3129 Geschichten


Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 3.179 Beiträge und mindestens zwei Mal in der Woche kommen weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen


Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Montag, 9. März 2026

Geschichte: Die wahre Armut

 

Quelle: Werner Forneberg


"Nimm ein Kind an die Hand und lass dich führen, betrachte die Steine, die es aufhebt, und  lausche und hör aufmerksam zu, was es dir erzählt, und es wird dich in eine Welt entführen, die du schon längst vergessen hast."
Alexander Rykow


Quelle: Karin Heringshausen

Ihr Lieben,


heute möchte ich Euch die Geschichte einer unbekannten Autorin erzählen:

"Die wahre Armut"

„Nie vergaß ich diesen einen Ausflug im Herbst, zu dem unser Vater meine drei Geschwister und mich mitnahm. Damals muss ich so zehn Jahre alt gewesen sein und wir fuhren hinaus aufs Land.

Denn unser Vater wollte, wie er sagte, uns einmal zeigen, wie arm Menschen sein können. So verbrachten wir einen ganzen Tag auf einem - für unsere Verhältnisse – sehr ärmlichen Bauernhof.

Vor allem erinnere ich mich daran, dass wir vier Kinder noch nie zuvor ein Plumpsklo gesehen, geschweige denn benutzt hatten! Auf dem Bauernhof befand es sich gleich hinter dem Schweinestall, und mein jüngster Bruder war so beeindruckt davon, dass er sofort zurücklief, um es uns Geschwistern zu zeigen. Aber dann ging es zu der Bauernfamilie aufs Feld.

Die Feldarbeit war schwer, zumal wir es gar nicht gewohnt waren, so lange gebeugt Runkelrüben aus dem Boden zu ziehen...Reihe um Reihe. Mittags ging es zum Hof zurück und es gab deftige Hausmannskost auf Suppentellern am einfachen Küchentisch, so ganz ohne Servietten und Tischdecke, ganz anders, als es bei uns daheim üblich war.

Gleich nach dem Essen ging es mit den Bauersleuten wieder aufs Feld hinaus. Abends waren wir vier Stadtkinder müde, aber stolz, bei der Rübenernte mit der Bauernfamilie halbwegs mitgehalten zu haben.

Spät abends kehrten wir von unserem Ausflug aufs Land nach Hause zurück. Da fragte uns unser Vater: "Nun, Kinder, wie war der Ausflug?" Worauf wir Kinder einstimmig riefen: "Ach, Vati, das war so schön dort!

Unser Vater sah uns etwas verwundert an, hatte er doch eine ganz andere Antwort erwartet. So fragte er uns: "Habt ihr denn gar nicht gesehen, wie arm diese Bauernfamilie war?" "Ja, das schon!", antworteten meine Geschwister und ich so einstimmig und so einig wie nie zuvor. "Ja, aber was habt ihr denn daraus gelernt?", wollte unser Vater wissen.

Da antwortete ich: "Vati, wir dürfen hier zu Hause keinen Hund haben, aber dort auf dem Bauernhof hatten sie eine Hündin und fünf dieser süßen Welpen."

Mein mittlerer Bruder sagte: "Wir haben einen Goldfischteich im Garten, aber auf dem Land haben sie den Bach, der in den Fluss und von dort weit, weit bis ins Meer fließt."

Meine ältere Schwester schaute in die Dämmerung hinaus. "Wir hängen nur für Feste Lampions im Garten auf, aber auf dem Bauernhof haben sie jede Nacht die vielen Sterne.

Unsere Terrasse reicht nur bis zum Garten, aber sie haben den großen weiten Himmel über sich."

Traurig sagte unser Jüngster: "Vati, die Bauernkinder sehen ihren Vater viel öfter als wir dich. Morgens dürfen wir dich nicht stören und abends kommst du oft erst heim, wenn ich schon schlafe." Und dann schluchzte er auf: "Vati, ich wusste gar nicht, wie arm wir sind."

Die alte Dame blickte leise schmunzelnd auf: "Muss ich noch sagen, dass unser Vater dastand und sprachlos war?"

Quelle: Karin Heringshausen


Ihr Lieben,

ich wünsche Euch morgen einen wunderbaren Tag und ich grüße Euch alle ganz herzlich aus dem sonnigen Bremen.

