3129 Geschichten


Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 3.179 Beiträge und mindestens zwei Mal in der Woche kommen weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen


Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Sonntag, 10. Mai 2026

Geschichte: Das Rathaus von Schilda

 

Dunkelheit ist nichts anderes als das Fehlen von Licht!

Quelle: Astrid Müller
Ihr Lieben,

ich möchte Euch heute die lustige und doch ernsthafte Geschichte von den Schildbürgern erzählen, die Erich Kästner aufgeschrieben hat:

"Das Rathaus von Schilda"

Die Bürger von Schilda hatten ein neues Rathaus gebaut.
Alle Bürger waren mächtig stolz auf das neue Gebäude.
Es sollte festlich eingeweiht werden.
Alle wichtigen Bürger und Bürgerinnen der Stadt versammelten sich vor dem prächtigen Tor.
Der Bürgermeister eröffnete offiziell das Rathaus und alle gingen gemeinsam hinein, um die Einweihung zu feiern.

Doch was war das? Innen war das Rathaus völlig dunkel!
Die Schildbürger erschraken heftig und wunderten sich.
„Wir haben vergessen, Fenster einzubauen!“, rief dann die Frau des Bürgermeisters.
„Richtig!“, rief einer der Ratsherren und schlug sich mit der Hand an die Stirn.

„Nun, so werden wir in unserer ersten Ratssitzung darüber beraten, wie wir Licht in unser neues Rathaus hineinbringen können“,meinte daraufhin der Bürgermeister von Schilda.

„Das ist doch kein gar Problem“, sprach da einer der wichtigen Bürger der Stadt, „ich bin sicher, das Licht wird sich auch ohne Fenster in das Rathaus hineinbringen lassen.“

Schnell schrieb er eine lange Liste:           

„Das sollten wir versuchen:
das Licht in einen Sack stecken
 …den Sonnenschein mit Eimern schöpfen
 …den Tag in Mausefallen fangen
 …das Licht mit der Heugabel aufspießen
 …die Sonne anzapfen
 …den Tag in Kisten einsperren
 …das Sonnenlicht in Flaschen abfüllen
 …das Licht in den Spiegeln ins Rathaus tragen
 …die Helligkeit ins Rathaus schaufeln
Quelle: Karin Heringshausen
Ihr Lieben,

wenn wir diese Geschichte lesen, können wir nur schmunzeln, vor allem darüber, wie die Dunkelheit in dem Rathaus ohne Fenstern beseitigt werden sollte.

Unser Leben ähnelt manchmal auch so einem Rathaus ohne Fenster. Wir sehen in solchen Zeiten nur Dunkelheit in uns selbst.

Wir erleben in solchen Zeiten Schweres, wir erfahren tiefes Leid und spüren in uns tiefe Dunkelheit, große Mutlosigkeit und haben kein Vertrauen mehr in das Leben.

Wichtig ist es, dass andere Menschen in dieser Phase zu uns stehen, dass sie mit ihrem Licht den hellen Schein der Liebe, der Zuversicht und der Freude in unser Leben hineintragen.

So ist gewährleistet, dass zumindest zeitweilig Licht ins unsere Dunkelheit fällt und die Dunkelheit für einige Zeit weichen muss.

Nachteilig ist aber, dass, sobald diese lieben anderen Menschen uns wieder verlassen, die Dunkelheit mit aller Macht in unser Leben zurückkehrt.

Damit es dauerhaft hell wird in unserem Leben, damit dauerhaft Licht in unserem Leben scheint, müssen wir selbst tätig werden, das kann uns niemand abnehmen.

Wie wir oben an den Ratschlägen des Bürgermeisters von Schilda erkennen können, können wir die Helligkeit des Tages, den Schein der Sonne, das Licht der Freude, der Liebe und der Zuversicht nicht in Säcken einfangen und in unser Leben hineintragen.

