir einen Baum pflanzen".
Sie gingen in den Garten und pflanzten einen Baum.


Es dauerte nicht lange, da konnte man das erste Grün zart aus der Erde sprießen sehen. Der Baum, der eigentlich noch kein richtiger Baum war, erblickte zum ersten Mal die Sonne. Er fühlte die Wärme ihrer Strahlen auf seinen Blättchen und streckte sich ihnen hoch entgegen. Er begrüsste sie auf seine Weise, ließ sich glücklich bescheinen und fand es wunderschön, auf der Welt zu sein und zu wachsen.

"Schau", sagte der Gärtner zu seiner Frau, "ist er nicht schön unser Baum?" Und seine Frau antwortete: "Ja lieber Mann, wie du schon sagtest: Ein schöner Baum!"

Der Baum begann größer und höher zu wachsen und reckte sich immer weiter der Sonne entgegen. Er fühlte den Wind und spürte den Regen, genoss die warme und feste Erde um seine Wurzeln und war glücklich. Und jedes Mal, wenn der Gärtner und seine Frau nach ihm sahen, ihn mit Wasser tränkten und ihn einen schönen Baum nannten, fühlte er sich wohl. Denn da war jemand, der ihn mochte, ihn hegte, pflegte und beschützte. Er wurde lieb gehabt und war nicht allein auf der Welt.

So wuchs er zufrieden vor sich hin und wollte nichts weiter als leben und wachsen, Wind und Regen spüren, Erde und Sonne fühlen, lieb gehabt werden und andere lieb haben. Eines Tages merkt der Baum, dass es besonders schön war, ein wenig nach links zu wachsen, denn von dort schien die Sonne mehr auf seine Blätter. Also wuchs er jetzt ein wenig nach links.

"Schau", sagte der Gärtner zu seiner Frau, "unser Baum wächst schief.
Seit wann dürfen Bäume denn schief wachsen, und dazu noch in unserem Garten? Ausgerechnet unser Baum! Gott hat die Bäume nicht erschaffen, damit sie schief wachsen, nicht wahr, Frau? Seine Frau gab ihm natürlich recht. "Du bist eine kluge und gottesfürchtige Frau", meinte daraufhin der Gärtner. "Hol also unsere Schere, denn wir wollen unseren Baum gerade schneiden".


Der Baum weinte. Die Menschen, die ihn bisher so lieb gepflegt hatten, denen er vertraute, schnitten ihm die Äste ab, die der Sonne am nächsten waren. Er konnte nicht sprechen und deshalb nicht fragen. Er konnte nicht begreifen. Aber sie sagten ja, dass sie ihn lieb hätten und es gut mit ihm meinten. Und sie sagten, dass ein richtiger Baum gerade wachsen müsse. Und Gott es nicht gern sähe, wenn er schief wachse. Also musste es wohl stimmen. Er wuchs nicht mehr der Sonne entgegen. "Ist er nicht brav, unser Baum?" fragte der Gärtner seine Frau. "Sicher lieber Mann", antwortete sie "du hast wie immer recht. Unser Baum ist ein braver Baum."

Der Baum begann zu verstehen. Wenn er machte, was ihm Spass und Freude bereitete, dann war er, anscheinend ein böser Baum. Er war nur lieb und brav, wenn er tat, was der Gärtner und seine Frau von ihm erwarteten. Also wuchs er jetzt strebsam in die Höhe und gab drauf acht, nicht mehr schief zu wachsen.

"Sieh dir das an", sagte der Gärtner eines Tages zu seiner Frau, "der Baum wächst unverschämt schnell in die Höhe. Gehört sich das für einen rechten Baum?" Seine Frau antwortete: "Aber nein, lieber Mann, das gehört sich natürlich nicht. Gott will, dass Bäume langsam und in Ruhe wachsen. Und auch unser Nachbar meint, dass Bäume bescheiden sein müssten, ihrer wachse auch schön langsam." Der Gärtner lobte seine Frau und sagte, dass sie etwas von Bäumen verstehe und dann schickte er sie die Schere holen, um dem Baum die Äste zu stutzen.


Sehr lange weinte der Baum in dieser Nacht. Warum schnitt man ihm einfach die Äste ab und wer war dieser Gott, der angeblich gegen alles war, was Spass machte?

"Schau her Frau" sagte der Gärtner, "wir können stolz sein auf unseren Baum." Und seine Frau gab ihm, wie immer, recht. Der Baum wurde trotzig. Nun gut, wenn nicht in die Höhe, dann eben in die Breite. Sie würden ja schon sehen wohin sie damit kommen. Schließlich wollte er nur wachsen, Sonne, Wind und Erde fühlen, Freude haben und Freude bereiten. In seinem Inneren spürte er ganz genau, dass es richtig war, zu wachsen. Also wuchs er jetzt in die Breite.

"Das ist doch nicht zu fassen". Der Gärtner holte empört die Schere und sagte zu seiner Frau: "Stell Dir vor unser Baum wächst einfach in die Breite. Das könnte ihm so passen. Das scheint ihm ja gerade zu Spaß zu machen, so etwas können wir auf keinen Fall dulden!" Und seine Frau pflichtete ihm bei: "Das können wir nicht zulassen, dann müssen wir ihn eben wieder zurechtstutzen."

Der Baum konnte nicht mehr weinen, er hatte keine Tränen mehr. Er hörte auf zu wachsen. Ihm machte das Leben keine rechte Freude mehr. Immerhin, er schien nun dem Gärtner und seiner Frau zu gefallen. Wenn auch alles keine rechte Freude mehr bereitete, so wurde er wenigstens lieb gehabt. So dachte der Baum.

Viele Jahre später kam ein kleines Mädchen mit seinem Vater am Baum vorbei. Er war inzwischen erwachsen geworden. Der Gärtner und seine Frau waren stolz auf ihn. Er war ein rechter und anständiger Baum geworden. Das kleine Mädchen blieb vor ihm stehen. "Papa findest du nicht auch, dass der Baum hier ein bisschen traurig aussieht?", fragte es. "Ich weiß nicht", sagte der Vater. „Als ich so klein war wie du , konnte ich auch sehen, ob ein Baum fröhlich oder traurig ist. Aber heute sehe ich das nicht mehr. "Der Baum sieht wirklich ganz traurig aus." Das kleine Mädchen sah mitfühlend den Baum an. "Den hat bestimmt niemand richtig lieb. Schau mal, wie ordentlich der gewachsen ist. Ich glaube, der wollte mal ganz anders wachsen, durfte aber nicht. Und deshalb ist er jetzt traurig."

"Vielleicht", antwortete der Vater versonnen. "Aber wer kann schon wachsen wie er will?" "Warum denn nicht?", fragte das Mädchen. "Wenn jemand den Baum wirklich lieb hat, kann er ihn auch so wachsen lassen, wie er selber will, oder nicht? Er tut doch niemanden etwas zuleide." Erstaunt und schließlich erschrocken blickte der Vater sein Kind an. Dann sagte er: "Weisst du, keiner darf so wachsen, wie er will, weil sonst die anderen merken würden, dass auch sie nicht so gewachsen sind, wie sie eigentlich mal wollten".

"Das verstehe ich nicht, Papa!" "Sicher, Kind, das kannst du noch nicht verstehen. Auch du bist vielleicht nicht immer so gewachsen, wie du gerne wolltest. Auch du durftest nicht." "Aber warum den nicht, Papa? Du hast mich doch lieb und Mama hat mich auch lieb, nicht wahr?"

Der Vater sah sie eine Weile nachdenklich an. "Ja", sagte er dann, "sicher haben wir dich lieb." Sie gingen langsam weiter und das kleine Mädchen dachte noch lange über dieses Gespräche und den traurigen Baum nach.

Der Baum hatte den beiden aufmerksam zugehört, und auch er dachte lange nach. Er blickte ihnen noch hinterher, als er sie eigentlich schon lange nicht mehr sehen konnte. Dann begriff der Baum... und er begann hemmungslos zu weinen.

in dieser Nacht war das kleine Mädchen sehr unruhig. Immer wieder dachte es an den traurigen Baum und schlief schließlich erst ein, als bereits der Morgen zu dämmern begann. Natürlich verschlief das Mädchen an diesem Morgen. Als es endlich aufgestanden war, wirkte sein Gesicht blass und stumpf.

„Hast du etwas Schlimmes geträumt?“ fragte der Vater. Das Mädchen schwieg, schüttelte dann den Kopf. Auch die Mutter war besorgt: „Was ist mit dir?“
Und da brach schließlich doch all der Kummer aus dem Mädchen. Von Tränen überströmt stammelte es: „Der Baum! Er ist so schrecklich traurig. Darüber bin ich so traurig. Ich kann das alles einfach nicht verstehen.“ Der Vater nahm die Kleine behutsam in seine Arme, ließ sie in Ruhe ausweinen und streichelte sie nur liebevoll. Dabei wurde ihr Schluchzen nach und nach leiser, und die Traurigkeit verlor sich allmählich. Plötzlich leuchteten die Augen des Mädchens auf, und ohne dass die Eltern etwas begriffen, war es aus dem Haus gerannt.

Wenn ich traurig bin und es vergeht, sobald mich jemand streichelt und in die Arme nimmt, geht es dem Baum vielleicht ähnlich – so dachte das Mädchen. Und als es ein wenig atemlos vor dem Baum stand, wusste es auf einmal, was zu tun war. Scheu blickte die Kleine um sich. Als sie niemanden in der Nähe entdeckte, strich sie zärtlich mit den Händen über die Rinde des Baumes. Leise flüsterte sie dabei: „Ich mag dich, Baum. Ich halte zu dir. Gib nicht auf, mein Baum!“ Nach einer Weile rannte sie wieder los, weil sie ja zur Schule musste. Es machte ihr nichts aus, dass sie zu spät kam, denn sie hatte ein Geheimnis und eine Hoffnung.

Der Baum hatte zuerst gar nicht bemerkt, dass ihn jemand berührte. Er konnte nicht glauben, dass das Streicheln und die Worte ihm galten – und auf einmal war er ganz verblüfft, und es wurde sehr still in ihm.


Als das Mädchen wieder fort war, wusste er zuerst nicht, ob er lachen oder weinen sollte. Dann schüttelte er seine Krone leicht im Wind, vielleicht ein bisschen zu heftig, und sagte zu sich, dass er wohl geträumt haben müsse. Oder vielleicht doch nicht? In einem kleinen Winkel seines Baumherzens hoffte er nur, dass es kein Traum gewesen war. Auf dem Heimweg von der Schule war das Mädchen nicht allein. Trotzdem ging es dicht an dem Baum vorbei, streichelte ihn im Vorübergehen und sagte leise: „Ich mag dich, und ich komm bald wieder.“ Da begann der Baum zu glauben, dass er nicht träumte, und ein ganz neues, etwas seltsames Gefühl regte sich in einem kleinen Ast. Die Mutter wunderte sich, dass ihre Tochter auf einmal so gerne einkaufen ging. Auf alle Fragen der Eltern lächelte die Kleine nur und behielt ihr Geheimnis für sich.

Immer wieder sprach das Mädchen nun mit dem Baum, umarmte ihn manchmal, streichelte ihn oft. Er verhielt sich still, rührte sich nicht. Aber in seinem Innern begann sich etwas immer stärker zu regen. Wer ihn genau betrachtete, konnte sehen, dass seine Rinde ganz langsam eine freundlichere Farbe bekam. Das Mädchen jedenfalls bemerkte es und freute sich sehr. Der Gärtner und seine Frau, die den Baum ja vor vielen Jahren gepflanzt hatten, lebten regelmäßig und ordentlich, aber auch freudlos und stumpf vor sich hin. Sie wurden älter, zogen sich zurück und waren oft einsam.

Den Baum hatten sie so nach und nach vergessen, ebenso wie sie vergessen hatten, was Lachen und Freude ist – und Leben. Eines Tages bemerkten sie, dass manchmal ein kleines Mädchen mit dem Baum zu reden schien. Zuerst hielten sie es einfach für eine Kinderei, aber mit der Zeit wurden sie doch etwas neugierig. Schließlich nahmen sie sich vor, bei Gelegenheit einfach zu fragen, was das denn soll.


Und so geschah es dann auch. Das Mädchen erschrak, wusste nicht so recht, wie es sich verhalten sollte. Einfach davonlaufen wollte es nicht, aber erzählen, was wirklich war – das traute es sich nicht. Endlich gab die Kleine sich einen Ruck, dachte: „Warum eigentlich nicht?“ und erzählte die Wahrheit.

