3326 Geschichten


Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 3.326 Beiträge und mindestens zwei Mal in der Woche kommen weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen


Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Freitag, 18. Oktober 2013

Hast Du schon einmal gelogen? Ich ja!


Quelle: Helmut Mühlbacher

Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Maria von Ebner-Eschenbach erzählen:

 „Die Aufrichtigkeit“

„Die Aufrichtigkeit schritt eines Tages durch die Welt und hatte eine rechte Freude an sich selbst. Ich bin doch eine sehr tüchtige Person, dachte sie. Ich unterscheide scharf zwischen Gut und Schlecht, mit mir gibt es keine Unklarheiten. Keine wirklich gute Tugend ist denkbar ohne mich.

Da begegnete ihr die Lüge in einem schillernden Gewand und sie ging an der Spitze eines langen Zuges. Voll Ekel und Entrüstung wandte sich die Aufrichtigkeit ab.

Die Lüge ging süßlich lächelnd weiter. Die Letzten aber in ihrem Gefolge, ein kleines, schwächliches Volk mit Kindergesichtern, schlichen demütig und schüchtern vorbei und neigten sich vor der Aufrichtigkeit bis zur Erde.

„Wer seid Ihr denn“, fragte sie.
Einer nach dem anderen antwortete:
Ich bin die Lüge aus Rücksicht.“
Ich bin die Lüge aus Pietät.“
„Ich bin die Lüge aus Barmherzigkeit.

Ich bin die Lüge aus Liebe“, sprach der Vierte, „und diese Kleinsten unter uns sind:
Das Schweigen aus Höflichkeit, das Schweigen aus Respekt und das Schweigen aus Mitleid.

Da errötete die Aufrichtigkeit und plötzlich kam sie sich doch etwas plump und brutal vor.
Quelle: Helga und Gerd Steuer
Ihr Lieben,

ich bin tatsächlich schon Menschen begegnet, sie von sich behauptet haben, noch nie gelogen zu haben. Manche dieser Menschen haben mir dann gesagt, dass es ja bereits in der Bibel in den 10 Geboten stehe, dass man nicht lügen solle.

Diese Menschen irren. Das Gebot „Du sollst nicht lügen“ gibt es in der Bibel und den 10 Geboten gar nicht. Dort steht nur, dass wir nicht ein falsches Zeugnis wider unseren Nächsten ablegen sollen.

Wenn ich also über meinen Mitmenschen wider besseres Wissen etwas Schlechtes erzähle, obwohl ich genau weiß, dass es nicht stimmt, dann ist das verwerflich und das ist das, was mit dem falschen Zeugnis gemeint ist.

Eine Lüge ist dann verwerflich, wenn wir ganz bewusst über etwas oder jemanden die Unwahrheit erzählen, wenn wir z.B. von unserer Partnerin, unserem Partner gefragt werden, so wir herkommen und wo wir gewesen sind, und wir bewusst die Unwahrheit erzählen.

Verwerflich ist eine Lüge dann, wenn ich versuche, durch eine Lüge jemandem zu schaden, seinen Ruf zu beschädigen, ihn in den Augen anderer Menschen herabzusetzen.

Verwerflich ist eine Lüge dann, wenn wir jemanden damit entmutigen und ihn demütigen wollen. Als Kind wurde mir immer wieder erzählt, dass ich zwei linke Hände hätte (was schon vom Körperlichen her Unsinn ist!), dass ich ein Stück Dreck sei, dass ich nichts wert sei, dass ich nur eine Belastung sei, dass ich dumm wie Bohnenstroh sei (hat Bohnenstroh überhaupt einen Verstand?).
Werner mit 15
Erst als Erwachsener entdeckte ich, dass fast alles,
was über mich geredet worden war, Lügen waren.

Besonders  gefährlich ist eine Lüge dann, wenn sie sich als Wahrheit verkleidet.
Wie oft höre ich, dass Menschen sagen: „Ich will mal ganz ehrlich sein!“, „Sei doch mal ehrlich“ – bedeutet das, dass sie nur ganz selten ehrlich sind und ansonsten lügen?
Quelle: Astrid Müller
Aber es gibt meiner Meinung nach auch Lügen, die erlaubt sind und mit denen beschäftigt sich unsere heutige Geschichte.

Nicht die Frage „Darf ich lügen oder muss ich immer die Wahrheit sagen?“ ist der entscheidende Punkt, sondern es geht darum, dass wir, wenn wir uns mit anderen Menschen reden, bewusst unsere Worte abwägen, dass wir uns genau überlegen, was wir sagen.