Um Licht in unser Leben hineinzubekommen, um die Sonne in unserem Herzen zu entflammen, um das Licht der Zuversicht und der Hoffnung in unserem Leben zu entzünden, müssen wir große Fenster in das Haus unseres Lebens brechen, wir müssen uns dem Leben quasi öffnen.

Wenn wir zuhause bei heruntergelassenen Jalousien und abgeschaltetem Telefon sitzen, können wir nicht fröhlich werden, das ist eine nicht zu leugnende Tatsache.

Wichtig ist es, sich dem Leben wirklich zu öffnen,
…z.B. ein froh machendes Buch zu lesen
…z.B. mit fröhlichen Menschen einen Spaziergang oder eine Wanderung zu machen
…z.B. sich einem Kreis von Menschen anzuschließen, bei denen die Freude am Leben im Mittelpunkt steht.
…z.B. sich ein Hobby zu suchen, das der eigenen inneren Sehnsucht entspricht,
z.B. Singen oder Malen
…z.B. sich für andere Menschen einzusetzen, denn, indem wir anderen Menschen helfen, vertreiben unsere die eigene Dunkelheit.

Eines aber sollten wir niemals vergessen:
Wir brauchen vor der Dunkelheit keine Angst zu haben, 
denn eigentlich gibt es gar KEINE Dunkelheit. Dunkelheit ist nichts anderes als das Fehlen von Licht.

Deshalb ist es auch so einfach, etwas gegen die Dunkelheit zu unternehmen und die Dunkelheit kann nichts dagegen tun!

Selbst gegen das kleine Licht einer Kerze ist die Dunkelheit machtlos!


Deshalb lasst uns damit anfangen, 
dass wir das Licht in unser Lebenshaus hineinlassen,
damit es hell und fröhlich werde!

Ihr Lieben,

ich wünsche Euch ganz viel Licht in Euer Leben und nun eine guten erholsamen Abend und grüße Euch herzlich aus Bremen

Euer fröhlicher und zuversichtlicher Werner
Quelle: Helmut Mühlbacher

Mittwoch, 6. Mai 2026

Geschichte: Der Sonnenaufgang

 

Keller oder Balkon – das ist hier die Frage!

Quelle: Werner Forneberg

„Denke immer daran:
Menschen können immer das werden, zu dem wir sie ermutigen, aber sie werden niemals das werden, zu dem wir sie mit unserer Kritik treiben wollen!“

Alexander Rykow
Quelle: Karin Heringshausen
Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Lisa Kugler erzählen, die sich als Abgesandte des Internationalen Roten Kreuzes in mehreren südamerikanischen Ländern für politische Gefangene einsetzte:
„Der Sonnenaufgang“

„Haben Sie heute Morgen zufällig auf dem Weg zur Arbeit den wunderschönen Sonnenaufgang gesehen?“, fragte mich Steven. Ich schüttelte verneinend den Kopf.

„Aber ich habe ihn von meiner Zelle aus beobachtet und mir wurde bewusst, wie dankbar ich dafür sein kann, dass ich den Sonnenaufgang durch die Gitterstäbe meines Fensters sehen kann.

Es ist ein besonders schöner Morgen. Ich habe eben gefrühstückt. Heute war der Haferbrei nicht so kalt wie sonst oft und so ist es ein guter Tag.“

Diese Worte und der aufrichtige Ton in seiner Stimme ließen mich aufhorchen. Gestern erst hatte er die niederschmetternde Nachricht erhalten, dass er weitere fünf Jahre im Gefängnis verbringen müsse. Ich habe niemals vergessen, was ich von ihm an jedem schönen Morgen lernte.

Und wenn ich heute einmal wieder in Gefahr gerate, in Selbstmitleid zu versinken, dann erinnere ich mich daran, dass auch ich die Wahl habe, auf was ich mich in meinem Leben konzentrieren möchte.“
Quelle: Karin Heringshausen
Ihr Lieben,
manchmal, in schweren Zeiten unseres Lebens, da haben auch wir das Gefühl, wie in einem Gefängnis zu leben.
Das sind dann die Augenblicke, in denen wir am liebsten alles hinter uns lassen würden, in denen wir am liebsten aus allem ausbrechen würden, um irgendwo im Land unserer Wünsche, Träume und Bedürfnisse ein neues Leben zu beginnen.

Aber leider ist das Leben kein Wunschkonzert, wie schon das Sprichwort uns mitteilt.
So sind wir gezwungen, an dem Ort, wo wir wohnen, und an der Stelle, an die uns das Leben gestellt hat, zu bleiben und aus unserem Leben das Beste zu machen. Das ist nicht immer einfach und manchmal sogar sehr schwer.

Aber es gibt eine wundervolle Möglichkeit, unsere Lage dennoch zu verbessern, und diese Möglichkeit möchte ich Euch anhand eines Bildes verdeutlichen:

Unser Leben ist wie ein großes Haus, in dem wir leben.
Wenn wir schwere Zeiten erleben, wenn wir Zeiten der Not, des Leides, der Ungerechtigkeit oder Krankheit erleben, dann können wir, ohne das Licht einzuschalten, in den Keller unseres Lebens hinuntersteigen, und uns auf eine alte, ausgetretene kalte Treppenstufe setzen, in die Dunkelheit des Kellers hineinstarren und uns über die Finsternis in unserem Leben beklagen.

Es gibt auch noch eine andere Möglichkeit:
In dem gleichen Haus unseres Lebens können wir, statt in die Dunkelheit des Kellers hinunterzusteigen, hinaufsteigen auf den Balkon des ersten Stocks unseres Lebenshauses und von dort die Schönheit und das Mutmachende des Sonnenaufgangs, des Regenbogens, der strahlenden Sonne auf uns einwirken lassen.

Wenn wir uns in den Keller unseres Lebenshauses begeben und uns der Dunkelheit unseres Lebens widmen, dürfen wir uns nicht wundern, wenn mit der Zeit unsere Gedanken und Gefühle genauso grau und genauso traurig wie die Finsternis im Keller werden.

Wenn wir uns aber auf den Balkon unseres Lebenshauses begeben und die Schönheit und das Mutmachende des Sonnenaufgangs, des Regenbogens, der strahlenden Sonne auf uns einwirken lassen, dann können wir nicht vermeiden, dass Zuversicht und Hoffnung, dass Mut und Freude in unser Herz einziehen.
Quelle: Helmut Mühlbacher
Ihr Lieben,
ich wünsche Euch recht viel Ermutigung, viele aufbauende Gedanken, noch mehr Zuversicht und Hoffnung und ich grüße Euch herzlich aus Bremen
Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen

Montag, 4. Mai 2026

Geschichte: Die Grollkartoffeln

 

Wie viel Grollkartoffeln trägst Du mit Dir herum?

Quelle: Helmut Mühlbacher

Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte
von Christoph Georges erzählen:

"Die Grollkartoffeln“

"Ein Lehrer bat seine Schülerinnen und Schüler, zur nächsten Unterrichtsstunde am nächsten Tag einen Rucksack mitzubringen. Er selbst werde einen Sack Kartoffeln mitbringen.

Am folgenden Tag bat der Lehrer seine Schülerinnen und Schüler, sie sollten für jeden Menschen, dem sie etwas nicht verzeihen wollten, das er ihnen in ihrem Leben angetan habe, eine möglichst große Kartoffel auswählen, auf diese dessen Namen schreiben und die Kartoffel in den Rucksack legen.

Diesen Rucksack voller Kartoffeln sollten sie eine Woche lang mit sich herumtragen, d.h. überall dorthin mitnehmen, wo sie hingingen, und dabei an die Personen denken, deren Namen auf den Kartoffeln standen. Dabei sollten sie sich fragen, wem davon sie am leichtesten verzeihen könnten.

Einige der Schülerinnen und Schüler trugen nun leichte Rucksäcke, viele aber sehr schwere Rucksäcke auf dem Rücken. Alle Schülerinnen und Schüler waren startbereit.

Doch jedes Mal, so schloss der Lehrer seine kurze Ansprache, wenn sie sich dazu in der Lage fühlten, einem dieser Menschen, von dem sie sich verletzt fühlten, voll und ganz zu verzeihen, dürften sie die Kartoffel mit seinem Namen aus dem Rucksack herausnehmen und beiseitelegen.

Dann galt es, sich angesichts der verbliebenen Kartoffeln weiter zu fragen, wem sie denn nun am leichtesten vergeben könnten. Wenn sie sich voll und ganz in der Lage dazu fühlten, zu verzeihen, dürften sie auch diese Kartoffel mit dem entsprechenden Namen aus dem Rucksack nehmen und so weiter.

Am Ende der Woche kamen alle wieder zusammen. Einige Rucksäcke waren ganz leer, andere leichter geworden. Es gab niemanden, dessen Rucksack noch so angefüllt war wie eingangs der Woche.

Alle Schüler strahlten. Die herausgenommenen Kartoffeln türmten sich zu einem beachtlichen Berg auf. Gemeinsam schälten Schüler und Lehrer die Namen von den Kartoffeln ab, kochten die Kartoffeln in einem großen Topf und bereiteten eine leckere Suppe zu, von der jeder etwas abbekam.“

Ihr Lieben,

mir gefällt diese kleine Geschichte sehr, weil ich glaube, dass ganz viele Menschen mit einem solchen Rucksack mit Kartoffeln auf dem Rücken herumlaufen.
Viele Menschen können oder wollen den Menschen, die ihnen etwas angetan haben, nicht vergeben.

Wenn wir nicht bereit sind, zu vergeben bzw. zu verzeihen, 
dann  wird Folgendes geschehen:

Wenn wir die Kartoffeln in unserem Lebensrucksack nicht irgendwann herausnehmen, dann werden sie anfangen zu keimen und diese Keime an den Kartoffeln sind sehr giftig.

Auf die gleiche Weise werden die Wunden und die nicht vergebenene Taten aus der Vergangenheit unser Leben vergiften. Gedanken der Rache und der Wut werden uns dann beherrschen.

Der einzige Weg, um glücklich leben zu können, besteht darin, die Kartoffeln aus dem Rucksack unseres Lebens zu entfernen, den Tätern, die uns etwas getan haben, zu verzeihen und unbelastet von der Vergangenheit die Gegenwart zu genießen und auf die Zukunft zu schauen.

Rache vergiftet unser Leben.
Vergebung bereichert unser Leben.
Wut trennt uns von Menschen.
Liebe verbindet uns mit Menschen.
Quelle: Karin Heringshausen
Ihr Lieben,
ich wünsche Euch einen ruhigen Verlauf der Woche und grüße Euch herzlich aus Bremen

Euer fröhlicher Werner 

Freitag, 1. Mai 2026

Geschichte: Warum haben so viele weggeschaut?

 

Wir brauchen Quellen der Liebe und des Trostes!

Quelle: Helmut Mühlbacher
„Der Hunger nach Liebe ist schwerer zu stillen als der Hunger nach Brot.“
Mutter Teresa

Quelle: Helga und Gerd Steuer

Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte erzählen, deren wahrer Hintergrund vor einigen Jahren die Öffentlichkeit der USA erschütterte.
Die Geschichte stammt von 
Laura Hayes Lagana:

„Warum haben so viele weggeschaut?“

„Sein kurzes, qualvolles Leben war gekennzeichnet durch wiederholte Einlieferungen in die Notaufnahme, um unerklärbare und zweifelhafte Verletzungen zu behandeln, die sich mit der Zeit schon gar nicht mehr zählen ließen.

Die verantwortlichen Erwachsenen, die eigentlich dafür da sein sollten, ihrem Kind Liebe zu geben, hatten die eigenen Gefühlsausbrüche und Frustrationen nicht mehr im Griff.

Der kleine 10-jährige Junge hätte nicht durch das soziale Netz fallen dürfen, aber in unserer unvollkommenen Welt war genau das geschehen.

Als der geschundene und verletzte Junge endlich aus seiner Hölle erlöst wurde, erlebte er Momente des Trostes und der Sicherheit, die er bisher in seinem Leben so sehr vermisst hatte.
Quelle: Thomas Etzensberger
Sein Leben konnte allerdings nicht mehr gerettet werden.
Umgeben und umhüllt von der Liebe, die er in seinem jungen Leben so dringend gebraucht hätte und verdient hatte, ging er in das nächste Leben über.

Deshalb sollten wir jeden Tag für einen anderen Menschen eine Quelle der Liebe und des Trostes sein.“
Quelle: Helmut Mühlbacher

Ihr Lieben,

auf Beerdigungen oder wenn wieder über einen schrecklichen Fall von Kindesmisshandlung oder Kindesmissbrauch berichtet wird, höre ich neben anderen Sätzen immer wieder den einen Satz:

„Auch hätten wir uns/ hätten sich die Verantwortlichen doch um den Betroffenen mehr gekümmert."

Wenn jemand gestorben ist oder ein Kind nach einem schrecklichen Missbrauch oder einer entsetzlichen Misshandlung verstirbt, dann kommt zweifelsohne jede Hilfe zu spät.

Wir sind deshalb dazu aufgerufen, Liebe in diese Welt hineinzutragen, Vertrauen zu unseren Mitmenschen aufzubauen, Zuversicht zu schenken und Mut zu machen.

Wenn wir so handeln, dann betreiben wir die beste Vorsorge gegen Kindesmissbrauch und Kindesmisshandlung, die man sich nur denken kann.

Wenn Menschen unsere Liebe und unser Vertrauen spüren, dann öffnen sich uns vielleicht auch Eltern, die nicht mehr mit ihren Kindern fertig werden und wir können sie dann in ihrem Bemühen unterstützen, sich Hilfe zu suchen.

Wenn Menschen unsere Liebe und unser Vertrauen spüren, dann öffnen sich uns vielleicht auch Kinder, die misshandelt und missbraucht werden, weil sie spüren, dass wir sie nicht enttäuschen und ihnen helfen werden.

Es ist so wichtig, dass es solche Quellen der Liebe und des Vertrauens gibt.

Ebenso wichtig ist es aber auch, dass es Quellen des Trostes gibt, damit Menschen, die schreckliches Leid erlitten haben, die sich in einer Not befinden, wissen, dass wir bereit sind, ihnen zuzuhören, für sie da zu sein, ihnen zur Seite zu stehen.

Ihr Lieben,

ich wünsche Euch ein Wochenende der Liebe, der Zuversicht und der Hoffnung und ich grüße Euch mit tausend bunten Luftballons, die den Frühling verkünden sollen, aus Bremen
Euer nachdenklicher Werner

Quelle: Karin Heringshausen

Mittwoch, 29. April 2026

 

Vergesslichkeit ist nichts, dessen man sich schämen muss

Einer der Lieblingsplätze von Werner in der Nähe seiner Wohnortes
Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine kleine Geschichte von Christoph Georges erzählen:

"Eine Witwe war seit den frühen Morgenstunden schon auf den Beinen, um auf dem Wochenmarkt ein zu kaufen, was sie und ihr Kind zum Leben brauchen würden.
Gegen Mittag, als die Sonne hoch am Himmel stand, hatte sie alle Einkäufe und Erledigungen gemacht und war bereits auf dem Rückweg in das abgelegene Dorf.
Je näher sie aber ihrem Ziel, dem vertrauten Zuhause, kam, um so besorgter schaute sie drein.

In ihren Gedanken kamen Fragen nicht zur Ruhe:
Hatte sie etwas vergessen, was sie hätte für das Geburtstagsmahl ihres Sohnes besorgen müssen? 
Aus Liebe wollte sie es doch besonders ordentlich gestalten.
Mit aufgeregten Fingern suchte sie erst nach dem Mehl für den Kuchen... bald später nach dem Obst...

Quelle: Raymonde Graber
In ihrer Hand wurde der Korb immer schwerer. So blieb sie bald darauf stehen und stellte ihn ab.
Im Schatten des Baumes vor der Brücke, die hinein ins Dorf führte, wühlte sie lange in ihrem Korb und durchdachte alle Einkäufe noch einmal genau. ...


So würde sie sich zwar nicht den erneut langen Rückweg auf den Markt oder den beschwerlichen Marsch nach Hause sparen... aber vielleicht den Spott der Dorfbewohner und deren Gelächter über ihre Vergesslichkeit im Alter.

Schließlich, als sie sich dessen gewiss war, dass alle Dinge im Korb waren, die auf der Liste geschrieben standen, hob sie den Korb an und machte sich mit Mut und Zuversicht bereit, die Brücke zu überqueren hinein ins Dorf.
Etwa auf halber Strecke aber stockte sie.
Quelle: Helga und Gerd Steuer
Plötzlich verließ sie der Mut. Und wenn sie doch etwas vergessen hatte?... 
Die Gedanken marterten ihre Seele.
Also kehrte die Witwe verunsichert über sich selbst wieder um und suchte Schutz im Schatten des Baumes.

Wieder begann sie, die geschriebene Liste vor sich aus zu breiten... als ein Wanderer an ihr vorüber ging.
„Was tut ihr da, liebe Frau?“ fragte er nach einiger Beobachtung.
Die Witwe schämte sich ihrer Unsicherheit und Fehlerhaftigkeit wegen, doch schließlich fasste sie Vertrauen zu jenem freundlichen Fremden, der in etwa ihrem Alter war.

„Ich muss sicher sein, dass ich nichts vergessen habe, bevor ich ins Dorf hinüber gehe.“ Verwundert über diese Antwort, setzte sich der Fremde neben die Witwe auf die Bank. „Liebe Frau, ich möchte Dir helfen, damit Du zur Ruhe und hinüber in Dein Dorf kommst, ganz ohne Angst und Scham.“

Die Witwe hielt in ihrer Geschäftigkeit inne und schaute fragend auf den seltsam ruhigen Wegbegleiter. 
„Ich werde mit Dir all diese Dinge durchzählen und die Liste an mich nehmen. 

Du musst sie mir nur einen Moment geben ...“

Erschöpft willigte die Frau bald auf dieses Angebot der Hilfe ein, denn inzwischen war fast schon Sonnenuntergang. 
Der fremde Mann zählte, rechnete, zeichnete ab und nickte am Ende schon nach kurzer Zeit: „Ja, liebe Frau, Du hast wahrlich alles im Korb, was Du brauchst.“


Voller Freude und Erleichterung lächelte die Frau zum ersten Mal an diesem so anstrengenden Tag. Ihre Augen glänzten und ihre Hände drückten dankbar die Hand des fremden Helfers, während sie voller Mut und Zuversicht endlich wieder auf die Brücke ins Dorf zuging.

Festen Schrittes betrat sie die hölzernen Stufen und ging mit einer Hand um den Korb und der anderen abgestützt am Brückengeländer in Richtung des Dorfes. 
Auf der Hälfte aber kamen ihr erneut Zweifel

Sie warf einen Blick auf den vom Wanderer kontrollierten Zettel.
Konnte man dem Fremden aber vertrauen?
Woher sollte sie denn wissen, ob er es richtig kontrolliert hatte? Und wenn er ein Mensch wäre, der sich einen Spaß mit der Vergesslichkeit und Fehlerhaftigkeit anderer Menschen machte...?
Sie blieb erneut stehen.

Blickte sich unsicher um und wollte gerade wieder ihren Fuß zur Flucht unter den Baum setzen... 
als hinter ihr die warme Stimme des Mannes vom anderen Ende der Brücke rief:
Ich habe alles kontrolliert. Kehre nicht zurück, sondern gehe nach vorn.“
Wieder Vertrauen gefasst, ging die Witwe weitere Schritte in Richtung des Dorfes.

