3129 Geschichten


Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 3.179 Beiträge und mindestens zwei Mal in der Woche kommen weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen


Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Dienstag, 17. März 2026

Geschichte: Nur zwanzig Minuten

 

Carpe diem! Ergreife den Tag, nutze ihn in Deinem Sinne!



Quelle: Helmut Mühlbacher

„Die Gegenwart hat einen Vorteil gegenüber allen anderen Zeiten – sie ist Deine eigene."
Charles C. Colton
Quelle: Helmut Mühlbacher
Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine kleine Geschichte von Martin Rutte erzählen:

„Nur zwanzig Minuten“

„Er war der Geschäftsführer einer großen, erfolgreichen Werbefirma und ich war ein junger Unternehmensberater. Ich war ihm von einem seiner Mitarbeiter empfohlen worden, der die vorzügliche Qualität meiner Arbeit kannte und der Ansicht war, dass ich etwas anzubieten hätte. 

Ich war nervös. Zu diesem Zeitpunkt meines noch jungen beruflichen Werdegangs kam es nicht oft vor, dass ich mit der Geschäftsführung persönlich sprach.

Der Termin war für zehn Uhr angesetzt und sollte eine Stunde dauern, Ich war schon früher da.  Punkt zehn wurde ich in einen großen luftigen Raum mit leuchtend gelber Polstergarnitur gebeten.

Der Geschäftsführer hatte die Ärmel hochgekrempelt und blickte mich unfreundlich an. „Sie haben nur zwanzig Minuten“, kläffte er mich an.
Quelle: Karin Heringshausen

Ich saß da, ohne ein Wort zu sagen.
„Ich sagte, Sie haben nur zwanzig Minuten.“
Erneut keine Reaktion.
„Ihre Zeit läuft Ihnen davon. Warum sagen Sie nichts?“

„Es sind meine zwanzig Minuten“, antwortete ich, 
„ich kann mit ihnen machen, was ich will.“
 
Er brach in lautes Gelächter aus.
Danach unter hielten wir uns anderthalb Stunden lang und ich bekam den Auftrag.“
Quelle: Werner Forneberg


Ihr Lieben,

Durch meine berufliche Tätigkeit als Lektor habe ich viel mit Studentinnen und Studenten zu tun.
 
Ich korrigiere Ihre Seminar-, Haus-, Examens- und Diplomarbeiten. Dabei sehe ich meine Aufgabe darin, nicht nur die Rechtschreibe-, Satzzeichen- und Grammatikfehler in den Arbeiten zu verbessern, sondern gleichzeitig die jungen Studentinnen und Studenten auch zu motivieren.

Manche Studentin, mancher Student ist nach einem langen Studium entmutigt und steht ziemlich mutlos vor der Abschlussarbeit des Studiums. Ich versuche dann, diese jungen Menschen zu ermutigen, ich helfe ihnen, an sich selbst und ihre Fähigkeiten zu glauben, ich unterstütze sie, damit sie nicht aufgeben und ihre Arbeit erfolgreich abschließen.

Nach dem Studium suchen diese jungen Menschen oft lange Zeit vergeblich nach einer geeigneten Anstellung. Sie schicken mir dann ihre Bewerbungen und ich helfe ihnen, diese so zu formulieren, dass sie zumindest zu einem Vorstellungsgespräch eingeladen werden.

Ob man in einem Vorstellungsgespräch allerdings so forsch vorgehen kann wie der junge Mann in unserer heutigen Geschichte, daran habe ich allerdings meine Zweifel. 
www.euphedes.de

Was der junge Mann in unserer heutigen Geschichte allerdings richtig macht, ist, dass er erkennt, dass es in einem Vorstellungsgespräch vor allem darauf ankommt, die eigene Persönlichkeit zu präsentieren. 

Viele Menschen, die zu einem Bewerbungsgespräch gehen, sind deshalb erfolglos, weil sie in dem Bewerbungsgespräch versuchen, so zu sein, wie sie glauben, dass ihr Gegenüber das erwartet. 

Erfolg in einem solchen Gespräch hat aber nur derjenige, der zeigt, was in ihm steckt, der seine Persönlichkeit entfaltet und seine Ansichten und Wertvorstellungen mitteilt.

Bei allem, was wir tun, ist es ganz wichtig, dass wir darauf achten, wir selbst zu sein, dass wir lernen, auf unsere eigenen Bedürfnisse und Wünsche, unsere eigenen Sehnsüchte und Träume zu achten.

Auf dem Weg zu uns selbst, zu unserem eigenen kleinen Glück kann uns vor allem unsere Freizeit helfen. Wir sollten dann zur Ruhe kommen, in uns hineinhorchen und uns fragen: Was möchte ich jetzt tun? Worauf habe ich Lust? Wonach sehne ich mich?

Gerade, was die Freizeit betrifft, gehen wir oft den falschen Weg.
Natürlich ist es gut, mit unseren Bekannten und Freunden, unseren Verwandten und vor allem mit unseren Lieben, unserer Partnerin, unserem Partner, 
etwas zu unternehmen und für sie da zu sein. 

Aber wir brauchen auch Zeiten der persönlichen Erholung, des Ausspannens, Zeiten, in denen wir auf unsere Wünsche und Sehnsüchte achten.

Aber allzu oft werden wir auch in unserer Freizeit von anderen Menschen vereinnahmt:
„Lass uns doch einmal einen schönen Ausflug machen!“
„Wollen wir gemeinsam ins Kino gehen?“
„Ich hätte jetzt große Lust auf eine Partie Schach mit Dir!“

Alle das sind lieb gemeinte Aufforderungen und Anregungen, gegen die im Grunde nichts einzuwenden ist.  Entscheidend ist aber, dass wir darauf achten, dass wir selbst nicht dabei zu kurz kommen, dass wir darauf achten, dass auch unsere eigenen Wünschen und Bedürfnisse  erfüllt werden.

Denn nur derjenige, der die richtige gute wertvolle Balance in seinem Leben findet, also zum einem seinen Lieben und Freunden Zeit schenkt und sich zum anderen auch Zeit für sich selbst und seine eigenen Bedürfnisse und Wünsche nimmt, wird zufrieden und glücklich werden und das Leben genießen können.

Ihr Lieben,

ich wünsche Euch einen heiteren Mittwoch mit Zeit für Euch selbst und Eure Wünsche und Hoffnungen, Träume und Sehnsüchte.

Ich grüße Euch herzlich aus Bremen

Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen

Montag, 16. März 2026

Geschichte: Das Wunder des Senfkorns

 

Ich habe, was Du suchst,
und möchte es Dir gerne schenken!


Quelle: Helmut Mühlbacher

Ihr Lieben,

viele von Euch wissen, dass ich vor vielen Jahren Theologie studiert habe.
In meinem Studium las ich auch den Vers aus der Bibel (Lukas 5,6):

„Wenn Ihr Glauben hättet so groß wie ein Senfkorn, dann könntet Ihr zu diesem Baum sprechen: Hebe Dich hinweg und wirf Dich ins Meer! Und er würde Euch gehorchen.“
www.wikipedia.org
 Ich gebe zu, ich habe diesen Vers nie richtig verstanden. Denn ich traf in meinem Leben etliche gläubige Menschen, aber keiner war in der Lage, zu einem Baum zu sagen: „Hebe Dich hinweg und wirf Dich ins Meer!“

Ich merkte, dass diesem Vers eine tiefe und starke Wahrheit innewohnte, aber ich konnte sie nicht finden, bis ich die folgende chinesische Legende las, nacherzählt von Peter Graf v. Eysselsberg:

„Das Wunder des Senfkorns“

„Vor vielen Jahren lebte in der chinesischen Provinz eine alte Frau, deren Sohn plötzlich starb.
 
Der Tod bedeutet immer einen großen Verlust für die Hinterbliebenen, aber den größten Verlust erleidet eine Mutter, die ihr eigenes Kind zu Grabe tragen muss.
Quelle: Werner Forneberg

In ihrem tiefen Kummer suchte die Frau einen alten weisen Mann auf und fragte ihn:
„Ist es Dir möglich, meinen Sohn wieder zum Leben zu erwecken?“

Der weise Mann antwortete ihr: „Bring mir ein Senfkorn aus einem Haus, das niemals Leid kennengelernt hat. Mit diesem Senfkorn werden wir den Kummer aus Deinem Leben vertreiben.“

Die Frau machte sich auf den Weg, um nach dem Senfkorn zu suchen. Auf ihrem Weg kam sie zu einem prächtigen Haus mit einem Garten voll wunderbaren Rosen und Lilien. Sie klopfte an das Haus und sagte: „Ich suche ein Haus, das niemals Leid erfahren hat. Ist dies der richtige Ort? Die Antwort auf meine Frage ist wichtig für mich.“

Die Bewohner des Hauses antworteten ihr: „Du bist leider an den falschen Ort gekommen“, und sie berichteten ihr von all dem Unglück, das sich jüngst bei ihnen ereignet hatte.
Quelle: Werner Forneberg

Die Frau aber dachte über die Worte der Hausbewohner nach und sprach zu sich selbst:  „Wer kenn diesen armen, unglücklichen und vom Unglück verfolgten Menschen wohl besser helfen als ich, die ich selbst so einen großen Verlust erlitten habe!“ So blieb sie in dem prächtigen Haus mit dem Garten voller wunderbarer Rosen und Lilien und tröstete dessen Bewohner.

Etliche Wochen später, als sie davon überzeugt war, die Bewohner genug getröstet und in ihnen wieder neuen Lebensmut, neue Hoffnung und Zuversicht geweckt zu haben, brach sie wieder auf und suchte weiter nach einem Haus ohne Leid.

Doch, wo immer wie sie hinkam – ob in elende Hütten, ob in prächtige Paläste – überall begegnete ihr das Leid. Schließlich beschäftigte sie sich ausschließlich mit dem Leid anderer Menschen. Dabei vergaß sie ganz die Suche nach dem wundersamen Senfkorn, ohne dass ihr das bewusst wurde.

So verbannte sie mit der Zeit den Schmerz aus ihrem Leben.“
Quelle: Karin Heringshausen

 Ihr Lieben,

wie gerne würden wir die Schwierigkeiten, das Leid, die Krankheiten, das Unglück und den Tod aus unserem Leben verbannen und immer glücklich und zufrieden leben.

Aber wer so denkt, hat das Leben nicht verstanden.
Das Leben verhält sich wie die vier Jahreszeiten:
Es gibt einen Frühling, einen Sommer, einen Herbst und einen Winter in dem Leben eines jeden Menschen. Ich selbst befinde mich jetzt wohl im Herbst meines Lebens. 

Und eines Tages kommt der Winter meines Lebens heran und dann wird es Zeit für mich, Abschied zu nehmen und zu gehen.

In der Straße, in der ich wohne, wohnen etliche junge Familien und es berührt mich immer tief in meinem Herzen, wenn ich darüber nachdenke, dass ich, wenn diese jungen Menschen einmal so alt sein werden wie ich jetzt bin, nicht mehr da sein werde.

Aber das ist nun einmal der Lauf des Lebens und wir müssen es leider als eine Tatsache des Lebens hinnehmen, dass uns in unserem Leben Leid, Krankheiten, Unglücke, Schwierigkeiten und auch der Tod begegnen.

Aber es gibt etwas, das wir tun können:
Wir können handeln
wie die Frau in unserer Legende.

 
Wir sollten es zu einem unserer Lebensziele machen, dass wir uns gegenseitig das Leben leichter machen, dass wir uns gegenseitig trösten, dass wir uns gegenseitig, Mut machen, dass wir uns gegenseitig Halt geben, dass wir uns gegenseitig verzeihen, dass wir uns gegenseitig helfen, dass wir uns gegenseitig Freude schenken und dass wir einander lieben.

Wer das praktiziert, der wird das große Geheimnis entdecken, das 
schon Franz von Assisi entdeckte:
Quelle: Wikipedia.org

Indem wir trösten, werden wir getröstet…
Indem wir anderen Freude schenken, lernen wir, wieder selbst zu lachen…
Indem wir anderen verzeihen, wird auch uns verziehen…
Indem wir andere lieben, werden auch wir geliebt…
Indem wir anderen Mut machen, werden auch wir ermutigt…
Indem wir anderen Zuversicht und Hoffnung schenken, werden auch wir mit Zuversicht und Hoffnung erfüllt…

Wenn wir das praktizieren, dann haben wir zwar noch keinen Glauben, der zu einem Baum sprechen kann: „Hebe Dich hinweg und wirf Dich ins Meer!“, aber wir leisten dann etwas weit Größeres, etwas, das weit über das Entwurzeln eines Baumes hinausgeht.

Ich wünsche Euch in der kommenden Zeit viele Augenblicke:
Augenblicke des Ruhe, um nachzudenken.
Augenblicke der Freude, mit Euren Lieben zusammen zu sein.
Augenblicke des Glücks, um das Leben genießen zu können.
Augenblicke der Liebe, um Euer Leben und das Leben Euer Lieben mit Freude zu erfüllen.

 
Ihr Lieben,

Ich grüße Euch herzlich aus dem schönen Bremen und danke Euch herzlich für alle die vielen E-Mails und Nachrichten, die ich auch diese Woche wieder von Euch erhalten habe.

Euer fröhlicher Werner vom Weserstrand

Quelle: Karin Heringshausen

Sonntag, 15. März 2026

Geschichte: Mein Bruder Brad

 

Wie entscheidest Du Dich???


Quelle: Helmut Mühlbacher


„Wir können nicht ohne Schmerz durch das Leben gehen…
Wir können einzig und allein wählen, wie wir den Schmerz verwandeln, den das Leben uns bringt.“

Bernie S. Siegel
Quelle: Astrid Müller

Ihr Lieben,

ich möchte Euch heute eine Geschichte von Jennifer Rhea Cross erzählen:

„Mein Bruder Brad“

„Es gab eine Zeit in meiner Kindheit, in der ich glaubte, dass Gott unsere ganze Familie bestrafte, in dem er uns zusehen ließ, wie mein einziger Bruder starb.
Mein Bruder Brad litt an Hämophilie. Bei Hämophilie-Kranken gerinnt das Blut nicht in normaler Weise: bei Schmittverletzungen ist es demnach schwierig, die Blutung zu stoppen. Verliert der Kranke zu viel Blut, muss er unbedingt Blutkonserven bekommen, damit sein Körper funktionsfähig bleibt.

Obwohl Brad wegen seiner Hämophilie nicht so aktiv wie andere Kinder sein konnte, hatten wir viele gemeinsame Interessen und verbrachten eine Menge zeit zusammen. Brad und ich fuhren mit den Kindern aus der Nachbarschaft Fahrrad und im Sommer schwammen wir die meiste Zeit in unserem Swimmingpool. Wenn wir Fußball oder Basketball spielten, warf Brad den Ball. Brad suchte einen kleinen Hund für mich aus, als ich sieben war, und ich nannte ihn Piwie. Mein Bruder Brad war mein Beschützer und mein bester Freund.
Quelle: Werner Forneberg
 
Als Brad zehn Jahre alt war, bekam er von jemandem eine Blutkonserve, der nicht wusste – oder zu egoistisch war, es zuzugeben -, dass er oder sie durch das Aidsvirus infiziert war.

Ich war gerade in die sechste Klasse gekommen, als mein Bruder erste schwere Symptome aufwies und bei ihm Aids diagnostiziert wurde. Er war noch neu auf der Highschool und gerade erste fünfzehn geworden. Zu jener Zeit waren viele Menschen nicht darüber informiert , wie man Aids bekommen konnte, und hatten Angst, sich in der Nähe von Menschen aufzuhalten, die sich infiziert hatten. Meine Familie war besorgt darüber, wie die Menschen reagieren würden, wenn sie herausfanden, dass mein Bruder Aids hatte.

Unser aller Leben veränderte sich, als Brads Symptome sichtbar wurden. Ich konnte meine Freunde nicht mehr zum Übernachten zu mir einladen. Immer wenn ich ein Basketballspiel hatte, konnte nur ein Elternteil zuschauen, denn einer musste bei Brad bleiben. Während der Zeit, als er im Krankenhaus war, mussten meine Eltern häufig bei ihm bleiben. Manchmal waren sie für eine Woche am Stück nicht zu Hause und ich blieb bei einer Nachbarin oder einer Tante. Ich wusste nie, wo ich am nächsten Tag sein würde.
Quelle: Werner Forneberg

Bei aller Traurigkeit und Verwirrung begann ich, mich darüber zu ärgern, dass ich kein normales Leben führen konnte. Meine Eltern konnten mir nicht bei den Hausaufgaben helfen, weil sie sich ganz auf Brads Bedürfnisse konzentrieren mussten. Ich kam in der Schule nicht mehr richtig mit. Die emotionale Belastung, dass ich Brad, meinen besten Freund, langsam verlor, machte die Dinge noch schlimmer. Ich wurde immer wütender und brauchte jemanden, dem ich alle Schuld geben konnte, also richtete ich meinen Ärger gegen Gott.

Obwohl ich wusste, wie grausam Kinder sein können, was es für mich eine Last, seinen Zustand geheim halten zu müssen. Ich wollte nicht, dass irgendjemand meinen Bruder sah, so wie er das in Windeln lag und ganz und gar nicht seinem früheren Selbst ähnelte. Ich wollte ihn in der Schule nicht zur Zielscheibe der Witze machen. Es war nicht meines Bruders Schuld, dass seine zwölf Jahre alte Schwester ihm die Windeln wechseln oder ihn mittels einer Kanüle füttern musste.

Der Aidsvirus fügte Brads Gehirn Schaden zu und zerstörte den Menschen, zu dem er herangewachsen war. Plötzlich wurde er wieder zu einem sehr kleinen Kind. Anstatt die aktuelle, moderne Musik zu hören oder über die Dinge zu reden, die Jugendliche seiner Altersstufe in der Schule interessierten, sollten wir ihm aus Büchern seiner Kindheit vorlesen. Ich hatte das Gefühl, meinen Bruder schon verloren zu haben, während er noch am Leben war.
Quelle: Raymonde Graber

Ich erinnere mich an den Tag, an dem Brad starb, so, als sei es erst gestern gewesen.
Der alte, muuffig riechende Raum war mit bekannten Gesichtern gefüllt. Der ausgemergelte Körper meines Bruders lag im Bett. Der Körper war nun leer und litt nicht länger Schmerzen. So endete das Leben meines einzigen Bruders – zwei Wochen vor seinem achtzehnten Geburtstag.

Wie Brad erhielten in den Jahren 1980 bis 1987 über zehntausend Bluter in den USA Blutkonserven, die mit dem Aidsvirus infiziert waren. Neunzig Prozent dieser Menschen mit schwerer Hämophilie, die infiziert wurden, lebten entweder mit dem Aidsvirus oder sind daran gestorben. Wenn das Blut, das sie erhielten, vorher getestet worden wäre – wie das heute Standard und Pflicht ist -, hätte ihr früher Tod verhindert werden können. Aus meiner Sicht ist mein Bruder ermordet worden.

Die Medikamente, die ihm versuchsweise im Kampf gegen den Aidsvirus verabreicht wurden, verschlimmerten seinen Zustand noch. Sogar einige Ärzte schienen sich die Frage nach dem Nutzen all dessen zu stellen. Diese Umstände machten es teilweise noch schmerzvoller, ihn zu verlieren.
Quelle: Werner Forneberg

Seitdem er von uns gegangen ist, habe ich nach einem Grund für sein Leben und für seinen Tod gesucht. Obwohl es möglicherweise keine endgültige Antwort auf meine Frage gibt, glaube ich, einen Grund gefunden zu haben.

Brad brachte uns viele Dinge bei. Auch jetzt bringt er Menschen noch etwas bei durch die Geschichte seines Lebens. Erst vor ein paar Tagen habe ich jemandem seine Geschichte erzählt und dieser Mensch hat dadurch etwas gelernt.

Brad war ein Mensch, der immer für das kämpfte, woran er glaubte.
Er brachte seinen Freunden und Familienangehörigen bei, nicht aufzugeben.
Er gab nie auf und er kapitulierte nie vor seiner Hämophilie.

 
Obwohl Brad wegen dieser Umstände etwas Besonderes war, beanspruchte er nie eine besondere Behandlung für sich. Er spielte Basketball – mit dem Herzen und der Begeisterung des Basketballstars Larry Bird und mit dem Körper eines Bluters. Jene, die bei einem seiner Spiele in der Grundschule zuschauten, sahen ihn, wie er mühsam das Spielfeld auf und ab lief und sein Äußerstes gab.

Aus Respekt vor seinem Andenken haben wir nicht aufgegeben.
Meine Familie und ich sind aktiv daran beteiligt, dass Menschen mit Hämophilie und Aids mit größerem Verständnis behandelt werden. Wir wurden in einer Fernsehsendung interviewt, Wir sind zwei Mal in unsere Hauptstadt Washington gefahren und haben für die Verabschiedung des Ricky-Ray-Gesetzes durch den Kongress gekämpft. Diese Gesetz soll Familien helfen, die ähnliche oder schlimmere Dinge durchgemacht hatten. Das Gesetz wurde nach einem Jungen benannt, der die Schule verlassen muste, weil er Aids hatte. Menschen, die vor Aids Angst hatten und dachten, sie könnten sich durch den Jungen infizieren, steckten das Haus seiner Familie in Brand. Die Leute verstanden nicht, dass Menschen durch infizierte Bluttransfusionen Aids bekommen können.
Quelle: Werner Forneberg

Mein Bruder verbreitete bei so vielen Menschen Liebe und Freude, als er am Leben war, dass sein Tod uns leer und traurig zurückließ. Bevor er mit Aids infiziert wurde, war mein großer Bruder Brad mein Beschützer und der Mensch gewesen, dem ich alle meine Geheimnisse anvertrauen konnte. Brad kann mich nicht länger beschützen und nicht einmal mehr mit mir sprechen und ich vermisse ihn jeden Tag.

Seit Brads Tod bin ich zu dem Schluss gekommen, dass Gott meine Familie nicht bestraft hat. Er hat uns vielmehr mit ihm eine Geschenk der Liebe gegeben – meinen Bruder Brad.
 
Ich lebe in der Hoffnung, dass jeder, der Brads Geschichte hört, aus ihr lernen wird, wie kostbar das Leben ist!“
Quelle: Alexander Rykow

Ihr Lieben,

Menschen wie dieser Brad in unserer heutigen Geschichte kann man bedauernd wegen ihres unverschuldeten Leidens. 

Aber das Merkwürdige ist, dass gerade solche Menschen oft zu ganz großen Vorbildern ihrer Mitmenschen werden.

Menschen wie Brad stehen vor der Entscheidung, vor der wir Menschen alle in der einen oder anderen Weise stehen:
Wenn Leid uns trifft, wenn wir schwer erkranken, wenn wir in Schwierigkeiten geraten, können wir das Schicksal anklagen, wir können unsere Mitmenschen anklagen, wir können Gott anklagen, wenn wir einen Schuldigen suchen.
Das Traurige aber ist, wenn wir so handeln, dass sich an unserer Krankheit, unserem Leid, unseren Schwierigkeiten gar nichts ändert.

Wir können aber auch, wie Brad, über uns hinauswachsen. Wir können unser Leid, unsere Krankheit, unsere Schwierigkeiten zum Anlass nehmen, das uns verbleibende Leben in ganz besonderer Weise zu genießen. Wir können über uns hinauswachsen, indem wir die uns verbleibende Lebenszeit nutzen, um uns und anderen Menschen Freude zu bereiten, andere Menschen zu ermutigen, anderen Menschen Liebe zu schenken, andere Menschen zu bestärken, niemals aufzugeben.
Quelle: Astrid Müller

Ich wünsche Euch viel Mut zum Mut machen, ganz viel Freude daran, anderen Zuversicht und Hoffnung zu schenken und ich wünsche Euch, dass Ihr ganz viel Liebe erfahrt und Friede in Euch selbst findet und ich grüße Euch herzlich aus Bremen
 
Euer fröhlicher Werner

Quelle: Karin Heringshausen

Samstag, 14. März 2026

Die Geschichte vom rosa Tütchen

 

Hast Du auch ein rosa Tütchen?



Quelle: Helmut Mühlbacher

"Entzünde ein Licht und dann vergiss niemals die tiefe Wahrheit:
Die gesamte Finsternis dieser Welt und des gesamten Weltalls kann Dein kleines Licht nicht auslöschen.
Wenn Du diese tiefe Wahrheit begreifst, wird Dir das die unerschöpfliche Kraft verleihen, NIEMALS AUFZUGEBEN
".

Hans-Christoph Kalberlah

Quelle: Alexander Rykow

Ihr Lieben,

auf vielfachen Wunsch möchte ich Euch heute noch einmal eine Geschichte von Peter Graf v. Eysselsberg erzählen:

"Die Geschichte vom rosa Tütchen"

"Als ich eines Tages wie immer traurig durch den Park schlenderte und mich auf einer Parkbank niederließ, um über alles nachzudenken, was in meinem Leben schiefläuft, setzte sich ein junges fröhliches Mädchen zu mir.
Quelle: Helmut Mühlbacher

Sie spürte meine deprimierte Stimmung und fragte voller Mitempfinden: "Warum bist Du so traurig?"

"Ach" sagte ich, "ich habe keine Freunde am Leben.
Alle sind gegen mich. Alles läuft schief.
Ich habe kein Glück und ich weiß nicht, wie es weitergehen soll."

"Hmm," meinte das Mädchen, "wo hast Du denn Dein rosa Tütchen?  Zeig es mir mal. Ich möchte da einmal hineinschaun."
Quelle: Astrid Müller

"Was für ein rosa Tütchen?" fragte ich sie verwundert.
"Ich habe nur ein schwarzes Tütchen".

Wortlos reichte ich es ihr. Vorsichtig öffnete sie mit ihren zarten kleinen Fingern den Verschluss und sah in mein schwarzes Tütchen hinein.

Ich bemerkte, wie sie erschrak: "Es ist ja voller Albträume, voller Unglück und schlimmer Erlebnisse!"

"Was soll ich machen?" Es ist eben so.
Daran kann ich doch nichts ändern."

"Hier nimm," meinte das Mädchen und reichte mir ein rosa Tütchen. 

Quelle: Astrid Müller
"Sieh hinein!"

Mit etwas zitternden Händen öffnete ich das rosa Tütchen und konnte sehen, dass es voll war mit Erinnerungen an schöne Momente des Lebens. Und das, obwohl das Mädchen noch jung an Menschenjahren war.

"Wo ist Dein schwarzes Tütchen?" fragte ich neugierig.

"Das werfe ich jede Woche in den Müll und kümmere mich nicht weiter drum," sagte sie.

"Für mich besteht der Sinn des Lebens darin, mein rosa Tütchen im Laufe des Lebens voll zu bekommen. Da stopfe ich soviel wie möglich hinein. Und immer wenn ich Lust dazu habe oder ich beginne, traurig zu werden, dann öffne ich mein rosa Tütchen und schaue hinein.
Dann geht es mir sofort wieder besser.

Wenn ich einmal alt bin und mein Ende droht, dann habe ich immer noch mein rosa Tütchen. Es wird voll sein bis oben hin und ich kann sagen: 
Ja, ich hatte etwas vom Leben.
Mein Leben hatte einen Sinn!"
www.wikipedia.org
Noch während ich verwundert über ihre Worte nachdachte, gab sie mir einen Kuss auf die Wange und war verschwunden.

Neben mir auf der Bank lag ein rosa Tütchen.

Ich öffnete es zaghaft und warf einen Blick hinein. Es war fast leer, bis auf den zärtlichen Kuss, den ich von dem Mädchen auf der Parkbank erhalten hatte. Bei dem Gedanken daran musste ich schmunzeln und mir wurde warm ums Herz.

Glücklich machte ich mich auf den Heimweg, nicht vergessend, am nächsten Papierkorb mich meines schwarzen Tütchens zu entledigen."
www.hamburg.de


 Ihr Lieben,

wenn es in meiner Macht stünde und ich es könnte, würde ich jedem Einzelnen von Euch ein solches rosa Tütchen schenken.

Ich wünsche mir so sehr, dass Ihr Eure schwarzen Tütchen wegwerft und nur noch rosa Tütchen verwendet.

Natürlich erleben wir Menschen in unserem Leben oft Schreckliches, aber ich habe immer wieder ein großes Geheimnis entdeckt:

Wenn wir auf all zurückblicken, das uns Menschen angetan haben, dann sind wir anschließend traurig und wie gelähmt. Die Erinnerung an das Böse raubt uns die Kraft zum Leben und die Freude.
Quelle: Astrid Müller
 
Wenn wird aber an die Augenblicke unseres Lebens denken, in denen wir Gutes und Schönes erlebt habe, wenn wird an all die feinen Menschen denke, die uns in unserem Leben  geholfen haben, dann wird unser Herz fröhlich und wir spüren, wie uns neue Kraft zuwächst und wie wird die Kraft gewinne, auch andere Menschen fröhlich zu machen.

Ihr Lieben, 

ich wünsche Euch allen nun ein fröhliches, unbeschwertes, zuversichtliches, hoffnungsvolles und mit Glückmomenten gespicktes Wochenende und ich grüße Euch alle vom Weserstrand mit einem fröhlichen Moin Moin, 

Euer Werner mit dem rosa Tütchen

Quelle: Karin Heringshausen