| Quelle: Karin Heringshausen |
Ihr Lieben,
ich möchte Euch heute eine
traurige Geschichte erzählen, die ursprünglich von einem unbekannten Autor
stammt und von mir ein wenig überarbeitet wurde:
„Sie nahmen ihm die Luft zum Atmen“
„Das ganze Dorf war unterwegs.
Schwer schwankte der Sarg, der von 6 jungen Männern getragen wurde.
Fast alle
Dorfbewohner und auch etliche Bewohner der umliegenden Orte waren zu der
Beerdigung von Holger gekommen, um den Eltern und seinen Geschwistern ihr
Beileid auszusprechen und Holger das letzte Geleit zu gehen.
Der lange Zug der
Beerdigungsgäste, die den Sarg begleiteten, näherte sich langsam dem Friedhof.
Unter den Trauergästen waren viele Menschen zu sehen, die schluchzten und sich
immer wieder mit einem Taschentuch die Tränen aus den Augen wischten.
Was war geschehen? Holger, der
Sohn des angesehenen Bürgermeisters hatte sich vor einen Zug geworfen und damit
seinem Leben auf eine so furchtbare Weise ein Ende gesetzt.
Keiner verstand, warum Holger
diesen Schritt gegangen war, und alle waren der festen Überzeugung, dass er doch
alles im Leben hatte, um glücklich zu leben.
Was war in seiner Kindheit und
Jugend nur geschehen?
„Das darfst du nicht“, sagte der Vater.
Gläubig blicke der kleine Holger zu ihm auf und ließ es sein.
„Dafür bist zu klein“, erklärte
die Mutter. Respektvoll zog Holger sich zurück.
„Auch dies ist nicht gut“ erzog
ihn der Vater.
„Und jenes nicht recht“, erzog
ihn die Mutter.
„Wenn große Leute sprechen,
haben Kinder nichts zu sagen“,
ermahnte man ihn. Also schwieg Holger
bescheiden.
„Stell Dich nicht so dumm an!“,
rügte der ihn Lehrer. Und Holger ließ das Fragen.
„Holger ist so linkisch und gar
nicht gesprächig“, langweilten sich die Mädchen. Das munterte Holger gar nicht
auf.
„Sitz nicht im Hause herum!,
rügte der Vater.
„Was suchst Du auf der Straße?“,
rügte die Mutter.
„Holger scheint mir verklemmt zu
sein“, meinte der Arzt.
„Verschlossen!“, sagte sein
Lehrherr.
„Verträumt. Was soll aus ihm
werden?“ „Ich kann Holger nicht brauchen“, urteilte sein Chef.
„Holger vergrämt mir die
Kundschaft. Er spricht kaum. Er hat keinen eigenen Kopf. Er fragt aber auch
nichts. Holger ist ein seltsamer Kauz!“
„Organisch ist Holger gesund!“
urteilte der Arzt.
„Und Holger war so ein hübsches
Kind“, flüsterten die Nachbarn.
„Alle kümmerte sich um ihn: die
Familie, die Schule, nichts fehlte ihm.
Aber er wurde mit seinem Leben nicht fertig. Die Eltern sind zu bedauern!“
Ihr Lieben,
Wir können etliche Tage darauf
verzichten, etwas zu essen.
Wir können nur wenige Tage darauf verzichten, etwas zu trinken.
Wir können aber nur wenige Minuten darauf verzichten, zu atmen.
Atmen zu können – das ist für
uns lebenswichtig.
Auch wenn wir die Luft nicht sehen, sondern sie nur im Lufthauch oder im
Sturmbrausen wahrnehmen, so ist sie doch für uns lebensnotwendig.
Wer uns die Luft zum Atmen
nimmt,
nimmt uns gleichzeitig das Leben, der tötet uns.
Unsere heutige Geschichte möchte
und auf etwas ganz Wichtiges hinweisen:
Damit unsere Kinder und Enkelkinder zu starken Persönlichkeiten heranwachsen
können, müssen wir ihnen erlauben, eigene Wege zu gehen, einen eigenen Willen
zu entwickeln, eine eigene Meinung zu entfalten.
Wenn wir das nicht tun, wenn wir
mit ihnen umgehen wie die Menschen in unserer heutigen Geschichte, dann
geschieht das Gleiche wie bei der Luft:
Wer nicht duldet, dass die
Kinder und Enkelkinder eigene Wege gehen, einen eigenen Willen entwickeln und
eine eigene Meinung entfalten, nimmt den Kindern und Enkelkindern quasi die
Lebensluft.
Im Deutschen kennen wir den
Ausdruck „Jemanden mundtot machen“.
Jemandem zu verbieten, sich zu entfalten, sich entwickeln zu dürfen, kommt
einem Mord gleich!
Das sollte uns klarmachen, wie wichtig es ist, dass unsere Kinder und Enkelkinder lernen, ihren eigenen Weg zu gehen, eigene Meinungen zu entwickeln und einen eigenen Willen zu bekunden.
Wenn sie das lernen, werden sie zu selbstständigen starken Persönlichkeiten heranreifen und damit geschützt sein vor Menschen, die mit ihnen etwas tun wollen, das sie nicht wollen.
Diese kleine Geschichte ist aber
auch wichtig für uns selbst:
Wenn wir glücklich und zufrieden durch unser Leben gehen wollen,
dann müssen auch
wir lernen, uns frei zu machen von
Einflüssen, die nicht gut sind für uns,
dann müssen auch wir lernen, unsere
eigene Meinung zu vertreten, auch wenn manche unserer Meinung nicht zustimmen
können,
und dann müssen wir lernen, tapfer Schritt für Schritt unseren eigenen
Weg zu gehen, auch wenn das dem einen oder anderen nicht gefällt.
Ihr Lieben, 
Quelle. Helmut Mühlbacher
Ich wünsche Euch ein fröhliches mutiges Wochenende und grüße Euch herzlich aus meinem Wohnzimmer in Bremen.
Euer fröhlicher Werner
Das ESELSKIND
Es folgt wieder ein neues Video von mir auf YouTube, denn ich erzähle seit Kurzem meine Geschichten auch auf Youtube:

