Wenn unsere Denken, Handeln und Reden durch Liebe geprägt ist,
 
…dann wird es Situationen geben, in denen wir genau wissen, dass wir die Wahrheit sagen müssen, weil wir mit einer Lüge einem Menschen schaden würden
 
…dann wird es aber auch Situationen geben, in denen wir genau wissen, dass wir mit der offenen Wahrheit jemanden verletzen würden, und in denen wir deshalb schweigen oder eine Lüge aus Barmherzigkeit aussprechen. Wenn jemand schwer krank ist, ist es allemal besser, diesem Menschen Mut zu machen, als ihm die brutale Wahrheit ins Gesicht zu schleudern.

Deshalb stehe ich dazu, dass ich bewusste Lügen, die jemandem schaden könnten, vermeide, aber nichts Verwerfliches daran erkennen kann, wenn ich gelegentlich aus Liebe, Barmherzigkeit oder Mitleid lüge oder schweige.
www.busreisen24.de
Ihr Lieben,
ich wünsche Euch ein rundum gemütliches, heiteres Wochenende mit etlichen Glücksmomenten und ich grüße Euch herzlich aus Bremen, wo heute Abend das einzig wahre Oktoberfest beginnt, der Freimarkt.
Euer fröhlicher Werner
www.bremen.de

Mittwoch, 16. Oktober 2013

Das Geheimnis einer guten Beziehung – Feuer und Wasser

Quelle: Helmut Mühlbacher

Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte Inge Helm erzählen:

„Feuer und Wasser“

„Als Feuer und Wasser sich das erste Mal begegneten, waren sie voneinander fasziniert.

Das Feuer war ungestüm und temperamentvoll,
leuchtend und heiß, brodelnd und aufregend.
www.planet-wissen.de
Das Wasser hingegen floss ausgeglichen vor sich hin,
es war klar und beruhigend, glitzernd und erfrischend. 
 
www.teedo.de
Staunend betrachteten sie einander und entdeckten am anderen unzählige Eigenschaften und Besonderheiten, die sie an sich selbst nicht kannten. Und da sich Gegensätze bekanntlich anziehen, blieb es nicht aus, dass sich Feuer und Wasser ineinander verliebten. Sie trafen sich, hatten Spaß miteinander, lernten voneinander und ergänzten sich wunderbar.

Weil sie sich gegenseitig so kostbar geworden waren, beschlossen Feuer und Wasser, für immer zusammenzubleiben. Sie feierten ein großes Fest. Viele Gäste waren gekommen – auch der Wind.
 
Der schenkte ihnen eine bauchige Flasche mit wertvollem Inhalt.
Nach der Feier öffneten Feuer und Wasser die Flasche und entnahmen daraus eine alte Schriftrolle. Auf dem alten Pergament stand geschrieben:
 
„Passt auf, dass Ihr Eure Eigenständigkeit behaltet!
Ihr seid so verschieden und schätzt die Unterschiedlichkeit aneinander.
Hütet diesen Schatz, denn er ist das Geheimnis Eurer Liebe!

 
Respektiert Eure Grenzen. Lernt voneinander,
aber versucht nicht, Euch gegenseitig umzuerziehen.


Entdeckt immer wieder etwas Neues aneinander.
Glaubt nie, dass Ihr das Geheimnis des anderen ganz gelüftet habt,
und achtet einander jeden Tag Eures gemeinsamen Lebens!“

Feuer und Wasser lasen die Flaschenpost aufmerksam durch
und dachten darüber nach.


Dann stellten sie die bauchige Flasche gut sichtbar
in ihrer gemeinsamen Wohnung auf, um immer wieder
an diese Botschaft erinnern zu werden.“
www.wikipedia.org
 Ihr Lieben,

es macht mich immer wieder ein wenig traurig, wenn ich mitbekomme, dass Beziehungen auseinandergehen, dass sich Eltern trennen, dass Freundschaften unter jungen Menschen zerbrechen, dass Ehen scheitern.

Wenn man sich dann die Gründe anschaut, die für das Scheitern verantwortlich sind, dann stellt man erstaunlicherweise fest, dass oft gerade eine ganz wunderbare menschliche Eigenschaft dafür verantwortlich ist.

Wenn Menschen sich lieben, wenn sie eine Beziehung eingehen, wenn sie miteinander befreundet sind oder sogar heiraten, dann sind die Beteiligten in ihrer missverstandenen Liebe oft bereit, sich selbst ein Stück weit um des Anderen willen aufzugeben, um eine gute Beziehung aufbauen zu können.

Leider – und das ist das Tieftraurige daran – steckt in dieser wundervollen Haltung in diesem von Liebe geprägten Vorgehen schon der Keim für das Scheitern der Beziehung, der Freundschaft, der Ehe.

Es gibt im Deutschen ein sehr gutes Sprichwort, das lautet:
„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte“.
www.mit-blog.de
Ich liebe Bilder, weil sie uns oft Dinge besser erklären können,
als wir das mit Worten vermögen.
Deshalb gefällt mir die heutige Geschichte so gut.
 
Jedem von uns leuchtet ein, dass sich Wasser und Feuer nicht vermischen können.
Wenn das Wasser bereit ist, seine Eigenschaften aufzugehen, wird es durch das Feuer verdunsten, und wenn  das Feuer seine Eigenschaften aufgibt, dann wird es durch das Feuer gelöscht.

Feuer und Wasser können wundervoll zusammenleben, sie können sich wundervoll ergänzen, indem der eine, das Feuer, den anderen wärmt, und der andere, das Wasser, den Durst des anderen stillt.
 
Nur wenn beide in falsch verstandener Liebe das eigene Wesen verändern oder gar aufgeben, dann scheitert die Beziehung, dann stirbt das Feuer, dann versiegt das Wasser.

Das Geheimnis besteht in dem, was auf dem alten Pergament stand:
In einer guten Beziehung sollten wir darauf achten,
dass wir bei aller Gemeinsamkeit unsere Eigenständigkeit behalten.

 
Wir sind, jeder von uns, sehr verschieden und
deshalb sollten wir die Unterschiedlichkeit schätzen,
sie bereichert die Beziehung
.
 
Wir sollten unsere Grenzen respektieren.

Wir sollten bereit sein, voneinander zu lernen,
aber darauf verzichten, und gegenseitig umzuerziehen.

Wir sollten lieber darauf bedacht sein,
in dem Anderen immer wieder etwas Neues zu entdecken
und dabei auch beachten, dass unsere eigenen Bedürfnisse gestillt werden
.
Quelle: Astrid Müller
Ihr Lieben,
ich wünsche Euch eine fröhliche, respektvolle zweite Wochenhälfte und ich bedanke mich herzlich für all die lieben Grüße, Nachrichten, E-Mails und Briefe, die mich täglich erreichen, und ich grüße Euch herzlich aus Bremen, aus der Stadt mit dem einzigen echten Oktoberfest, dem Freimarkt, der am kommenden Freitag beginnt.
Euer fröhlicher Werner
 
Quelle: Karin Heringshausen

Montag, 14. Oktober 2013

Mir ist ein Engel begegnet!




Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Christoph Georges erzählen:

„Der Engel an der Brücke
www.focus.de
„Ich kam auf meiner langen Wanderung an eine Brücke und ich traf dort auf einen jungen Mann, der auf und ab ging. Ich fragte ihn, was er denn da mache und er schaute mich an.
Seine Augen waren voll Trauer und auch voll Wut.
Sein Körper war geschwächt und doch konnte er nicht ruhen.

Auf seinen Schultern lastete ein großes Paket – hier und da waren ein paar Löcher, wo wohl ein Stück des Inhalts fehlte, dennoch schien es dadurch nicht minder schwer zu sein.

Ich fragte ihn, warum er denn nur ständig auf und ab gehe?
Er sagte, dass er gerne über diese Brücke gehen wolle, um auf die wunderschöne Insel gegenüber der Schlucht zu gelangen, doch er wage es nicht, denn seine Last sei so schwer und die Brücke, die er überqueren müsse, mache keinen stabilen Eindruck.

Ich fragte ihn, warum er denn die Last nicht ablegen würde, dann könnte er doch ohne Weiteres die Brücke passieren. Er schaute mich entgeistert an – ohne sein Gepäck??? Nein, das ginge nicht!

Ich fragte ihn, was denn so Wichtiges in diesem Paket wäre, dass er es denn nicht hier lassen könne. Er lächelte und sagte stolz – es ist meine Vergangenheit.

Er ging auf und ab – sehnsüchtige Blicke folgten dem Weg auf diese wunderschöne Insel – mit Blumen und Früchten und frischem Wasser. Er war wirklich geschwächt, so bot ich ihm Wasser an – dankend trank er es.

www.wikipedia.org
Ich fragte, ob er seine Last absetzen möge und auf die Insel gehen wolle.

Vehement verneinte er – auf keinen Fall würde er seine so kostbare Vergangenheit absetzen, nur, um auf die Insel zu gelangen – es müsse doch schließlich auch einen anderen Weg geben.

Wir schwiegen.

Ich meinte, wenn seine Vergangenheit leichter wäre, so könne er sie vermutlich mit auf die Insel nehmen. Doch wäre sie leichter, so wäre sein Eigengewicht weitaus schwerer und so könnte er sowohl mit als auch ohne Vergangenheit diese Brücke nicht passieren. Dadurch jedoch, dass er nun so lange gegangen sei mit dieser Last, sei er selbst davon so leicht geworden, dass er die Brücke passieren könne, würde er seine Last absetzen.

Er schaute mich erstaunt an – „Ist das also die einzige Möglichkeit, diese Brücke zu überqueren?“ fragte er.
Ich schwieg. Er dachte nach.
Dann fragte er mich, ob ich denn kurz für ihn seine Vergangenheit tragen könnte, da er das Paket ungern in den Staub stellen wolle. Er würde jedoch gern einmal auf die Insel hinübergehen, um zu schauen, ob sich denn der Tausch auch lohnen würde.

Ich sagte, dass er gern auf die Insel gehen könne, doch ich würde ihm seine Last nicht abnehmen.
 
Ich zeigte auf den Haufen neben der Brücke und sagte: "All das ist Vergangenheit von vielen Anderen, die auch zuvor wie du unentschlossen waren. Es ist Deine Entscheidung – wohin es Dich trägt."
Und seit er über die Brücke lief, ruht neben seiner Vergangenheit die Vergangenheit vieler anderer glücklicher, freier Menschen!“
Die Lasten der Vergangenheit, wir schleppen sie immer mit uns!
www.wikipedia.org
Ihr Lieben,

Das Geheimnis des Glücks, das Geheimnis unser fröhlichen Zukunft beruht darin, die Lasten unserer Vergangenheit ruhen zu lassen.
 
Mich hat schon in meiner Jugend in der Bibel immer ein Satz besonders beeindruckt, das ist der Satz: „Es geht eher ein Kamel durch ein Nadelöhr, als dass ein Reicher in das Reich Gottes kommt.“
www.pastorcito.blogspot.com
Ich bin ja noch in einer Zeit groß geworden, in der meine Großmutter tatsächlich noch mit Nadel und Faden arbeitete. Und das Öhr einer Nadel war in der Regel so winzig, da passte nur ein Faden durch. Von daher schien mir dieser Satz etwas widersinnig zu sein. 

Später, in meinem Studium, fand ich heraus, dass es in Jerusalem ein kleines Stadttor gab, das so eng war, dass gerade ein Kamel ohne irgendwelche Lasten hindurchpasste. Deshalb wurde es das „Nadelöhr“ genannt.
www.view.stern.de
Dieser biblische Satz enthält ganz viel Wahrheit, ganz unabhängig davon, ob wir gläubig sind oder nicht. 

Wenn wir unsere Zukunft glücklich gestalten wollen, wenn wir im wahrsten Sinne des Wortes „unbelastet“ in die Zukunft schreiten wollen, dann müssen wir bereit sein, die Lasten unserer Vergangenheit hinter uns zu lassen.

Wer die schweren Lasten seiner Vergangenheit nicht loslassen kann, der versinkt immer tiefer in dem Schlund der Traurigkeit, der Verzweiflung, der Hoffnungslosigkeit, des Unglücklichseins.

Wer dagegen bereit ist, die Lasten seiner Vergangenheit loszulassen und nur die glückliche Erinnerungen aus der Vergangenheit mitzunehmen, dem ist es möglich, die Insel der Zukunft, die Insel des Glücks, der Freude, der Zuversicht und Hoffnung zu betreten.

Ich hatte das gleiche Glück wie der junge Mann in unserer Geschichte. Auch mir begegnete ein Mensch, der mir half, meine Gedanken zu ordnen, der mich auf die Zusammenhänge zwischen den Lasten meiner Vergangenheit und dem Glück meiner Zukunft aufmerksam machte und mich vor die Entscheidung stellte, zu wählen zwischen dem Rückwärtsgewandt-Sein und wie gebannt auf das zu schauen, was mir in Kindheit und Jugend angetan wurde, oder die Lasten der Vergangenheit hinter mir zu lassen, den Tätern zu vergeben, mich selbst anzunehmen wie ich bin und glücklich in die Zukunft zu schreiten. 

Diesen Menschen, der mich daraufhin wies, wie ich den Weg zu meinem persönlichen Glück finden kann, den bezeichne ich als meinen persönlichen Engel. 
Vergebung
www.laveda.de

Ihr Lieben,
ich wünsche Euch von Herzen ein befreites Leben, Momente des Glücks, Gedanken der Hoffnung und Zuversicht, Gefühle der Liebe und Freude und ich grüße Euch herzlich aus Bremen
Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen