3129 Geschichten


Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 3.179 Beiträge und mindestens zwei Mal in der Woche kommen weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen


Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Donnerstag, 19. März 2026

Geschichte: Mit dem Herzen sehen

 

Ich wünsche mir die Herzenswärme
eines blinden Hundes!



Quelle: Helmut Mühlbacher


„Liebe ist eine Sprache, die die Blinden sehen und die Tauben hören.“
Donald E. Wildman


Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Kathe Neyer erzählen:


"Mit dem Herzen sehen"

 „Barkley war drei Jahre alt, als er von einer Familie, die ihn nicht mehr haben wollte, zu mir kam.

Der große Hund, ein Golden Retriever, war in einem schlechten Gesundheitszustand, denn seine Vorbesitzer hatten sich nur wenig um ihn gekümmert. 

Nachdem ich ihn körperlich aufgepäppelt und genügend Zeit mit ihm verbracht hatte, um eine Beziehung zwischen uns entstehen zu lassen, stellte ich fest, dass Barkley einen außergewöhnlichen Charakter besaß. 
www.hunderassen.de
 Er war intelligent und darauf versessen, anderen zu gefallen. Wir absolvierten also die grundlegenden und die fortgeschrittenen Gehorsamsübungen und besuchten einen Kursus über Sozialtherapie, um all das in Erfahrung zu bringen, was wir wissen mussten, damit Barkley ein Therapiehund werden konnte.

Schon nach wenigen Monaten begannen wir mit unseren wöchentlichen Besuchen im Krankenhaus. Anfangs wusste ich gar nicht, was ich erwarten sollte, aber Barkley und ich hatten Spaß daran, einfach mit der Arbeit anzufangen.

Zuerst vergewisserte ich mich, ob ein Patient oder eine Patientin von Barkley besucht werden wollte, und wenn das der Fall war, ging der Hund an das Bett und wartete so lange, bis die jeweilige Person die Hand nach ihm ausstreckte. 

Einige nahmen ihn in den Arm und drückten ihn, andere streichelten ihn einfach nur, während er die ganze Zeit mit wedelndem Schwanz und einem Gesichtsausdruck dastand, der an ein breites und fröhliches Grinsen erinnerte. 

Seine Sanftheit machte ihn ohne Unterschied zum Liebling aller Menschen im Krankenhaus, seien es Mitarbeiter, Patienten oder ehrenamtliche Helfer.

Jede Woche zog ich Barkley etwas anderes an, und für jeden Feiertag hatte er eine eigene Garderobe. An seinem Geburtstag trug er einen Geburtstagshut und zu Helloween ein Zorrokostüm. Zu Weihnachten belustigte er mit der Zipfelmütze von Knecht Ruprecht. Am meisten gefiel den Leuten jedoch sein Osterkostüm, das aus Hasenohren und aus einem weißen Hasenschwänzchen bestand, das ich an Barkleys hinterem Ende befestigte. Die Patienten wollten immer wissen, wie der Hund in dieser Woche gekleidet war.

Ungefähr ein Jahr, nachdem wir mit unseren Besuchen im Krankenhaus angefangen hatten, bemerkte ich, dass Barkley immer schlechter sehen konnte, denn manchmal stolperte er einfach in irgendetwas hinein.

Der Tierarzt attestierte eine Sehschwäche, die teilweise darauf zurückzuführen sei, dass der Hund in jungen Jahren zu stark vernachlässigt worden war. Im Laufe des Jahres verschlechterte sich sein Zustand, aber Barkley schien sich nichts anmerken zu lassen. Selbst ich war mir nicht im Klaren, wie schlimm es um Barkley wirklich bestellt war, bis ich eines Abends mit Barkley außerhalb des gewohnten Hofes spielte.

Als ich ihm den Ball zuwarf, hatte er große Schwierigkeiten, ihn zu fangen. Er musste seine Nase zur Hilfe nehmen, um den Ball am Boden zu finden, nachdem er ihn mehrmals mit der Schnauze verfehlt hatte. Am nächsten Tag ging ich mit ihm zum Tierarzt, der eine Operation für unausweichlich hielt. Nachdem Barkley dreimal operiert worden war, um wenigstens einen Teil seines Augenlichts zu retten, wurde er vollkommen blind.

Ich machte mir Sorgen, wie er mit einer so schweren Beeinträchtigung klarkommen würde, aber er gewöhnte sich schnell an seine Blindheit. Es schien, als ob sich seine anderen Sinne als Ausgleich für den Verlust der Sehkraft verschärft hätten. Schon bald war er nieder auf den Beinen und bestand darauf (indem er am Garagentor stand und die Ausfahrt blockierte), dass ich ihn mit ins Krankenhaus nahm, damit er seine Freunde besuchen konnte. So nahmen wir erneut zur Freude aller – und besonders zur Freude Barkleys – unsere wöchentlichen Krankenbesuche auf.

Barkley verhielt sich im Krankenhaus so natürlich, dass die Leute kaum glauben konnten, dass er blind war. Er war bereits blind, als mich jemand fragte, ob er ein Blindenhund sei. Ich lachte und meinte, dass Barkley eigentlich selbst einen Blindenführer benötigte.
Quelle: Helmut Mühlbacher
 Er schien die fast unheimliche Fähigkeit zu entwickeln, Dinge zu registrieren, die jenseits der sinnlichen Wahrnehmung lagen. Eines Tages kamen wir in ein Krankenzimmer und Barkley ging zu meiner Überraschung direkt auf die Besucherin zu, die auf einem Stuhl neben dem Bett saß, und berührte ihre Hand mit seiner Nase.

Nie zuvor hatte der blinde Hund den ersten Kontakt auf diese Weise hergestellt und so fragte ich mich, was ihn in diesem Fall wohl dazu bewogen haben könnte. Als ich neben dem Stuhl der Frau stand und sah, wie sie mit Barkley sprach, erkannte ich den Grund für Barkleys Verhalten.
 
Ich habe keine Ahnung, wie er es herausgefunden hatte, aber der völlig blinde Barkley wusste, dass die Frau auf dem Stuhl ebenfalls blind war.

Seltsamerweise schätzten die Patienten Barkleys Anwesenheit sogar noch mehr, seitdem er sein Augenlicht verloren hatte. Als Barkley einen Preis für über vierhundert Stunden ehrenamtlichen Einsatzes erhielt, meinte jemand zu mir: „Es ist erstaunlich, was ein blinder Hund alles bewirkt!“

Den Menschen war entgangen, dass Barkley nicht wirklich blind war. Er konnte weiterhin sehen – mit seinem Herzen.“

"Es ist besser, ein kleines Licht zu entzünden, als über große Dunkelheit zu schimpfen."
Konfuzius
Konfuzius
Quelle: Astrid Müller

Ihr Lieben,

als ich diese Geschichte las, musste ich zunächst ein wenig schmunzeln und ich dachte an die alte Volksweisheit: „Andere Länder – andere Sitten!

Ich mag Hunde sehr gerne, vor allem Hunde mit einer eigenen starken Persönlichkeit.
Vielleicht würde ich deshalb einem Hund niemals Kleidung anziehen, wie man das in Amerika gerne tut. 

Aber auch wenn uns das ein wenig albern oder unpassend erscheint, einem Hund ein Hütchen aufzuziehen oder ihm Kleidung anzulegen, so ist das doch auf der anderen Seite ein Zeichen dafür, wie sehr der Hund zum Freund des Menschen geworden ist.

Aber um die Kleidung der Hunde geht es in unserer Geschichte auch nicht, es geht darum, dass wir erkennen, wie viel Freude wir verbreiten können, wie viel Liebe wir weitergeben können, wenn wir einfach einmal für einen Menschen da sind.

Wenn sich Menschen schon über den Besuch eines Hundes so freuen, wie sehr würden sich viele Menschen freuen, wenn sie von einem anderen Menschen Besuch bekommen würden.

Warum aber lieben die Menschen den Besuch des Hundes so sehr? Der Hund hört ihnen zu und der Hund hat Zeit!
 
Wenn wir jemanden besuchen, dann lautet einer unserer einleitenden Sätze oft:
Ich habe aber nicht viel Zeit!“ und während wir den anderen Menschen besuchen, reden wir oft zu viel und erdrücken den anderen Menschen mit unseren eigenen Sorgen.

 
Probiert es doch einfach einmal aus: 
Mit kaum etwas macht Ihr eine so große Freude, als wenn Ihr einen Menschen, der sich nach Besuch sehnt, besucht, Zeit mitbringt und ihm still zuhört.

Und je mehr Ihr ihm zuhört, desto mehr werdet Ihr das große Geheimnis erkennen:
Je stiller Ihr werdet und je mehr Ihr zuhört, desto mehr lernt Ihr, mit dem Herzen zu sehen, zu erkennen, was wirklich wichtig ist, worauf es wirklich ankommt. Und dann wird eine tiefe innere Ruhe in Euer Herz einkehren und Zufriedenheit und Dankbarkeit werden Euer Herz erfüllen.

Man sieht nur mit dem Herzen gut.
Das Wesentliche ist für die Augen unsichtbar
Antoine de Saint-Exupéry

Ihr Lieben,

Ich wünsche Euch nun einen ruhigen Freitag

Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen

Dienstag, 17. März 2026

Geschichte: Nur zwanzig Minuten

 

Carpe diem! Ergreife den Tag, nutze ihn in Deinem Sinne!



Quelle: Helmut Mühlbacher

„Die Gegenwart hat einen Vorteil gegenüber allen anderen Zeiten – sie ist Deine eigene."
Charles C. Colton
Quelle: Helmut Mühlbacher
Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine kleine Geschichte von Martin Rutte erzählen:

„Nur zwanzig Minuten“

„Er war der Geschäftsführer einer großen, erfolgreichen Werbefirma und ich war ein junger Unternehmensberater. Ich war ihm von einem seiner Mitarbeiter empfohlen worden, der die vorzügliche Qualität meiner Arbeit kannte und der Ansicht war, dass ich etwas anzubieten hätte. 

Ich war nervös. Zu diesem Zeitpunkt meines noch jungen beruflichen Werdegangs kam es nicht oft vor, dass ich mit der Geschäftsführung persönlich sprach.

Der Termin war für zehn Uhr angesetzt und sollte eine Stunde dauern, Ich war schon früher da.  Punkt zehn wurde ich in einen großen luftigen Raum mit leuchtend gelber Polstergarnitur gebeten.

Der Geschäftsführer hatte die Ärmel hochgekrempelt und blickte mich unfreundlich an. „Sie haben nur zwanzig Minuten“, kläffte er mich an.
Quelle: Karin Heringshausen

Ich saß da, ohne ein Wort zu sagen.
„Ich sagte, Sie haben nur zwanzig Minuten.“
Erneut keine Reaktion.
„Ihre Zeit läuft Ihnen davon. Warum sagen Sie nichts?“

„Es sind meine zwanzig Minuten“, antwortete ich, 
„ich kann mit ihnen machen, was ich will.“
 
Er brach in lautes Gelächter aus.
Danach unter hielten wir uns anderthalb Stunden lang und ich bekam den Auftrag.“
Quelle: Werner Forneberg


Ihr Lieben,

Durch meine berufliche Tätigkeit als Lektor habe ich viel mit Studentinnen und Studenten zu tun.
 
Ich korrigiere Ihre Seminar-, Haus-, Examens- und Diplomarbeiten. Dabei sehe ich meine Aufgabe darin, nicht nur die Rechtschreibe-, Satzzeichen- und Grammatikfehler in den Arbeiten zu verbessern, sondern gleichzeitig die jungen Studentinnen und Studenten auch zu motivieren.

Manche Studentin, mancher Student ist nach einem langen Studium entmutigt und steht ziemlich mutlos vor der Abschlussarbeit des Studiums. Ich versuche dann, diese jungen Menschen zu ermutigen, ich helfe ihnen, an sich selbst und ihre Fähigkeiten zu glauben, ich unterstütze sie, damit sie nicht aufgeben und ihre Arbeit erfolgreich abschließen.

Nach dem Studium suchen diese jungen Menschen oft lange Zeit vergeblich nach einer geeigneten Anstellung. Sie schicken mir dann ihre Bewerbungen und ich helfe ihnen, diese so zu formulieren, dass sie zumindest zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden.

Ob man in einem Vorstellungsgespräch allerdings so forsch vorgehen kann wie der junge Mann in unserer heutigen Geschichte, daran habe ich allerdings meine Zweifel. 
www.euphedes.de

Was der junge Mann in unserer heutigen Geschichte allerdings richtig macht, ist, dass er erkennt, dass es in einem Vorstellungsgespräch vor allem darauf ankommt, die eigene Persönlichkeit zu präsentieren. 

Viele Menschen, die zu einem Bewerbungsgespräch gehen, sind deshalb erfolglos, weil sie in dem Bewerbungsgespräch versuchen, so zu sein, wie sie glauben, dass ihr Gegenüber das erwartet. 

Erfolg in einem solchen Gespräch hat aber nur derjenige, der zeigt, was in ihm steckt, der seine Persönlichkeit entfaltet und seine Ansichten und Wertvorstellungen mitteilt.

Bei allem, was wir tun, ist es ganz wichtig, dass wir darauf achten, wir selbst zu sein, dass wir lernen, auf unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche, unsere eigenen Sehnsüchte und Träume zu achten.

Auf dem Weg zu uns selbst, zu unserem eigenen kleinen Glück kann uns vor allem unsere Freizeit helfen. Wir sollten dann zur Ruhe kommen, in uns hineinhorchen und uns fragen: Was möchte ich jetzt tun? Worauf habe ich Lust? Wonach sehne ich mich?

Gerade, was die Freizeit betrifft, gehen wir oft den falschen Weg.
Natürlich ist es gut, mit unseren Bekannten und Freunden, unseren Verwandten und vor allem mit unseren Lieben, unserer Partnerin, unserem Partner, 
etwas zu unternehmen und für sie da zu sein. 

Aber wir brauchen auch Zeiten der persönlichen Erholung, des Ausspannens, Zeiten, in denen wir auf unsere Wünsche und Sehnsüchte achten.

Aber allzu oft werden wir auch in unserer Freizeit von anderen Menschen vereinnahmt:
„Lass uns doch einmal einen schönen Ausflug machen!“
„Wollen wir gemeinsam ins Kino gehen?“
„Ich hätte jetzt große Lust auf eine Partie Schach mit Dir!“

Alle das sind lieb gemeinte Aufforderungen und Anregungen, gegen die im Grunde nichts einzuwenden ist.  Entscheidend ist aber, dass wir darauf achten, dass wir selbst nicht dabei zu kurz kommen, dass wir darauf achten, dass auch unsere eigenen Wünschen und Bedürfnisse  erfüllt werden.

Denn nur derjenige, der die richtige gute wertvolle Balance in seinem Leben findet, also zum einem seinen Lieben und Freunden Zeit schenkt und sich zum anderen auch Zeit für sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche nimmt, wird zufrieden und glücklich werden und das Leben genießen können.

Ihr Lieben,

ich wünsche Euch einen heiteren Mittwoch mit Zeit für Euch selbst und Eure Wünsche und Hoffnungen, Träume und Sehnsüchte.

Ich grüße Euch herzlich aus Bremen

Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen

Montag, 16. März 2026

Geschichte: Das Wunder des Senfkorns

 

Ich habe, was Du suchst,
und möchte es Dir gerne schenken!


Quelle: Helmut Mühlbacher

Ihr Lieben,

viele von Euch wissen, dass ich vor vielen Jahren Theologie studiert habe.
In meinem Studium las ich auch den Vers aus der Bibel (Lukas 5,6):

„Wenn Ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet Ihr zu diesem Baum sprechen: Hebe Dich hinweg und wirf Dich ins Meer! Und er würde Euch gehorchen.“
www.wikipedia.org
 Ich gebe zu, ich habe diesen Vers nie richtig verstanden. Denn ich traf in meinem Leben etliche gläubige Menschen, aber keiner war in der Lage, zu einem Baum zu sagen: „Hebe Dich hinweg und wirf Dich ins Meer!“

Ich merkte, dass diesem Vers eine tiefe und starke Wahrheit innewohnte, aber ich konnte sie nicht finden, bis ich die folgende chinesische Legende las, nacherzählt von Peter Graf v. Eysselsberg:

„Das Wunder des Senfkorns“

„Vor vielen Jahren lebte in der chinesischen Provinz eine alte Frau, deren Sohn plötzlich starb.
 
Der Tod bedeutet immer einen großen Verlust für die Hinterbliebenen, aber den größten Verlust erleidet eine Mutter, die ihr eigenes Kind zu Grabe tragen muss.
Quelle: Werner Forneberg

In ihrem tiefen Kummer suchte die Frau einen alten weisen Mann auf und fragte ihn:
„Ist es Dir möglich, meinen Sohn wieder zum Leben zu erwecken?“

Der weise Mann antwortete ihr: „Bring mir ein Senfkorn aus einem Haus, das niemals Leid kennengelernt hat. Mit diesem Senfkorn werden wir den Kummer aus Deinem Leben vertreiben.“

Die Frau machte sich auf den Weg, um nach dem Senfkorn zu suchen. Auf ihrem Weg kam sie zu einem prächtigen Haus mit einem Garten voll wunderbaren Rosen und Lilien. Sie klopfte an das Haus und sagte: „Ich suche ein Haus, das niemals Leid erfahren hat. Ist dies der richtige Ort? Die Antwort auf meine Frage ist wichtig für mich.“

Die Bewohner des Hauses antworteten ihr: „Du bist leider an den falschen Ort gekommen“, und sie berichteten ihr von all dem Unglück, das sich jüngst bei ihnen ereignet hatte.
Quelle: Werner Forneberg

Die Frau aber dachte über die Worte der Hausbewohner nach und sprach zu sich selbst:  „Wer kenn diesen armen, unglücklichen und vom Unglück verfolgten Menschen wohl besser helfen als ich, die ich selbst so einen großen Verlust erlitten habe!“ So blieb sie in dem prächtigen Haus mit dem Garten voller wunderbarer Rosen und Lilien und tröstete dessen Bewohner.

Etliche Wochen später, als sie davon überzeugt war, die Bewohner genug getröstet und in ihnen wieder neuen Lebensmut, neue Hoffnung und Zuversicht geweckt zu haben, brach sie wieder auf und suchte weiter nach einem Haus ohne Leid.

Doch, wo immer wie sie hinkam – ob in elende Hütten, ob in prächtige Paläste – überall begegnete ihr das Leid. Schließlich beschäftigte sie sich ausschließlich mit dem Leid anderer Menschen. Dabei vergaß sie ganz die Suche nach dem wundersamen Senfkorn, ohne dass ihr das bewusst wurde.

So verbannte sie mit der Zeit den Schmerz aus ihrem Leben.“
Quelle: Karin Heringshausen

 Ihr Lieben,

wie gerne würden wir die Schwierigkeiten, das Leid, die Krankheiten, das Unglück und den Tod aus unserem Leben verbannen und immer glücklich und zufrieden leben.

Aber wer so denkt, hat das Leben nicht verstanden.
Das Leben verhält sich wie die vier Jahreszeiten:
Es gibt einen Frühling, einen Sommer, einen Herbst und einen Winter in dem Leben eines jeden Menschen. Ich selbst befinde mich jetzt wohl im Herbst meines Lebens. 

Und eines Tages kommt der Winter meines Lebens heran und dann wird es Zeit für mich, Abschied zu nehmen und zu gehen.

In der Straße, in der ich wohne, wohnen etliche junge Familien und es berührt mich immer tief in meinem Herzen, wenn ich darüber nachdenke, dass ich, wenn diese jungen Menschen einmal so alt sein werden wie ich jetzt bin, nicht mehr da sein werde.

Aber das ist nun einmal der Lauf des Lebens und wir müssen es leider als eine Tatsache des Lebens hinnehmen, dass uns in unserem Leben Leid, Krankheiten, Unglücke, Schwierigkeiten und auch der Tod begegnen.

Aber es gibt etwas, das wir tun können:
Wir können handeln
wie die Frau in unserer Legende.

 
Wir sollten es zu einem unserer Lebensziele machen, dass wir uns gegenseitig das Leben leichter machen, dass wir uns gegenseitig trösten, dass wir uns gegenseitig, Mut machen, dass wir uns gegenseitig Halt geben, dass wir uns gegenseitig verzeihen, dass wir uns gegenseitig helfen, dass wir uns gegenseitig Freude schenken und dass wir einander lieben.

Wer das praktiziert, der wird das große Geheimnis entdecken, das 
schon Franz von Assisi entdeckte:
Quelle: Wikipedia.org

Indem wir trösten, werden wir getröstet…
Indem wir anderen Freude schenken, lernen wir, wieder selbst zu lachen…
Indem wir anderen verzeihen, wird auch uns verziehen…
Indem wir andere lieben, werden auch wir geliebt…
Indem wir anderen Mut machen, werden auch wir ermutigt…
Indem wir anderen Zuversicht und Hoffnung schenken, werden auch wir mit Zuversicht und Hoffnung erfüllt…

Wenn wir das praktizieren, dann haben wir zwar noch keinen Glauben, der zu einem Baum sprechen kann: „Hebe Dich hinweg und wirf Dich ins Meer!“, aber wir leisten dann etwas weit Größeres, etwas, das weit über das Entwurzeln eines Baumes hinausgeht.

Ich wünsche Euch in der kommenden Zeit viele Augenblicke:
Augenblicke des Ruhe, um nachzudenken.
Augenblicke der Freude, mit Euren Lieben zusammen zu sein.
Augenblicke des Glücks, um das Leben genießen zu können.
Augenblicke der Liebe, um Euer Leben und das Leben Euer Lieben mit Freude zu erfüllen.

 
Ihr Lieben,

Ich grüße Euch herzlich aus dem schönen Bremen und danke Euch herzlich für alle die vielen E-Mails und Nachrichten, die ich auch diese Woche wieder von Euch erhalten habe.

Euer fröhlicher Werner vom Weserstrand

Quelle: Karin Heringshausen

Sonntag, 15. März 2026

Geschichte: Mein Bruder Brad

 

Wie entscheidest Du Dich???


Quelle: Helmut Mühlbacher


„Wir können nicht ohne Schmerz durch das Leben gehen…
Wir können einzig und allein wählen, wie wir den Schmerz verwandeln, den das Leben uns bringt.“

Bernie S. Siegel
Quelle: Astrid Müller

Ihr Lieben,

ich möchte Euch heute eine Geschichte von Jennifer Rhea Cross erzählen:

„Mein Bruder Brad“

„Es gab eine Zeit in meiner Kindheit, in der ich glaubte, dass Gott unsere ganze Familie bestrafte, in dem er uns zusehen ließ, wie mein einziger Bruder starb.
Mein Bruder Brad litt an Hämophilie. Bei Hämophilie-Kranken gerinnt das Blut nicht in normaler Weise: bei Schmittverletzungen ist es demnach schwierig, die Blutung zu stoppen. Verliert der Kranke zu viel Blut, muss er unbedingt Blutkonserven bekommen, damit sein Körper funktionsfähig bleibt.

Obwohl Brad wegen seiner Hämophilie nicht so aktiv wie andere Kinder sein konnte, hatten wir viele gemeinsame Interessen und verbrachten eine Menge zeit zusammen. Brad und ich fuhren mit den Kindern aus der Nachbarschaft Fahrrad und im Sommer schwammen wir die meiste Zeit in unserem Swimmingpool. Wenn wir Fußball oder Basketball spielten, warf Brad den Ball. Brad suchte einen kleinen Hund für mich aus, als ich sieben war, und ich nannte ihn Piwie. Mein Bruder Brad war mein Beschützer und mein bester Freund.
Quelle: Werner Forneberg
 
Als Brad zehn Jahre alt war, bekam er von jemandem eine Blutkonserve, der nicht wusste – oder zu egoistisch war, es zuzugeben -, dass er oder sie durch das Aidsvirus infiziert war.

Ich war gerade in die sechste Klasse gekommen, als mein Bruder erste schwere Symptome aufwies und bei ihm Aids diagnostiziert wurde. Er war noch neu auf der Highschool und gerade erste fünfzehn geworden. Zu jener Zeit waren viele Menschen nicht darüber informiert , wie man Aids bekommen konnte, und hatten Angst, sich in der Nähe von Menschen aufzuhalten, die sich infiziert hatten. Meine Familie war besorgt darüber, wie die Menschen reagieren würden, wenn sie herausfanden, dass mein Bruder Aids hatte.

Unser aller Leben veränderte sich, als Brads Symptome sichtbar wurden. Ich konnte meine Freunde nicht mehr zum Übernachten zu mir einladen. Immer wenn ich ein Basketballspiel hatte, konnte nur ein Elternteil zuschauen, denn einer musste bei Brad bleiben. Während der Zeit, als er im Krankenhaus war, mussten meine Eltern häufig bei ihm bleiben. Manchmal waren sie für eine Woche am Stück nicht zu Hause und ich blieb bei einer Nachbarin oder einer Tante. Ich wusste nie, wo ich am nächsten Tag sein würde.
Quelle: Werner Forneberg

Bei aller Traurigkeit und Verwirrung begann ich, mich darüber zu ärgern, dass ich kein normales Leben führen konnte. Meine Eltern konnten mir nicht bei den Hausaufgaben helfen, weil sie sich ganz auf Brads Bedürfnisse konzentrieren mussten. Ich kam in der Schule nicht mehr richtig mit. Die emotionale Belastung, dass ich Brad, meinen besten Freund, langsam verlor, machte die Dinge noch schlimmer. Ich wurde immer wütender und brauchte jemanden, dem ich alle Schuld geben konnte, also richtete ich meinen Ärger gegen Gott.

Obwohl ich wusste, wie grausam Kinder sein können, was es für mich eine Last, seinen Zustand geheim halten zu müssen. Ich wollte nicht, dass irgendjemand meinen Bruder sah, so wie er das in Windeln lag und ganz und gar nicht seinem früheren Selbst ähnelte. Ich wollte ihn in der Schule nicht zur Zielscheibe der Witze machen. Es war nicht meines Bruders Schuld, dass seine zwölf Jahre alte Schwester ihm die Windeln wechseln oder ihn mittels einer Kanüle füttern musste.

Der Aidsvirus fügte Brads Gehirn Schaden zu und zerstörte den Menschen, zu dem er herangewachsen war. Plötzlich wurde er wieder zu einem sehr kleinen Kind. Anstatt die aktuelle, moderne Musik zu hören oder über die Dinge zu reden, die Jugendliche seiner Altersstufe in der Schule interessierten, sollten wir ihm aus Büchern seiner Kindheit vorlesen. Ich hatte das Gefühl, meinen Bruder schon verloren zu haben, während er noch am Leben war.
Quelle: Raymonde Graber

Ich erinnere mich an den Tag, an dem Brad starb, so, als sei es erst gestern gewesen.
Der alte, muuffig riechende Raum war mit bekannten Gesichtern gefüllt. Der ausgemergelte Körper meines Bruders lag im Bett. Der Körper war nun leer und litt nicht länger Schmerzen. So endete das Leben meines einzigen Bruders – zwei Wochen vor seinem achtzehnten Geburtstag.

Wie Brad erhielten in den Jahren 1980 bis 1987 über zehntausend Bluter in den USA Blutkonserven, die mit dem Aidsvirus infiziert waren. Neunzig Prozent dieser Menschen mit schwerer Hämophilie, die infiziert wurden, lebten entweder mit dem Aidsvirus oder sind daran gestorben. Wenn das Blut, das sie erhielten, vorher getestet worden wäre – wie das heute Standard und Pflicht ist -, hätte ihr früher Tod verhindert werden können. Aus meiner Sicht ist mein Bruder ermordet worden.

Die Medikamente, die ihm versuchsweise im Kampf gegen den Aidsvirus verabreicht wurden, verschlimmerten seinen Zustand noch. Sogar einige Ärzte schienen sich die Frage nach dem Nutzen all dessen zu stellen. Diese Umstände machten es teilweise noch schmerzvoller, ihn zu verlieren.
Quelle: Werner Forneberg

Seitdem er von uns gegangen ist, habe ich nach einem Grund für sein Leben und für seinen Tod gesucht. Obwohl es möglicherweise keine endgültige Antwort auf meine Frage gibt, glaube ich, einen Grund gefunden zu haben.

Brad brachte uns viele Dinge bei. Auch jetzt bringt er Menschen noch etwas bei durch die Geschichte seines Lebens. Erst vor ein paar Tagen habe ich jemandem seine Geschichte erzählt und dieser Mensch hat dadurch etwas gelernt.

Brad war ein Mensch, der immer für das kämpfte, woran er glaubte.
Er brachte seinen Freunden und Familienangehörigen bei, nicht aufzugeben.
Er gab nie auf und er kapitulierte nie vor seiner Hämophilie.

 
Obwohl Brad wegen dieser Umstände etwas Besonderes war, beanspruchte er nie eine besondere Behandlung für sich. Er spielte Basketball – mit dem Herzen und der Begeisterung des Basketballstars Larry Bird und mit dem Körper eines Bluters. Jene, die bei einem seiner Spiele in der Grundschule zuschauten, sahen ihn, wie er mühsam das Spielfeld auf und ab lief und sein Äußerstes gab.

Aus Respekt vor seinem Andenken haben wir nicht aufgegeben.
Meine Familie und ich sind aktiv daran beteiligt, dass Menschen mit Hämophilie und Aids mit größerem Verständnis behandelt werden. Wir wurden in einer Fernsehsendung interviewt, Wir sind zwei Mal in unsere Hauptstadt Washington gefahren und haben für die Verabschiedung des Ricky-Ray-Gesetzes durch den Kongress gekämpft. Diese Gesetz soll Familien helfen, die ähnliche oder schlimmere Dinge durchgemacht hatten. Das Gesetz wurde nach einem Jungen benannt, der die Schule verlassen muste, weil er Aids hatte. Menschen, die vor Aids Angst hatten und dachten, sie könnten sich durch den Jungen infizieren, steckten das Haus seiner Familie in Brand. Die Leute verstanden nicht, dass Menschen durch infizierte Bluttransfusionen Aids bekommen können.
Quelle: Werner Forneberg

Mein Bruder verbreitete bei so vielen Menschen Liebe und Freude, als er am Leben war, dass sein Tod uns leer und traurig zurückließ. Bevor er mit Aids infiziert wurde, war mein großer Bruder Brad mein Beschützer und der Mensch gewesen, dem ich alle meine Geheimnisse anvertrauen konnte. Brad kann mich nicht länger beschützen und nicht einmal mehr mit mir sprechen und ich vermisse ihn jeden Tag.

Seit Brads Tod bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Gott meine Familie nicht bestraft hat. Er hat uns vielmehr mit ihm eine Geschenk der Liebe gegeben – meinen Bruder Brad.
 
Ich lebe in der Hoffnung, dass jeder, der Brads Geschichte hört, aus ihr lernen wird, wie kostbar das Leben ist!“
Quelle: Alexander Rykow

Ihr Lieben,

Menschen wie dieser Brad in unserer heutigen Geschichte kann man bedauernd wegen ihres unverschuldeten Leidens. 

Aber das Merkwürdige ist, dass gerade solche Menschen oft zu ganz großen Vorbildern ihrer Mitmenschen werden.

Menschen wie Brad stehen vor der Entscheidung, vor der wir Menschen alle in der einen oder anderen Weise stehen:
Wenn Leid uns trifft, wenn wir schwer erkranken, wenn wir in Schwierigkeiten geraten, können wir das Schicksal anklagen, wir können unsere Mitmenschen anklagen, wir können Gott anklagen, wenn wir einen Schuldigen suchen.
Das Traurige aber ist, wenn wir so handeln, dass sich an unserer Krankheit, unserem Leid, unseren Schwierigkeiten gar nichts ändert.

Wir können aber auch, wie Brad, über uns hinauswachsen. Wir können unser Leid, unsere Krankheit, unsere Schwierigkeiten zum Anlass nehmen, das uns verbleibende Leben in ganz besonderer Weise zu genießen. Wir können über uns hinauswachsen, indem wir die uns verbleibende Lebenszeit nutzen, um uns und anderen Menschen Freude zu bereiten, andere Menschen zu ermutigen, anderen Menschen Liebe zu schenken, andere Menschen zu bestärken, niemals aufzugeben.
Quelle: Astrid Müller

Ich wünsche Euch viel Mut zum Mut machen, ganz viel Freude daran, anderen Zuversicht und Hoffnung zu schenken und ich wünsche Euch, dass Ihr ganz viel Liebe erfahrt und Friede in Euch selbst findet und ich grüße Euch herzlich aus Bremen
 
Euer fröhlicher Werner

Quelle: Karin Heringshausen