3326 Geschichten


Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 3.326 Beiträge und mindestens zwei Mal in der Woche kommen weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen


Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Dienstag, 26. Juni 2012

Ohne Freude ist das Leben nicht lebenswert!



Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Euch eine humorvolle Geschichte von Hermann Holthaus aus den 1960er Jahren erzählen, über die wir heute schmunzeln können, die uns aber auch sehr zum Nachdenken anregen kann:

„Aus dem Tagebuch eines Zweijährigen“

„Donnerstag, 8.10 Uhr: Ich habe Kölnisch Wasser auf den Teppich gespritzt. Riecht fein! Mama böse. Kölnisch Wasser ist verboten.
8.45 Uhr: Ich habe ein Feuerzeug in den Kaffee geworfen. Haue gekriegt.
9.00 Uhr: Ich bin in der Küche gewesen, bin rausgeflogen, Küche ist verboten.

9.15 Uhr: Bin in Papas Arbeitszimmer gewesen. Rausgeflogen. Arbeitszimmer auch verboten.
9.30 Uhr: Schrankschlüssel abgezogen. Damit gespielt. Mama wusste nicht, wo er war. Ich auch nicht. Mama geschimpft.
10.00 Uhr: Rotstift gefunden, wunderschöne Farbe, habe damit Tapete bemalt. Ist verboten.

10.20 Uhr: Stricknadeln aus Strickzeug gezogen und krumm gebogen. Zweite Nadel in Sofa gesteckt. Stricknadeln sind verboten.
11.00 Uhr: Sollte Milch trinken, wollte aber Wasser! Wutgebrüll ausgestoßen. Haue gekriegt.
11.10 Uhr: Hose nass gemacht. Haue gekriegt. Nassmachen ist verboten.

11.30 Uhr: Zigarette zerbrochen, Tabak drin, schmeckt nicht gut, Mama schimpft, Zigarette verboten.
11.45 Uhr: Tausendfüßler bis unter Mauer verfolgt. Dort Mauerassel gefunden. Sehr interessant, aber verboten.
12.15 Uhr: Dreck gegessen. Aparter Geschmack, aber verboten.

12.30 Uhr: Salat ausgespuckt. Nach meiner Meinung ungenießbar. Ausspucken strengstens verboten.
13.15 Uhr: Mittagsruhe im Bett. Nicht geschlafen. Aufgestanden und auf Deckbett gesessen. Gefroren. Frieren ist verboten.
14.00 Uhr: Nachgedacht. Festgestellt, dass alles verboten ist. Wozu ist man überhaupt auf der Welt?


Ihr Lieben,

als Vater zweier Söhne weiß ich, wovon ich rede.
Kindererziehung ist eine ganz schwierige Sache und alle Eltern, die mit ihren Kindern die Kindheit, die Jugend und die Pubertät gut durchschifft haben, sollten sich glücklich preisen.

Denn, ob aus den Kindern etwas wird, hängt nicht nur von den Eltern und Großeltern ab, sondern auch zu einem großen Maße von den Freunden der Kinder und dem schulischen Umfeld.

Aber mir geht mit dieser Geschichte weniger darum, auf Einzelheiten der Erziehung einzugehen, sondern es geht mir vor allem darum, dass wir erkennen, wie wir unsere Kinder und unsere Enkelkinder am besten zu starken, selbstbewussten und glücklichen Erwachsenen heranreifen lassen können.
Eine letzte Gewähr, dass das gelingt, hat kein Mensch, aber unsere Chance, es zu schaffen, ist unendlich viel größer, wenn wir ein kleines Geheimnis des Umgangs mit Menschen beachten:
Noch niemals wurde ein Mensch stark, selbstbewusst und glücklich,
dem alles verboten wurde.

Ein Mensch kann nur dann stark, selbstbewusst und glücklich werden, wenn drei Dinge gegeben sind:

Er braucht Eltern bzw. Großeltern, von denen er sich geliebt weiß
und die zu ihm stehen, mag das kommen, was da will.

Statt einem jungen Menschen Verbote zu erteilen,
ist es besser, ihm andere Freuden zu vermitteln.

Wenn ich möchte, dass mein Kind oder Enkelkind nicht so viel vor dem Computer oder Fernsehen sitzt, dann muss ich bereit sein, mit ihm etwas zu unternehmen, damit er etwas erlebt, über das er sich freuen kann.

Einem jungen Menschen hilft man am besten nach dem Motto von Maria Montessori:
Hilf mir, es selbst zu tun.“

In meiner Jugend war ich ein glühender Anhänger des damaligen Präsidenten John F. Kennedy.  Noch heute schmücken mehrere Fotos von ihm eine Wand in meinem Wohnzimmer.
Mein Lieblingsfoto von ihm ist dasjenige, das ihr hier seht:
www.welt.de
Diese Foto erregte damals Aufsehen. Der mächtigste Mann der Welt ließ seinen kleinen Sohn mitten in seinem Arbeitszimmer spielen, während wichtige Berater und Diplomaten, ja sogar Staatsmänner ihn besuchten.  

In einer Zeit wie den 1960er Jahren, in denen ein Kind vor allem still und artig zu sein hatte, möglichst so wenig aufzufallen hatte, als wäre es gar nicht vorhanden, und Verbote und Schläge ein beliebtes Mittel waren, um Kinder zu erziehen, war das Verhalten von Kennedy außergewöhnlich, ja in den Augen mancher Menschen sogar ungeheuerlich.

Es zeigt in aller Deutlichkeit, wie wichtig ihm sein Sohn war und welchen Stellenwert er in seinem Leben einnahm.

Ihr Lieben,

wenn Ihr leichter durch das Leben kommen wollt, wenn Ihr weniger Schwierigkeiten mit Euren Kindern und Enkelkindern und mit allen anderen Menschen haben wollt, dann versucht doch einmal, Eure Kinder und Enkelkinder und alle anderen Menschen weniger zu kritisieren und mehr zu ermutigen und zu motivieren.

„Liebe + Freude + Ermutigung = Diese Drei
und Deine Kinder und Enkelkinder sind im Leben voll dabei“

Ich grüße Euch herzlich aus dem abendlichen Bremen und wünsche Euch einen erholsamen Abend und eine gute Nacht

Euer fröhlicher Werner


Quelle: Karin Heringshausen
 

Montag, 25. Juni 2012

Du bist wertvoller als jede Kapitalanlage!



Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Euch eine Geschichte von Peter Graf v. Eysselsberg erzählen:

„Die Kapitalanlage“

„Ulrich war ein Junge von acht Jahren, der seine Eltern über alles liebte.
Nur manchmal beschlich ihn eine tiefe Traurigkeit, weil seine Eltern so wenig Zeit für ihn hatten.

Sein Vater war beruflich viel unterwegs und wollte, wenn er daheim war, nur in Ruhe gelassen werden. Wenn er sich an die Mutter wandte, bekam er des Öfteren zu hören:
„Hier hast Du 10.- Euro. Kauf Dir etwas Schönes. Ich habe keine Zeit für Dich!

An einem Samstagmorgen im Monat Juli widmete sich der Vater einer ausgedehnten gründlichen Autowäsche.  Der Vater fuhr neben einem Firmenwagen, den er auch privat nutzen durfte, einen Ferrari, der allerdings  nur bei gutem Wetter aus der Garage geholt wurde.
www.auto.de
Es gab keinen Menschen auf dieser Welt, dem sein Vater so viel Zeit widmete wie seinem Ferrari.

Einmal hatte Ulrich ein Gespräch zwischen dem Vater und dessen bestem Freund belauscht, bei dem es auch um den Ferrari ging. In diesem Gespräch sagte der Vater sinngemäß: „In meinem Leben kommt erst der Ferrari, dann kommt lange nichts, dann kommen 27 Misthaufen und dann kommt meine Familie noch lange nicht!“

Ulrich verstand nicht, was der Vater damit sagen wollte, aber es war,
als wenn sich auf Ulrichs Fröhlichkeit ein dunkler Schatten gesenkt hätte.

„Weißt Du“, erklärte ihm der Vater, „an der Tankstelle machen Sie mir die Autowäsche nicht gründlich genug. Mein Ferrari ist für mich eine ganz wertvolle Kapitalanlage. Deshalb muss ich für die Pflege meines Autos schon eine Menge Zeit und Mühe verwenden!“

„Bin ich eigentlich keine wertvolle Kapitalanlage?, fragte Ulrich seinen Vater.
„Wie kommst Du denn darauf?, erwiderte der Vater.
„Weil Du für mich nie Zeit hast!“


Ihr Lieben,

in unregelmäßigen Abständen lese ich in einer Bremer Grundschule Geschichten vor.
Bei einer dieser Gelegenheiten kam ich mit dem Kindern einer vierten Grundschulklasse ins Gespräch. Wir sprachen darüber, was die Kinder sich unter Reichtum vorstellen.

Die Kinder zählten viele Dinge auf, die ihnen zum Thema Reichtum einfielen:
Ein schönes Haus, ganz viel Geld, ein tolles Auto, eine Yacht, ein Flugzeug, Gold, das ganze Jahr Urlaub machen können – die Liste der Reichtümer wurde immer länger.

Nur ein Junge, der Jonathan,  beteiligte sich nicht an der Aufzählung der Dinge, die Reichtum ausmachen, sondern er saß still in seiner Bank und lächelte.

Um ihn in das Gespräch einzubinden, fragte ich ihn, ob er jemand kennen würde, der reich sei. Darauf antwortete er mir:
„Ich bin der reichste Junge der Welt! Ich habe zwar kein Geld und kein Gold, kein Auto und keine Jacht, aber ich habe ganz tolle ältere Geschwister, die mich immer unterstützen, wenn ich ihre Hilfe brauche und ich habe die besten Eltern der Welt, weil sie bei Schwierigkeiten immer zu mir stehen und ganz viel Zeit für mich haben!“

In der Klasse kehrte eine Stille des Nachdenkens ein.

Die anfängliche Begeisterung für die greifbaren Dinge des Reichtums verflog und stattdessen konnte man in den Gesichtern der Kinder lesen, dass sie darüber nachdachten, ob der Reichtum des Jonathan nicht doch viel wertvoller und erstrebenswerter sei.

Auch ich ging sehr nachdenklich und innerlich fröhlich nach Hause, denn ich spürte, in dieser Klasse war ein guter Samen aufgegangen. Hier kann Hoffnung wachsen, dass junge Menschen begreifen, worauf es im Leben wirklich ankommt.

Gold, auch wenn es noch so blinkt und noch so wertvoll ist,
kann keine menschliche Umarmung ersetzen.


Ein Auto, auch wenn es einen noch so vornehmen Namen trägt,
kann niemals eine Zuwendung „Ich habe Dich lieb“, „Du bist ein sehr wertvoller Mensch!“ ersetzen.


Eine Yacht, auch wenn man mir ihr um die ganze Welt segeln kann, kann Dir nicht die Heimat ersetzen, den Ort, wo Du Dich zuhause fühlst.

Eine große Villa, auch wenn sie noch so imposant sein mag, kann Dir niemals das Gefühl vermitteln, das Dich überkommt, wenn Du Dein eigenes Kind, Dein eigenes Enkelkind in den Arm schließt.

Ich wünsche Euch allen, dass Ihr den Wert der menschlichen Begegnung begreift und erkennt, dass es auf der Welt nichts Wertvolleres, nichts Wichtigeres gibt, als einem Menschen zu begegnen, und dass es kein größeres Geschenk gibt, dass wir anderen Menschen machen können, als Zeit für sie zu haben.

Ich wünsche Euch einen ruhigen Abend und grüße Euch herzlich aus Bremen

Euer fröhlicher Werner

Quelle: Karin Heringshausen

Sonntag, 24. Juni 2012

Denkt bitte daran: Die Seele braucht körperliche Nähe!


Der Löwenzahn: Welch schöne Blume!

Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Euch eine kleine Geschichte von Ernst Sieber erzählen:

„Die Seele braucht Nähe“

„Ein Vater nahm seinen kleinen Sohn täglich gegen Abend vor dem Zubettgehen auf die Knie und erzählte ihm Märchen. Eines Tages brachte er seinem Sohn einen Kassettenrekorder und viele Märchenkassetten mit nach Hause.
www.bhvb.de
Als er seinen Sohn nach einigen Tagen fragte, wie ihm die Märchen auf den Kassetten gefielen, antwortete dieser: „Überhaupt nicht. Dem Kassettenrekorder kann ich nicht auf den Knien sitzen.“
www.ebay.de
Ihr Lieben,

beim Lesen der Geschichte musste ich ein wenig lächeln.
In den letzten Tagen telefonierte ich mit einem jungen Verwandten im Alter von 10 Jahren und in dem Gespräch stellte ich fest, dass er gar nicht mehr wusste, was ein Kassettenrekorder ist und was Kassetten sind.

Daran kann man schön erkennen, wie schnelllebig unsere heutige Zeit ist.

Nun aber zurück zu unserer Geschichte:
Jeder, der  Kinder oder Enkelkinder hat, weiß, wie sehr sich diese freuen, wenn man sich als Eltern und Großeltern Zeit für sie nimmt.

Zeit, um ihnen etwas vorzulesen, Zeit, um ihnen zuzuhören, Zeit, um mit ihnen etwas zu unternehmen, Zeit, um mit ihnen Welten zu entdecken, die sie uns zeigen möchten.

Wenn wir unseren Kindern und Enkelkindern etwas vorlesen, dann geht es nicht nur um das Vorlesen, sondern es geht für die Kinder darum, mit der Mutter oder dem Vater, der Oma oder dem Opa zusammen sein zu dürfen, die Mutter oder den Vater, die Oma oder den Opa eine kleine Zeit für sich ganz allein haben zu dürfen.

Auch haben unsere Kinder und Enkelkinder eine große Sehnsucht nach Nähe und freuen sich, mit uns Eltern oder Großeltern kuscheln zu dürfen, als kleine Kinder auf unserem Schoß sitzen zu dürfen.

Wie wichtig körperliche Nähe ist, das unterschützen viele Menschen!

Es ist eben ein großer Unterschied, ob ich zum Geburtstag meines Kindes oder Enkelkindes einen tiefgekühlten Kuchen bei ALDI kaufe, den ich dann nur noch in den Ofen schieben muss, oder ob ich zusammen mit meinem Kind oder Enkelkind den Kuchen gemeinsam backe. Dieses gemeinsame Erlebnis, diese Nähe der Mutter oder des Vaters ist für die Kinder noch viel wichtiger als der Kuchen.

Dass unsere Seele auch körperliche Nähe braucht, das gilt aber nicht nur für unsere Kinder und Enkelkinder, das gilt für uns alle. Wir alle sehnen uns nach körperlicher Nähe.

Wenn jemand im Krankenhaus liegt, dann ist es ein Zeichen des daran Denkens, wenn ich eine Karte mit den besten Genesungswünschen schreibe, aber es ist ein Zeichen der Freundschaft, wenn ich mir die Zeit nehme und den Kranken im Krankenhaus besuche. Diese körperliche Nähe zeigt dem Freund: Ich werde wertgeschätzt!

Wenn eines unserer älteren Kinder oder Enkelkinder uns erzählt, dass es am nächsten Tag eine schwere Arbeit schreibt, dann können wir locker flockig beim Abendbrot die Bemerkung fallen lassen: „Das schaffst Du schon!“, wir können aber unser Kind oder Enkelkind kurz vor dem Zubettgehen noch einmal in seinem Zimmer aufsuchen, es in den Arm nehmen und ihm gleichzeitig sagen: „Hab Vertrauen, Du hast gelernt, gib morgen Dein Bestes! Und wenn das Ergebnis der Arbeit dennoch einmal negativ sein sollte, dann darfst Du wissen, dass ich zu 100 Prozent zu Dir stehe!“

Besonders dann, wenn Menschen in schwierigen Situationen stecken, wenn sie Trost brauchen, wenn sie Leid erfahren haben oder einen geliebten Menschen durch eine Krankheit oder einen Unfall verloren haben, dann glauben viele Menschen: „Eine Postkarte oder eine SMS tun es auch!“

Nein, eine Postkarte, eine SMS tun es nicht, sondern ein Besuch von uns, ein tröstendes In-den Arm-Nehmen ist gefragt. 
Eines meiner Lieblingsfotos aus den alten Zeiten

Bedenkt immer: Jede Minute, die Ihr einem Menschen schenkt, ist mehr wert als tausend Postkarten oder SMS!

Ich wünsche Euch nun eine gute Nacht, einen guten Beginn der neuen Woche und ich grüße Euch ganz herzlich aus Bremen

Euer fröhlicher Werner


Quelle: Karin Heringshausen

Samstag, 23. Juni 2012

Jeder Tag ist ein kostbarer Schatz!


www.bio-gaertner.de
Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Euch eine Geschichte von Axel Kühner erzählen:

„Jeder Tag ein kostbarer Schatz“

„Eine persische Sage erzählt von einem Mann, der am Strand des Meeres entlanggeht und ein Säckchen voll kleiner Steine findet. Achtlos lässt er die Steine durch seine Finger gleiten und schaut dabei auf das Meer.

Er beobachtet die zahlreichen Möwen, die auf den Wellen schaukeln, und wirft übermütig mit den Steinchen nach den Vögeln. Spielerisch schleudert er die kleinen Dinger ins Meer und eins nach dem anderen versinkt in den Wogen.

Einen einzigen Stein behält er in der Hand und nimmt ihn mit nach Hause.
Groß war sein Schrecken, als er beim Schein des Herdfeuers in dem unscheinbaren Stein einen herrlich funkelnden Diamanten erkennt.
www.diamantenwunder.de

Wie gedankenlos hat er den ungeheuren Schatz verschleudert!

Er eilt zum Strand zurück, um die verlorenen Diamanten zu suchen.
Doch seine Mühe ist vergebens, sie liegen unerreichbar auf dem Meeresgrund verborgen.
Keine Selbstanklage und Reue, keine Tränen und Selbstvorwürfe können ihm den achtlos weggeworfenen Schatz zurückgeben.


Ihr Lieben,

heute Nachmittag hatte ich Besuch von einem Menschen, der unter einer schweren Depression leidet. Er ist wie ich Anfang 60 und kann einfach nicht verwinden, dass er in jungen Jahren sein Leben vergeudet hat, dass er nicht mehr aus seinem Leben gemacht hat.

Diese Erkenntnis, dass das Leben sehr wertvoll ist und jeder Tag des Lebens so wertvoll ist wie ein Diamant, diese Erkenntnis dämmert uns aber erst dann, wenn wir älter sind.

Als wir jung waren, haben wir das Leben genossen und fanden das auch ganz in Ordnung,  auch wenn wir im Rückblick heute glauben, Lebenszeit unnütz vergeudet zu haben.

Jeder/jedem von uns wird es so gehen, dass sie/ er im Rückblick auf das eigene Leben feststellen muss, dass sie/er Zeit vergeudet hat.
 
Aber der wichtigste Satz unserer kleinen Geschichte lautet:
„Keine Selbstanklage und Reue, keine Tränen und Selbstvorwürfe können ihm den achtlos weggeworfenen Schatz zurückgeben!“

Wir sollten uns diese Tatsache immer wieder klarmachen:
An der Vergangenheit können wir nicht ändern, vergangenen Tage können wir nicht zurückholen, deshalb sind Selbstanklage und Reue, Tränen und Selbstvorwürfe in dem Fall völlig unnütz.

In der Bibel gibt es dazu eine wunderbare Geschichte:
 
Ein Mann und ein Frau verlassen die Stadt, in der sie lange gelebt haben.
Diese Stadt ist sogar im Deutschen zu einem Sinnbild für des Versagens geworden, wenn wir davon sprechen, dass es bei jemandem zugeht wie in Sodom und Gomorrha.

Als der Mann und die Frau die Stadt verlassen, schaut der Mann nach vorne, er richtet den Blick auf die Zukunft, während die Frau sich nicht von der Vergangenheit lösen kann und – wie uns berichtet wird – zur Salzsäule erstarrt.
Das Erstarren zur Salzsäule ist ein sehr gutes Sinnbild dafür, was mit uns geschieht, wenn wir der Selbstanklage und der Reue, den Tränen und den Selbstvorwürfen hingeben, wenn es um die vergangenen Tage unseres Lebens geht.

Wer sich der Selbstanklage, der Reue, den Tränen und den Selbstvorwürfen im Blick auf sein Leben hingibt, der verändert nichts an seinem Leben, es besteht aber die Gefahr, dass sein Leben scheitert und er so endet wie der Mensch auf dem Bild von Munch „Der Schrei“.
Edvard Munch
Wie viele von Euch ja wissen, habe ich eine entsetzliche Kindheit und Jugend als ESELSKIND erlebt und natürlich könnte ich mich heute hinsetzen und jammern, dass mir 20 Jahre meines Lebens gestohlen wurden!
Aber kann ich mir dadurch die gestohlenen Tage, Wochen, Monate und Jahre zurückholen? NEIN!

Nicht nur, dass ich sie nicht zurückholen kann, sondern ich vergeude mit Selbstanklage und Reue, mit Tränen und Selbstvorwürfen wiederum jetzt in der Gegenwart wertvolle Stunden, Tage, Wochen und Monate, vielleicht sogar Jahre!

Deshalb Ihr Lieben, ganz gleich, ob Euch in Eurem Leben Zeit gestohlen wurde oder ob Ihr Euch selbst um wertvolle Zeit gebracht habt, es bringt Euch keinen Schritt weiter, wenn Ihr darüber jammert, weint, Euch Selbstvorwürfe macht oder Euch selbst anklagt.

Die einzig richtige Haltung ist, frohen Mutes in die Zukunft zu schauen und HEUTE, HIER und JETZT die Gegenwart als ein Geschenk in Empfang zu nehmen und jeden Tag zu ergreifen und das Beste daraus zu machen.

Ich gehe jeden Tag an, indem ich mir sage: Ich möchte an jedem Tag anderen Menschen und mir selbst Freude machen. Ich verändere so nichts an meiner Vergangenheit, aber ich lebe auf diese Weise fröhlich und zuversichtlich in der Gegenwart.

Ich wünsche Euch einen fröhlichen Sonntag im Kreise Eurer Familie und grüße Euch ganz herzlich mit einem lieben Gruß aus Bremen

Euer heiterer Werner 
Quelle: Karin Heringshausen