Euer fröhlicher Werner

Quelle: Karin Heringshausen

Geschichte: Die Linde

 

Ich wünsche Dir einen Lindenbaum!

Quelle: Helmut Mühlbacher


Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Gudrun Pausewang erzählen:

„Die Linde“
www.duden.de
 "Fährst Du in den Wald?“, fragte Andreas seinen Vater, der die Motorsäge aus der Scheune holte. „Darf ich mit?“ „Heute fahre ich nicht in den Wald“, sagte der Vater. „Heute kommt die Linde dran.“

„Die Linde in unserem Hof?“, fragte Andreas erschrocken.
Der Vater sah den Jungen nicht an. „Sie muss weg“, sagte er und räusperte sich.
„Sie macht der Mutter so viel Arbeit, vor allem im Herbst. Aber es sind nicht nur die Blätter. Auch wenn sie blüht, macht sie Dreck“.

 
„Blätter und Blüten sind doch kein Dreck“, entgegnete Andreas.
„Nenn´s, wie Du willst“, sagte der Vater. „Weggekehrt werden muss es so und so. Die Mutter hat das Kehren satt. So viel Arbeit, die nichts bringt.“
„Aber die Linde ist doch schön!“, rief Andreas.
 
Der Vater warf einen Blick hinauf in den mächtigen Baum. „Für die Schönheit zahlt mir keiner was“, sagte er. „Außerdem steht sie an einer ungünstigen Stelle. Ich muss mit dem Traktor immer einen Bogen um die fahren, wenn ich in den Schuppen will.“
„Ist das denn schlimm?“, fragte Andreas. „Zwei Minuten Umweg?“
Schenklengsfelder Linde
www.wikipedia.org
„Jeden Tag ein paar Mal rein und raus mit dem Traktor“, sagte der Vater, „das macht schon eine halbe Stunden am Tag. Im Jahr summiert sich das. Und jetzt verzieh Dich, Junge, Du hältst mich auf.“

Andreas lief neben dem Vater her, der im Schuppen die Axt holen ging. „Aber Dein Urgroßvater hat sie doch gepflanzt“, rief er. „Das hast Du mir erzählt!“
„Na und?“, brummte der Vater.
 
Deinem Großvater hat der Dreck nichts ausgemacht und Dein Vater hat sie auch nicht gefällt“, sagte Andreas. „Die sind ja auch noch aufs Plumpsklo gegangen, damals“, sagte der Vater. „Heute herrschen andere Sauberkeitsmaßstäbe. Also jetzt verschwinde.“

„Aber ich weiß von der Großmutter, dass der Großvater die Linde lieb gehabt hatte“, rief Andreas. „Noch als er im Krieg auf Urlaub kam, hat er sich darunter gesetzt. Deshalb hat die Großmutter auch oft darunter gesessen, nachdem er gefallen war. Und Dein Vater hat sie sicher auch lieb gehabt. Wozu hätte er sie sonst stehen lassen? Da gibt´s doch noch ein altes Foto, wo er unter der Linde sitzt. Damals war sie aber noch längst nicht so dick wie jetzt.“

„Früher hatten die Leute abends noch Zeit, sich abends unter eine Linde zu setzen“, knurrte der Vater. „So was kann man sich heutzutage nicht mehr leisten, wenn der Schornstein rauchen soll.“

„Du sitzt doch auch eine Menge vor dem Fernseher“, antwortete Andreas.
„Das ist etwas ganz anderes“, sagte der Vater ärgerlich. Er winkte dem Nachbarn zu, der gerade mit seinem Sohn, dem langen Bernd, zur Hofeinfahrt hereinkam und auch eine Axt in der Hand hielt.