Der Gärtner und seine Frau mussten ein wenig lachen, waren aber auf eine seltsame Weise unsicher, ohne zu wissen, warum. Ganz schnell gingen sie wieder ins Haus und versicherten sich gegenseitig, dass das kleine Mädchen wohl ein wenig verrückt sein müsse. Aber die Geschichte ließ sie nicht mehr los. Ein paar Tage später waren sie wie zufällig in der Nähe des Baumes, als das Mädchen wiederkam.

Dieses Mal fragte es die Gärtnersleute, warum sie denn den Baum so zurechtgestutzt haben. Zuerst waren sie empört, konnten aber nicht leugnen, dass der Baum in den letzten Wochen ein freundlicheres Aussehen bekommen hatte. Sie wurden sehr nachdenklich. Die Frau des Gärtners fragte schließlich: „Meinst du, dass es falsch war, was wir getan haben?“„Ich weiß nur“, antwortete das Mädchen, „dass der Baum traurig ist. Und ich finde, dass das nicht sein muss. Oder wollt ihr einen traurigen Baum?“„Nein!“ rief der Gärtner. „Natürlich nicht. Doch was bisher gut und recht war, ist ja wohl auch heute noch richtig, auch für diesen Baum.“ Und die Gärtnersfrau fügte hinzu: „Wir haben es doch nur gut gemeint.“„Ja, das glaube ich“, sagte das Mädchen, „ihr habt es sicher gut gemeint und dabei den Baum sehr traurig gemacht. Schaut ihn doch einmal genau an!“ Und dann ließ sie die beiden alten Leute allein und ging ruhig davon mit dem sicheren Gefühl, dass nicht nur der Baum Liebe brauchen würde.


Der Gärtner und seine Frau dachten noch sehr lange über dieses seltsame Mädchen und das Gespräch nach. Immer wieder blickten sie verstohlen zu dem Baum, standen oft vor ihm, um ihn genau zu betrachten. Und eines Tages sahen auch sie, dass der Baum zu oft beschnitten worden war. Sie hatten zwar nicht den Mut, ihn auch zu streicheln und mit ihm zu reden. Aber sie beschlossen, ihn wachsen zu lassen, wie er wollte. Das Mädchen und die beiden alten Leute sprachen oft miteinander – über dies oder das und manchmal über den Baum.

Gemeinsam erlebten sie, wie er ganz behutsam, zuerst ängstlich und zaghaft, dann ein wenig übermütig und schließlich kraftvoll zu wachsen begann. Voller Lebensfreude wuchs er schief nach unten, als wolle er zuerst einmal seine Glieder räkeln und strecken. Dann wuchs er in die Breite, als wolle er die ganze Welt in seine Arme schließen, und in die Höhe, um allen zu zeigen, wie glücklich er sich fühlt. Auch wenn der Gärtner und seine Frau es sich selbst nicht trauten, so sahen sie doch mit stiller Freude, dass das Mädchen den Baum für alles lobte, was sich an ihm entfalten und wachsen wollte.

Voll Freude beobachtete das Mädchen, dass es dem Gärtner und seiner Frau beinahe so ähnlich erging wie dem Baum. Sie wirkten lebendiger und jünger, fanden das Lachen und die Freude wieder und stellten eines Tages fest, dass sie wohl manches im Leben falsch gemacht hatten. Auch wenn das jetzt nicht mehr zu ändern wäre, so wollten sie wenigstens den Rest ihres Lebens anders gestalten. Sie sagten auch, dass sie Gott wohl ein wenig falsch verstanden hätten, denn Gott sei schließlich Leben, Liebe und Freude und kein Gefängnis. So blühten gemeinsam mit dem Baum zwei alte Menschen zu neuem Leben auf.

Es gab keinen Garten weit und breit, in welchem ein solch schief und wild und fröhlich gewachsener Baum stand. Oft wurde er jetzt von Vorübergehenden bewundert, was der Gärtner, seine Frau und das Mädchen mit stillem, vergnügtem Lächeln beobachteten. Am meisten freute sie, dass der Baum all denen Mut zum Leben machte, die ihn wahrnahmen und bewunderten.

Diesen Menschen blickte der Baum noch lange nach – oft bis er sie gar nicht mehr sehen konnte. Und manchmal begann er dann, so dass es sogar einige Menschen spüren konnten, tief in seinem Herzen glücklich zu lachen.

Heinz Körner

Das Foto wurde von Karin Heringshausen zur Verfügung gestellt

Sexueller Missbrauch: Was Eltern zum Schutz der Kinder bedenken sollten

Ein Bericht aus der Thüringer Landeszeitung Online vom 29.03.2011


  • Auch wenn es eine 100-prozentige Sicherheit nicht gebe, könnten Eltern ihre Kinder stark machen, sagte die Landesgeschäftsführerin von Pro Familia, Elke Lieback. Foto: Peter Michaelis
Nachdem ein Mann in Weimar-West offenbar ungestört seinen pädophilen Neigungen nachgehen konnte, stellt sich die Frage: Wie kann ich mein Kind vor Übergriffen schützen? Auch wenn es eine 100-prozentige Sicherheit nicht gebe, könnten Eltern ihre Kinder stark machen, sagte die Landesgeschäftsführerin von Pro Familia, Elke Lieback.
Was dem kleinen Felix widerfahren ist, wird derzeit am Landgericht Erfurt juristisch aufgearbeitet. Verwunderlich ist aber, wie ungestört der Angeklagte Marius L. in der Öffentlichkeit seinen Neigungen nachgehen konnte. "Er hat sich ein Umfeld geschaffen, wo er Jungen zur Verfügung hat", sagte selbst der Gutachter Professor Hans-Peter Volz am jüngsten Verhandlungstag vor dem Landgericht Erfurt.

Wenngleich der Kinder- und Jugendschutzdienst Känguru, dessen Träger Pro Familia ist, häufig mit Missbrauchsfällen konfrontiert ist, sind pädophile Täter eher selten.

Dennoch sei das Vorgehen des Mannes fast schon typisch, sagte Lieback. "Kinder haben Bedürfnisse: Nach Nähe, nach Zuwendungen, nach Aufmerksamkeit. Sollten diese Bedürfnisse von Eltern nicht erkannt oder auf die leichte Schulter genommen werden, laufe man Gefahr, dass Kinder diese anderswo stillen." Täter gingen zielgerichtet vor und würden die Bedürftigkeit eines Kindes erkennen und für ihre Zwecke nutzen. Dabei spiele die soziale Herkunft der Opfer keine Rolle.

"Die Kinder müssen nicht zwingend arm sein. Sie müssen nur emotional bedürftig sein", betonte Lieback. Allerdings räumte sie ein, dass Familien aus einem sozialschwachen Milieu viel häufiger emotional bedürftige Kinder schaffen würden.
Kinder leiden unter gleichgültigen Eltern. Diese sollten vielmehr ein aktives Interesse an ihren Sprößlingen bekunden, sie nach ihrem Tag befragen und sich nach den Freunden erkundigen. "Dazu gehört auch, die Kinder aufzufordern, mal die Freunde nach Hause einzuladen, oder gemeinsam mit dem Kind öffentliche Plätze wie eine Skaterbahn aufzusuchen. Eltern sollten am Leben ihrer Kinder partizipieren."

Wenn diese Form der Eltern-Kind-Beziehung intakt sei, würden die meisten Kinder den meisten Versuchungen widerstehen. "Es sind die Proben des Lebens, von denen es viele gibt: Aber nicht jedes Kind verlässt wie Rotkäppchen den Weg", erläuterte Elke Lieback.

Der Kinder- und Jugendschutzdienst Känguru kümmert sich in Weimar und im Weimarer Land um Mädchen und Jungen, die misshandelt oder vernachlässigt wurden, die häusliche oder sexuelle Gewalt erfuhren oder davon bedroht waren.

Allein im vergangenen Jahr zählten die Mitarbeiter 150 neue Anfragen die Tendenz ist steigend. Darunter waren 82 Kinder, die Opfer sexueller Gewalt wurden. Dazu kommen 183 langfristige Fälle. "Die Gewalt gegen Kinder hat nicht dramatisch zugenommen: Die Öffentlichkeit ist heute aber viel stärker sensibilisiert", erklärte Lieback.
 
Dabei erinnerte sie daran, dass im Gegensatz zum Schicksal des kleinen Felix weit über 90 Prozent aller Missbrauchsfälle sich im familiären oder im sozialen Nahraum ereignen würden. Viel schwieriger sei es, diesen Teufelskreis zu durchbrechen, da man häufig auf eine Mauer des Schweigens stoße. 

Das Foto wurde von Karin Heringshausen zur Verfügung gestellt

„Hoffnung und Zweifel“ - Wer kennt diese beiden Gefühle nicht?!


„Heute ist das Morgen, über das wir uns gestern Sorgen gemacht haben.“
Unbekannter Autor



Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Kari Stern erzählen:

„Hoffnung und Zweifel“

„Die Hoffnung ging spazieren.
Und als sie leichten Schrittes den Weg entlang lief, traf sie auf den Zweifel. Auch er war spazieren gegangen, um etwas abzuschalten.
"Vielleicht geht er einfach vorbei." dachte die Hoffnung.
"Das wird nicht gut gehen." dachte der Zweifel.
Da der Weg nur schmal war und keiner der beiden ausweichen wollte, standen sie sich bald wie zwei Cowboys im Duell gegenüber. Als sie auf diese Weise einander anstarrten, wurde ihnen beiden plötzlich die Tatsache bewusst, dass sie sich bis aufs Haar glichen! Wie ein Zwilling dem anderen. Keiner hätte von außen sagen können, wer was war.
Sie wichen erschrocken voreinander zurück und sie liefen auseinander.
"Vielleicht hat er mich gar nicht gesehen." dachte die Hoffnung.
"Das hatte nicht gut gehen können." dachte der Zweifel.


Ihr Lieben,
uns allen geht es so, dass wir beides in uns tragen, die Hoffnung und den Zweifel.
Und diese beiden sind in einem stetigen Ringen miteinander verbunden.
Wie das auch in der Geschichte geschildert wird, sind die Hoffnung und der Zweifel fast schon siamesische Zwillinge.

Oft haben wir große Hoffnung, wenn es um die Genesung von einer schweren Krankheit geht.
 
Aber dann flüstert wieder der Zweifel in uns: „Hat der Doktor wirklich recht? Werde ich wirklich wieder gesund?“

Wenn uns jemand sagt, dass er uns liebt, dann erfüllt uns das mit Hoffnung auf eine wunderbare Zukunft, aber gleichzeitig keimt in uns der Zweifel auf: „Wird das immer so sein, wird er/sie mich immer liebt?“

Selbst bei unseren Kindern und Enkelkindern geht es uns nicht anders:
Wenn sie noch Kinder sind, dann erfüllt uns die Hoffnung, dass sie zu wunderbaren Menschen heranreifen, aber je näher die Pubertät heranrückt, desto mehr Zweifel beschleichen uns, ob dieses Ziel auch tatsächlich erreicht wird.

Wenn ich gefragt werde, wie man mit dem Zweifel umgehen soll, sage ich immer dieses:

Der Zweifel ist ein Bewohner des MORGEN, die Hoffnung aber ist die Begleiterin des HEUTE.

Lebe HEUTE und Hoffnung wird Dich HEUTE erfüllen.
Glaube HEUTE an die Liebe und sie wird Dich HEUTE glücklich machen.
Vertraue HEUTE Deinen Kindern und Du wirst HEUTE den Tag mit ihnen genießen.

Du kannst den Zweifel nicht ganz aus Deinem Leben verbannen, aber Du kannst dafür sorgen, dass er Dein HEUTE nicht beeinflussen darf. Der Zweifel soll MORGEN wiederkommen und wenn er in Deinem Kopf auftaucht, mache eine einfache Gedankenübung, die aber sehr hilfreich ist:


Sage zu dem Zweifel: „Ich akzeptiere Dich und ich höre Dir auch zu, aber NICHT HEUTE, sondern erst MORGEN. MORGEN ist aber ein neues HEUTE und so könnt Ihr den Zweifel jeweils für einen Tag aus Eurem Leben verbannen.

Ihr werdet merken, dass dies Vorgehen Euch mit der Zeit zur Gewohnheit wird und der Zweifel immer weniger Platz in Eurem Leben einnimmt und die Hoffnung immer stärker wird.



Ihr Lieben,

ich wünsche Euch heute einen Tag der Hoffnung, der Zuversicht und des Mutes und grüße Euch herzlich aus Bremen

Euer fröhlicher Werner



Das Foto wurde von Karin zur Verfügung gestellt