Kurz vor dem Tor aber, als sie noch einmal hinüber an das andere Ufer des Flusses schaute, konnte sie den Begleiter nicht mehr sehen. Er war weggegangen, bevor sie das Dorf erreicht hatte? 

Das konnte nur bedeuten, dass er aus schlechtem Gewissen geflohen war, bevor sie bemerken könne, dass doch etwas im Korb fehlte... Ihre Gedanken überschlugen sich und so beschloss sie, den ganzen Weg hinüber noch einmal zurückzugehen, um an jenem Platz unter dem Baum...

Quelle: Helmut Mühlbacher
„Nein, vertraue- ich bin hier! Du, liebe Frau, wenn Du Dir selbst schon nicht vertrautest, als wir uns am Mittag begegneten... und auch dem Geschriebenen auf Deinem Zettel nicht vertraust...auf dem ich alle Dinge nachzählte und wog... so vertraue meinen Worten jetzt, denn es ist spät und Dein Sohn wartet längst zu Hause. Geh nach vorn und nicht zurück,“ flüsterte er ihr vertraut und nah ins Ohr...

Als die Witwe wenig später endlich das Dorf erreicht hatte, lief ihr besorgter Sohn ihr entgegen: 
„Wo warst Du nur so lange, Mutter? Ich habe mir solche Sorgen um Dich gemacht.“


Noch bevor die Frau dem Sohn erklären konnte, wie unsicher sie sich auf dem Weg vom Markt gewesen war... und wie sehr sie sich doch für ihre vermeintliche Schwäche der Vergesslichkeit schämte... sah er sie an und weinte Tränen: 

„Mutter, und wenn wir nichts zu essen gehabt hätten, so wäre es ja doch ein schöner Geburtstag! Denn wichtiger als alle Dinge ist, dass Du da bist, meine Mutter!“ 

Wie oft gehen wir verunsichert falsche Wege oder richtige Wege wieder zurück oder gar überhaupt nicht? 
Wie viele Menschen wohl lieber zum „Baum“ zurückkehren statt in das vertraute „Dorf“ nach Hause?

Dabei aber könnten wir doch wissen, dass es wichtigere Dinge gibt, als Nahrung, Kleidung oder tägliche Sorgen... und dass es „im Dorf“ Menschen gibt, die über unsere Fehler und Schwächen längst hinwegschauen und sich freuen, UNS zu sehen."
Quelle: Astrid Müller
Ihr Lieben,

viele Menschen, die älter werden, leiden unter Vergesslichkeit.
Habe ich die Haustür abgeschlossen, bevor ich in die Stadt gegangen bin?
Habe ich die Herdplatte ausgemacht, bevor ich mich vor den Fernseher gesetzt habe?
Habe ich im vergangenen Monat an alle Geburtstage meiner Freunde und Verwandten gedacht?
Die Liste ließe sich beliebig fortsetzen.


Vergesslichkeit ist etwas ganz Normales, auch junge Menschen sind manchmal vergesslich. Wir älteren Menschen begehen nur den Fehler, darin eine Minderwertigkeit unserer Person zu sehen. Und das Gefühl, nicht mehr so viel wert zu sein, belastet uns viel mehr als die eigentliche Vergesslichkeit!

Ich wünsche Euch allen, dass es Euch gelingen möge, mit der Vergesslichkeit zu leben. Ich habe mir das angewöhnt. Für die wirklich wichtigen Dinge und Termine habe ich mir kleine Erinnerungszettel gemacht und die anderen Vergesslichkeiten nehme ich mit Humor.
Quelle: Helmut Mühlbacher
Ihr Lieben,
ich wünsche Euch morgen einen fröhlichen und zuversichtlichen Tag und ich grüße Euch herzlich aus dem frühlingshaften Bremen

Euer fröhlicher Werner


„Nun aber bleibt Glaube, Hoffnung, Liebe - diese drei; die Größte aber von ihnen ist
die Liebe.“