 
„Na, kann´s losgehen?“, rief der Nachbar herüber. „Auf geht´s!“, rief der Vater zurück und zeigte zwischen Schuppen und Scheune. „Am besten, wir lassen sie dort hinüberfallen.“

„Nein!“, rief Andreas, lief zur Linde und versuchte, den dicken Stamm zu umklammern. „Ich habe sie doch auch lieb! Ich will auch darunter sitzen!“
„Jetzt mach keine Schau“, sagte der Vater zornig. „Der Baum ist ja kein Mensch!“

 
„Du willst doch, dass ich später mal hier Bauer werde“, rief Andreas. „Aber wenn Du die Linde fällst, dann kannst Du Deinen Hof behalten!“ Und er brach in Tränen aus.
Der Vater blieb unschlüssig stehen und sah den Jungen an.
www.badische-zeitung.de
„Ich kann ihn verstehen“, sagte der Nachbar. „Ich würde sie auch nicht umlegen. Wär verdammt kahl hier, ohne sie.“ „Und dann die vielen Vögel in den Zweigen“, sagte der lange Bernd. „Dann gäb´s im Frühling kein Gezwitscher mehr auf dem Hof.“

„Ich kehre auch jeden Tag“, sagte Andreas und wischte die Tränen weg. „Und ich will zu meinem Geburtstag nichts mehr geschenkt bekommen, damit das mit dem Umweg wieder ausgeglichen wird.“

„Also, so knapp geht´s ja bei uns doch nicht zu, dass wir das nicht verkraften können“, sagte der Vater. „Komm her, trag die Axt wieder in den Schuppen. Aber wie bringen wir das der Mutter bei, dass die Linde stehen bleibt?“

„Ich spreche mir ihr“, sagte der lange Bernd. „Ich werde ihr sagen, dass Hof-Linden jetzt ‚in‘ sind.“
„Nein, danke“, sagte der Vater, das müssen wir schon selbst machen, der Junge und ich. Nicht wahr, Andreas?“
Quelle: Astrid Müller

Ihr Lieben,

vor etlichen Jahren machte ich im Sommer übers Wochenende von Bremen aus eine größere Radtour, die mich durch das Emsland nach Heede führte. Heede ist kein Ort, den man kennen muss. Berühmt ist Heede nur deshalb, weil dort die größte europäische Linde steht, ein wirklich beeindruckender Baum! 
Die Linde in Heede
www.ndr.de
Es war eine wundervolle Ruhe und Stille, die sich in mir ausbreiteten, als ich mich im Schatten des Baumes ausruhte.
Der Umfang der Linde in Heede beträgt 17 Meter!
www.ndr.de

Die Frage, die ich mir immer wieder stelle, ist die Frage, warum die Menschen so Angst vor der Stille und Ruhe haben. Ich kenne viele Menschen, die wie der Vater in unserer Geschichte oft stundenlang täglich vor dem Fernseher sitzen, wogegen erst einmal so nichts zu sagen ist.
 
Merkwürdig ist nur, dass die gleichen Menschen, wenn man sie einlädt, einmal einige Minuten unter einem Baum oder in einem Garten zur Stille und Ruhe zu kommen, plötzlich angeblich ganz viel zu tun haben, das sie gerade jetzt daran hindert, zur Ruhe zu kommen.

Die deutsche Sprache ist sehr klug, sie spricht von „zur Ruhe kommen“.
Das bedeutet, wenn wir an unserer Seele genesen wollen, wenn wir ruhig und gelassen werden wollen, wenn wir Ruhe und Frieden für unsere gehetzte Seele finden wollen, müssen wir „zur Ruhe kommen“. 

Die Ruhe kommt also nicht zu uns, sondern wir müssen „zur Ruhe kommen“, zu ihr hingehen.
 „Zur Ruhe kommen“ ist also eine ganz gewusste Entscheidung von uns, zu sagen: „Bei allem Stress, den ich habe, bei aller Arbeitsbelastung, die ich ertragen muss, bei allem Termindruck, dem ich ausgesetzt bin, will ich mir Inseln der Ruhe schaffen, damit ich abschalten und ausruhen kann."

Als ich in Göttingen studierte und später dort als Dozent an der Universität gearbeitet habe, habe ich mir nach einer anstrengenden Arbeitswoche am Wochenende manchmal im Frühling, Sommer oder Herbst die Freiheit genommen, mit meinem Auto nach Bad Sooden-Allendorf zu fahren.
 
Dort ist ein Brunnen zu finden, neben dem eine Linde steht.
Dort hat Wilhelm Müller das berühmte Lied gedichtet, das dann von Franz Schubert vertont wurde:
  

"Am Brunnen vor dem Tore
Da steht ein Lindenbaum
Ich träumt in seinem Schatten
So manchen süßen Traum
Ich schnitt in seine Rinde
so manches liebes Wort
Es zog in Freud und Leide
Zu ihm mich immer fort

Ich musst auch heute wandern
Vorbei in tiefer Nacht
Da hab ich noch im Dunkel
Die Augen zugemacht
Und seine Zweige rauschten
Als riefen sie mir zu:
"Komm her zu mir, Geselle
Hier findst du deine Ruh

Die kalten Winde bliesen
Mir grad ins Angesicht
Der Hut flog mir vom Kopfe
Ich wendete mich nicht
Nun bin ich manche Stunde
Entfernt von diesem Ort
Und immer hör ich´s rauschen:
"Du fändest Ruhe dort!"


Ich habe dann dort einige Stunden gesessen und diese  Stunden haben mir dann viel Kraft geschenkt.

Ich wünsche Euch, dass auch Ihr eine solche Linde findet, unter der Ihr zur Ruhe kommen könnt. Ihr werdet staunen, wie gut Euch solche Zeiten der Ruhe tun werden und vielleicht habt Ihr dann auch die Gelegenheit, Eure innere Stimme zu vernehmen.
 
Das Besondere an unserer inneren Stimme ist, dass man sie nur dann hört, wenn man zur Ruhe kommt, wenn man still wird. 

Ich wünsche Euch jedenfalls ein gutes Gespräch mit Eurer inneren Stimme und ganz viel Ruhe und inneren Frieden.
Seid herzlich aus Bremen gegrüßt

Euer fröhlicher Werner

Quelle: Karin Heringshausen

Sonntag, 8. März 2026

Geschichte: Worauf es bei einem Fest wirklich ankommt

 

Quelle: Helmut Mühlbacher


Nimm Dir Zeit, mit Gleichgesinnten zusammen zu sein,
Feste zu feiern und fröhlich zu sein.“

Alexander Rykow


Ihr Lieben,


ich möchte Euch heute eine Geschichte aus dem alten Persien erzählen:


„Worauf es bei einem Fest wirklich ankommt“


„Es war an der Zeit, ein großes Fest vorzubereiten.
Der König befahl seinen Leuten: "Ich möchte, dass es ein wirklich königliches Fest wird. Die Gästeliste soll überquellen von illustren Persönlichkeiten.
Die Tische sollen sich biegen unter Delikatessen und der
Wein soll nur aus erlesenen Trauben und besten Jahrgängen
bestehen." 
www.wikipedia.org
Die Mitarbeiter schwärmten aus und brachten aus allen Landesteilen
nur das Köstlichste. Aber der König schaute trotz aller Mühen immer
noch recht unzufrieden drein: 
Quelle: wikipedia.org
"Im letzten Jahr habe ich ein durch nichts zu überbietendes Fest gegeben.
Aber die ganze Stadt sprach nur von dem Fest bei Ramun, dem Künstler.
Da wurde getrunken und gegessen, gesungen, getanzt und gelacht die ganze Nacht.
Im Jahr davor war es dasselbe. Ebenso im Jahr davor und davor.
Einmal muss es mir doch gelingen, diesen Wurm zu übertrumpfen.
Denn ich, ich bin der König."

Einer der Mitarbeiter, ein kluger Mann, verneigte sich tief und fragte:
"Mein König, habt Ihr je mit dem Künstler gesprochen? Es muss doch
einen Grund geben, warum die Leute sein Fest so lieben, obwohl sie
in einfacher Hütte ihre selbst mitgebrachten Happen essen und einfachen
Wein trinken."

Der König nickte stumm und sagte: "Gut, schafft mir diesen Ramun
heran." Und so geschah es. "Warum lieben die Menschen Dein Fest so sehr?" fragte der König.

Darauf antwortete der Künstler:
"Wir sind Menschen, die sich mögen.
Wir sind Menschen, die gerne singen, tanzen und lachen.
Wir sind Menschen, die sich miteinander aneinander freuen.
Das macht uns einfach glücklich und unser Fest so reich.“
Quelle: Werner Forneberg


Ihr Lieben,


viele Menschen glauben, das Leben bestehe nur aus Pflichterfüllung, aus Arbeit und Anstrengung.
Wer so denkt, versäumt die schönen Seiten des Lebens.


Um unsere Pflicht ausgezeichnet erfüllen zu können, um unsere Arbeit zufriedenstellend erledigen zu können und den Anstrengungen des Lebens gewachsen zu sein, brauchen wir auch Zeiten der Ruhe, Zeiten des Ausgleichs, Zeiten des Feierns, Zeiten, in denen wir gemeinsam mit anderen Menschen fröhlich sein können.
www.chiemgau.de



Dabei kommt es nicht darauf an, wie in unserer Geschichte, dass die Feste, die wir feiern, besonders ausgefallen und besonders teuer sind.


Wichtig ist, dass wir mit Menschen zusammen sind, die so denken wir wir.
Wenn ich mich als fröhlicher Mensch mit Menschen umgebe, die nur das Traurige und das Beschwerliche im Leben sehen, darf ich mich nicht wundern, wenn irgendwann auch meine Fröhlichkeit schwindet.


Wenn wir fröhlich leben wollen, sollten wir uns mit fröhlichen Menschen umgeben oder uns einem Kreis fröhlicher Menschen anschließen. Fröhlichkeit steckt an und wenn zwei Menschen zusammen fröhlich sind, dann sind sie in der Lage, weitere Menschen mit ihrer Fröhlichkeit anzustecken, und diese Fröhlichkeit verleiht ihnen dann Kraft für den harten Alltag der Pflichterfüllung und der Arbeit.
Quelle: Werner Forneberg



Ein gesundes, ein fröhliches, ein mutiges und der Zukunft zugewandtes Leben lebt in der Ausgewogenheit. Unser Tag hat auch in diesem Jahr täglich 24 Stunden.
 
Ausgewogenheit bedeutet:
Ich habe 24 Stunden zur Verfügung: 8 Stunden stelle ich meiner Arbeit zur Verfügung, 8 Stunden nutze ich, um mich durch Schlaf zu erholen, und die restlichen 8 Stunden gehören meinen Verwandten, Freunden und Bekannten und – nicht zu vergessen – mir selbst.


Natürlich kann diese klare Aufteilung in jeweils 8 Stunden im normalen Leben nicht eingehalten werden, aber darauf kommt es auch gar nicht an:

Entscheidend ist die Ausgewogenheit zwischen unserer Arbeit, unserer Erholung und unserer Freizeit. Nur wenn diese Ausgewogenheit vorhanden ist, können wir ein glückliches und zufriedenes Leben führen.
Quelle: Werner Forneberg



Ich wünsche Euch für die vor uns liegende neue Woche von Herzen ganz viel innere Freude, recht viel Gelassenheit, viel Mut und Zuversicht, einen Lkw voll Liebe, eine Badewanne voll Geduld und einen Rucksack voll Glück


Ich grüße Euch herzlich aus dem schönen Bremen



Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen

Samstag, 7. März 2026

Geschichte: Mach es doch wie die Kastanie!

 



Quelle: Helmut Mühlbacher


Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Ursula Möltner erzählen:

 „Die drei Kastanien“

„Drei Kastanien wuchsen gemeinsam in ihrer Hülle auf einem Baum in der Bretagne.
Zuerst war die grüße Stachelkugel so winzig, dass man sie kaum sah.
Die Sonne beschien sie, der Wind wiegte sie und wenn es stürmisch war, hörten die kleinen Kastanien das Donnern der Wellen gegen die Dünen, denn ihr Baum wuchs im Wald an der Küste. Angst hatten sie keine, denn in ihrem Stübchen war es behaglich und warm, außerdem waren sie ja zu dritt.
www.wikipedia.org

 Zu essen hatten sie immer genug, denn der gute Baum versorgte sie kräftig mit Saft, den die Blätter auf dem Sonnenlicht und dem Wasser für die kleinen Kastanien stets frisch zubereiteten. Das schmeckte köstlich. So mussten sie sich um nichts sorgen und führten ein glückliches Leben.

Langeweile kannten sie nicht. Der Wind und die Vögel erzählten ihnen viele Geschichten vom Meer, von anderen Tieren und vom Wald. So lebten die Kastanien glücklich und zufrieden, wurden größer, rund, prall und tiefrot.

Endlich, als sie dick und schwer geworden waren, kamen die Herbststürme und rissen ihre grüne Stachelkugel vom Baum. Sie prallte auf die Erde und platzte auf. Ganz verdutzt kullerten die drei Kastanien aus ihrem Stübchen und sahen sich um. Sie lagen zusammen mit vielen anderen Kastanien auf dem Waldboden, umgeben von gelben Kastanienblättern.

„Und jetzt, was wird nun aus uns?“, fragten sie neugierig.
Da trippelte ein kleines Feldmäuschen herbei und sagte: „Meine Kinder und ich haben Hunger. Bald kommt der Winter und nichts wächst mehr. Wir brauchen Euch, um nicht zu verhungern. Darf ich eine von Euch vor mein Mauseloch rollen, damit meine Kinder etwas zu essen haben?“

„Ja,“, sagte gutmütig die dickste von ihnen, „nimm mich mit. Mein ganzes Leben hat der gute Baum mich ernährt, die Sonne mich beschienen und Wind und Blätter haben mir Geschichten erzählt. Nimm mich ruhig mit, Deine Kinder sollen nicht weinen vor Hunger.“
Da rollte das Mäuschen die dicke Kastanie vor das Mauseloch.

„Ob auch zu uns ein Mäuslein kommt?“, fragten sich die beiden anderen Kastanien.
Da krabbelte ein Marienkäfer durch das Laub auf der Suche nach einem warmen Plätzchen für den Winter. Das leere Stachelstübchen der Kastanien kam ihm gerade recht.

Während er es sich gemütlich machte, sagte er zu den beiden:

www.erlebnisraum-natur.bremen.de
„Wartet ab, seht mal, jetzt kommt der Winter. Die guten Blätter, die Euch den ganzen Sommer über genährt haben, fallen ab und decken Euch warm zu, damit ihr nicht friert. So schlaft ihr sanft ein unter der dicken Blätterdecke. Im Frühjahr werden Euch die warmen Sonnenstrahlen wecken, Eure schöne, rotbraune Schale ist dann weich geworden und Euer Herz – die Menschen nennen es „Keim“ – wird wachsen, zwei Blätter gekommen und ein neuer, kleiner Kastanienbaum wird geboren.“
www.tomate-paprika-kraeuterbeet.de

„Oh, wie schön!“, freute sich die Kastanie. Da fiel wieder ein großes Blatt vom Baum und deckte sie sanft zu. Sie schleif ein und träumte davon, ein großer Baum zu werden, in dem die Vögel nisteten.

Die dritte Kastanie lag nun allein auf dem Waldboden.
„Ob es noch mehr Wunder im Leben gibt, als für eine Mäusefamilie zu sorgen oder ein neuer Baum zu werden?“, dachte sie.
Da kam ich, sammelte sie zusammen mit vielen anderen Kastanien ein, legte sie in mein Auto und fuhr sie viele hundert Kilometer bis hierhin.“ 
Quelle: Astrid Müller
 Ihr Lieben,

als Junge im Alter von 8 Jahren wohnte ich mit meiner Familie mitten in Bremen.
Es war die Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg. Meiner Mutter war ich meist lästig und sie wollte nicht, dass ich ihr vor den Füßen herumlief. So hatte ich viel freie Zeit, die ich mit meinen Freunden verbrachte. Wir Jungs und auch die Mädchen waren sehr geschäftstüchtig. Wir suchten ständig nach Möglichkeiten, um einige Pfennige zu verdienen.
Werner im Alter von 8 Jahren
Wir suchten in den Trümmergrundstücken (halb Bremen lag damals in Trümmern nach dem Krieg) nach altem Eisen und schleppten es zu dem Schrotthändler Herrn Miesegardes, dessen Name sich mir so eingebrannt hat, dass ich ihn bis heute nicht vergessen hatte. Für das alte Eisen bekamen wir dann einige Pfennige oder einen Groschen.

In der Weihnachtszeit schleppten wir für alte Leute die Tannenbäume nach Hause für 10 Pfennig und im Sommer holten wir für einen Stundenlohn von 25 Pfennig den Leuten in ihren Gärten das Obst von den Bäumen.

Im Herbst haben wir dann meistens Kastanien oder Bucheckern gesammelt und diese dann säckeweise zu jemandem geschleppt, der damit seine Schweine fütterte.

Für das verdiente Geld haben wir uns dann in einem kleinen Laden in unserem Viertel, der den sinnigen Namen „Schokolädchen“ trug, heiß ersehnte Süßigkeiten gekauft und diese dann voller Genuss verzehrt, ja, fast möchte ich sagen, verschlungen.
So ähnlich sah das Lädchen damals aus
www.schokolaedchen-dejong.de
 Von daher verbinde ich noch heute schöne Erinnerungen mit Kastanien und auch heute nehme ich im Herbst immer einige mit nach Haus.

Die Kastanien sind ein gutes Sinnbild für unser Leben.
Ebenso wie die Kastanien müssen wir zunächst heranwachsen und reifen, bevor deutlich wird, was unsere Aufgabe ist.

Wir können den Sinn unseres Lebens wie die erste Kastanie darin finden, für andere Menschen da zu sein, anderen Menschen Freude zu machen, anderen Menschen das Leben zu verschönern, andere Menschen zu ermutigen.

Wir können den Sinn unseres Lebens wie die zweite Kastanie darin finden, ein neuer Kastanienbaum zu werden. Wir können vor allem jungen Menschen als starker Baum eine Möglichkeit bieten, sich anlehnen zu können, Schutz finden zu können, wenn sie unsere Hilfe brauchen, sich unter unserem Schutz entwickeln zu können zu eigenständigen starken Persönlichkeiten.

Wir können den Sinn unseres Lebens aber wie die dritte Kastanie darin finden, den Menschen, mit denen wir zusammenleben und denen wir begegnen, zu zeigen, wie vielfältige Möglichkeit das Leben bereit hält. Denn, wenn wir Kastanien so gerne mit nach Hause nehmen, dann hat das mit dem in uns tief verwurzelten inneren Wissen zu tun, was man mit einer Kastanie alles machen kann:

Man kann mit ihr spielen, man kann mit ihr basteln, man kann sie essen, man kann sie einpflanzen, man kann sie an das eigene Ohr halten und dann erzählt sie uns ihre Geschichte: von dem wundervollen Baum, auf dem sie groß geworden ist, von ihren Schwestern, von dem Wald, in dem sie wohnte…

So können wir den Menschen zeigen, welch vielfältige Möglichkeiten das Leben für sie bereit hält.

Die Kastanie weist uns aber auch auf die vielfältigen Möglichkeiten hin, die in uns stecken.
Viele Menschen wissen oft in ihrem Leben nicht mehr weiter, wenn sie ein Ziel, dass sie anstreben, nicht erreichen können, wenn ihnen der Weg versperrt ist.


In einem solchen Fall möchte uns die Kastanie zurufen:
Halte inne, es gibt keinen Grund, traurig oder deprimiert zu sein. Komm zur Ruhe, hör in Dich hinein und entdecke, welch vielfältige Möglichkeiten in Dir stecken. Du glaubst vielleicht, dass, wenn ein Weg versperrt ist, dass dann „alles“ aus ist. Die Wahrheit ist aber eine ganz andere: Wenn Du erkennst, dass ein Weg versperrt ist, dann ist die richtige Reaktion darauf nicht, zu sagen: „Das Leben ist ungerecht und ich habe kein Glück“, sondern zu sagen: „Ok, dieser Weg, den ich gehen wollte ist versperrt, also werde ich schauen, welche anderen Wege gangbar sind.“ Wenn Du das tust, wirst Du das große Geheimnis eines mutigen Lebens entdecken:
„Wo sich ein Weg verschließt, da öffnen sich in der Regel zwei neue Wege!“

Ich wünsche Euch für die nächste Woche viel Mut zu Neuem, viel Hoffnung auf Veränderung, viel Zuversicht auf neuen Wegen, viel Kraft auf Eurem Weg und ganz liebe Menschen an Eurer Seite

Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen