Es geht in diesen schweren Zeiten darum, Menschen dazu zu ermutigen, anderen Menschen offen und frei ins Gesicht zu blicken und offen und frei die eigene Meinung zu äußern, und es geht darum, Menschen Hoffnung zu vermitteln, damit sie in ihrem Leben glücklich werden.
3326 Geschichten
Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 3.326 Beiträge und mindestens zwei Mal in der Woche kommen weitere hinzu.
Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran: Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen
ich bin in letzter Zeit des Öfteren gefragt worden, welche Geschichte ich am liebsten mag von all den Geschichten, die ich erzählt habe. Sie gefallen mir eigentlich alle sehr gut, aber die folgende ist meine Lieblingsgeschichte:
"Was wiegt eine Schneeflocke?"
"Einst fragte die Tannenmeise ihre Freundin, die Wildtaube: "Sag mir was eine Schneeflocke wiegt."
"Nicht mehr als ein Nichts", antwortet die Wildtaube.
"Dann lass mich dir eine wunderbare Geschichte erzählen." sagte da die Meise. "Ich saß eines Tages auf einem dicken Ast einer Fichte, dicht am Stamm, als es zu schneien anfing. Es schneite nicht heftig, sondern ganz sanft und zart, ohne Schwere.
Da ich gerade nichts Besseres zu tun hatte, zählte ich die Schneeflocken, die auf die Zweige und auf die Nadeln des Astes fielen und darauf hängen blieben.
Es waren exakt dreimillionen-siebenhundert-einundvierzigtausend-neunhundert-zweiundfünfzig Schneeflocken, die ich zählte.
Und als die letzte der dreimillionen-siebenhundert-einundvierzigtausend-neunhundert-dreiundfünfzig Schneeflocken leise und sanft niederfiel, die nicht mehr wog als ein Nichts, brach der starke, dicke Ast der Fichte ab."
Damit flog die Meise davon.
Die Taube, als Spezialistin für den Frieden, sagte zu sich nach kurzem Nachdenken:
"Vielleicht fehlt ja nur eines einzelnen Menschen Stimme zum Frieden der Welt..."
......hast Du Deine Stimme auch schon erhoben, um für den Frieden der Welt zu kämpfen, diese Welt etwas heller und wärmer zu machen?
„Sei Du selbst die Veränderung, die Du Dir wünschst für diese Welt.“
Mahatma Gandhi
Ihr Lieben,
ich möchte Euch heute die Geschichte eines unbekannten Autors erzählen:
"Wenn wir uns verändern wollen,
müssen wir Geduld mit uns selbst haben."
"Es war einmal ein Zirkusbär. Sein Zuhause bestand aus einem kleinen Käfig. Er war bereits in einem solchen Käfig geboren worden und verbrachte seine Freizeit damit, in diesem Käfig zehn Schritt vorwärts zu machen und wieder zehn Schritte rückwärts.
Irgendwann beschloss der Zirkusdirektor, den Zirkus aufzugeben, da er nur noch Verluste machte. Er fuhr mit den Bären in den Wald, stellt den Käfig ab und öffnete die Tür, bevor er abfuhr.
Der Bär steckte die Nase aus der offenen Käfigtür. Nun stand ihm die Welt offen für ein Leben als ein freier Bär.
Der Bär sprang aus dem Käfig. Er stapfte einen Schritt vorwärts, vier, sechs, acht, neun... Aber nach dem zehnten Schritt ging der Bär wieder zehn Schritte rückwärts..."
Ihr Lieben,
es gab Zeiten in meinem Leben, - zum Glück ist es schon länger her - da ähnelte ich dem Bär aus unserer Geschichte. Ich stand vor großen notwendigen befreienden Veränderungen in meinem jungen Leben und hattedoch gleichzeitig große Angst davor.
Viele Menschen sind eingesperrt in die Zwänge ihres Lebens und träumen von der Freiheit.
Wenn wir Menschen wie Karlheinz Böhm oder Mutter Theresa bewundern, dann tun wir das nicht nur, weil sich diese Menschen für etwas Gutes einsetzen, weil sie sich gegen Hunger und Armut in der Welt engagieren, sondern wir bewundern solche Menschen auch deshalb, weil tief in uns die Sehnsucht schlummert, auch einmal aus den eingefahrenen Gleisen unseres Lebens auszubrechen, so wie das Karlheinz Böhm und Mutter Theresa getan haben.
Viele Menschen aber, die die Gelegenheit haben, etwas in ihrem Leben zu verändern, glauben, sie könnten von einem Tag auf den anderen große Veränderungen in ihrem Leben durchführen.
Das aber ist ein großer Irrtum.
Veränderungen brauchen Zeit. Ich möchte dazu ein humorvolles Beispiel nennen:
Wir alle laufen auf unseren Füßen, weil wir das so gelernt haben.
Wenn es nun plötzlich Mode würde, nicht mehr auf den Füßen zu laufen, sondern auf den Händen, würden wir längere Zeit brauchen, bis uns das gelingen würde.
Ich gebe zu, dass ist ein etwas überzogenes Beispiel, aber es verdeutlicht, worum es geht:
Wenn wir in unserem Leben etwas ändern wollen, müssen wir zunächst den Entschluss dazu fassen und dann müssen wir bereit sein, die neuen Veränderungen auch einzutrainieren und uns für dieses Training auch Zeit zu nehmen.
Denn sonst kann es geschehen, dass wir bei der Praktizierung der von uns gewünschten Veränderungen zunächst Misserfolge erleben und aus Angst zu unseren alten Verhaltensweisen zurückkehren.
Ihr Lieben,
ich wünsche Euch für das neue Jahr viel Mut zu Veränderungen, viel Zuversicht bei Veränderungen und ganz viel Selbstvertrauen bei der schrittweisen Umsetzung der Veränderungen.
Seid herzlich und fröhlich gegrüßt an diesem frostigen Tag,
"Selbstvertrauen ist das erste Geheimnis des Erfolges." Ralph Waldo Emerson
Ihr Lieben,
heute Morgen möchte ich Euch die Geschichte eines unbekannten Autors erzählen:
"Manchmal stehen wir uns selber im Weg"
"Es war einmal ein Hund. Er hatte großen Durst. Doch jedes Mal, wenn er trinken wollte und dabei sein Spiegelbild im Wasser erblickte, erschrak er vor dem fremden großen Hund, den er sah und wich voller Angst zurück.
Irgendwann aber war sein Durst so groß und unerträglich, dass er seine Furcht überwand und mit einem großen Satz ins Wasser sprang. Und tatsächlich verschwand dann auch der "andere" Hund."
Ihr Lieben,
für das Neue Jahr wünsche ich jedem von Euch, dass er die Erfahrung des Hundes aus unserer Geschichte macht:
Von unseren Träumen und Zielen trennen uns oft nicht so sehr die Umstände oder andere Schwierigkeiten, sondern oft nur unsere eigene Angst, unser mangelndes Selbstbewusstsein - wir trauen es uns selber nicht zu.
Ob wir aber etwas können oder nicht, werden wir erst dann erfahren, wenn wir es ausprobiert haben.
Dabei ist es aber auch wichtig, dass wir in der richtigen Weise vorgehen.
Mein Jugendfreund Hans-Christoph hat mir in meiner Jugend beigebracht, dass es wenig bringt, zu versuchen, 10 Meter weit zu springen, das kann nicht gelingen, denn das wäre Weltrekord!
10 Meter aber SCHRITT für SCHRITT zu geben - das ist eine Übung, die selbst ein kleines Kind schaffen kann.
Deshalb sollten wir bei dem Versuch, unsere Träume zu verwirklichen und unsere Ziele zu erreichen, immer SCHRITT für SCHRITT vorgehen, dann sind viele Ziele leicht zu erreichen, viele Träume leicht zu verwirklichen.
Ich wünsche mir für das Neue Jahr von Herzen, dass sich jeder von Euch mehr zutraut, mehr von sich selbst hält und begreift, dass er etwas Besonderes ist.
Ich wünsche Euch heute einen ruhigen, gemächlichen und besinnlichen Tag und ich grüße Euch alle ganz herzlich,
Foto: picture alliance / empics/PA Wire Nicht nur in Schulen und Kinderheimen kam es zu Missbrauch. Auch in scheinbar idyllischen Kleinstädten vergriffen sich Geistliche an Kindern
Erst hat der Vater sexuellen Kontakt zum Seelsorger, dann lädt dieser auch den elfjährigen Michael L. zu sich ein. Das Protokoll eines Missbrauchs.
Manchmal stellt er sich seine Erinnerungen in einer Kiste mit rotem Samt vor. An guten Tagen kann er den Deckel öffnen und ganz in Ruhe hineinblicken. An schlechten Tagen öffnet sich der Deckel von selbst. Meist ist Michael L. damit beschäftigt, die Kiste geschlossen zu halten.
„Ganz schön viel drin“, sagt der hübsche junge Mann mit den klaren blauen Augen und lacht gequält. Das Bild einer grobporigen Nase etwa, die Michael neben seinem Gesicht sah, wenn Ulrich H. von hinten in ihn eindrang. Oder das schmatzende Geräusch der Vaseline, mit der der Priester sein Geschlechtsteil zuvor eingerieben hatte.
Der Junge Bis zum Alter von sieben Jahren wächst Michael in scheinbar normalen Verhältnissen auf.
Er ist das mittlere von fünf Kindern, der Vater Lehrer, die Mutter Hausfrau. Zuhause herrscht eine herzliche Atmosphäre, es wird viel gemeinsam unternommen. Die Eltern sind religiös, bei Tisch wird gebetet, sonntags geht man in eine Baptistengemeinde. Michael ist ein schmaler zarter Junge, der viel nachdenkt. Seine Eltern nennen ihn „unseren kleinen Familienphilosophen“.
Als er sieben ist, kommt immer öfter der katholische Priester Ulrich H. aus einem Nachbarort zu Besuch. Den Kindern wird er als „guter Freund“ des Vaters vorgestellt. In Wirklichkeit hat der Vater ein sexuelles Verhältnis mit dem Priester begonnen. Seine Mutter weiß davon und billigt es. Auch Familie L. besucht den Priester gelegentlich in seiner Gemeinde, in der H. seit zehn Jahren als Seelsorger tätig ist.
Als Michael elf ist, wird er von Ulrich H. in den Herbstferien zu sich eingeladen. Eines Abends holt ihn der Priester beim Fernsehen auf seinen Schoß. Michael L. kann die Erektion durch die Hose spüren. Später im Bett befriedigt sich Ulrich H. zwischen den Beinen des Jungen. Beim zweiten Mal dringt er ihn ein. Es tut weh.
Michael ist irritiert, schockiert, angeekelt. Nichts passt mehr zusammen. Tagsüber hilft er Ulrich H. beim Aussuchen einer Krippe für das Weihnachtsspiel. Abends holt ihn der Geistliche in sein Bett und vergewaltigt ihn. Die Vaseline im Nachtschrank hilft dabei. Alle Menschen haben Geheimnisse, flüstert er dem Jungen zu, dies ist jetzt unseres.
Und Michael schweigt. Seine Eltern fragen nicht, warum er manchmal stundenlang zusammengekrümmt auf dem Bett liegt. „Eigentlich hätten sie es wissen können“, sagt er heute. Ein Jahr später ist er erneut bei dem Priester. Der Albtraum wiederholt sich.
Anzeige
Erst im Herbst 1995 fliegt das Ganze auf. Einer der älteren Brüder von Michael hat der Mutter erzählt, dass der Priester ihn unsittlich berührt hat. Nun berichtet auch Michael, was passiert ist. Ulrich M. wird zum Gespräch „einbestellt“. Vor dem lodernden Kaminfeuer im Wohnzimmer der Familie bittet er um Entschuldigung. Die Eltern brechen den Kontakt ab. Anzeige erstatten sie keine. Ein Prozess, erklärt der Vater Michael, würde ihn seinen Job kosten und die Familie zerstören.
Der Priester ist aus dem Leben des Jungen verschwunden, nicht aber das, was er getan hat. Michael L. sackt in der Schule ab, er beginnt, zu kiffen und zu trinken. Er erträgt es nicht, nackt in Umkleidekabinen zu stehen, schlingt sich auch im Hochsommer ein Tuch um den Hals, als könne er sich damit schützen. Er baut einen Fahrradunfall, es schert ihn nicht. Sein Leben kommt ihm sinnlos vor. Die Eltern überlegen, ihn zum Schulpsychologen zu schicken. Er willigt ein, doch es wird nichts daraus. Irgendwie schafft er den Schulabschluss dennoch, beginnt eine Ausbildung zum Erzieher. Sexuelle Kontakte hat er lange Zeit keine.
Erst im Herbst 2007, über zehn Jahre später, kommt es zur Anzeige. Eine der Schwestern von Michael L. ist zur Polizei gegangen. Der Priester habe auch sie missbraucht, sagt sie. Sie drängt ihren Bruder, auch Anzeige zu erstatten. Michael L. tut es. Bei der Polizei wird er stundenlang vernommen. Dann bricht er zusammen.
Die Gemeinde
Die Frau hatte das Schlimmste befürchtet. Eine Woche zuvor ist ihr Pfarrer verschwunden. In der Gemeinde greift die Sorge um sich wie ein ansteckendes Fieber. Er hat einen Unfall gehabt, mutmaßen einige. Hatte er nicht auch Depressionen? Fragen die anderen ängstlich. Die Frau rechnet täglich mit einem Anruf aus dem Krankenhaus.
Dann, an einem Mittwochabend, vor der traditionellen Wochenmesse, liest ein Pfarrer aus der Nachbargemeinde eine Nachricht vom Bischof vor. Die Staatsanwaltschaft ermittele gegen den Priester wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch. Keine Details. Nur, dass er die Vorwürfe abstreite. Im voll besetzten Saal herrscht Fassungslosigkeit. Viele weinen, auch Männer und Jugendliche. Einige gehen empört. Bei denen, die bleiben, macht sich schnell die Überzeugung breit: Nicht unser Priester.
Seit 1983 ist der stämmige Mann mit dem runden freundlichen Gesicht in der Gemeinde. Fromm, aber lebensnah. Das ist sein Konzept. „Zusammen beten, zusammen feiern“, sagt er gern. Die Leute lieben ihn dafür. Er legt Wert auf die Liturgie, aber auch darauf, dass die Botschaft verständlich bleibt. Einmal zerschmettert er in der Messe einen Krug. Um zu zeigen, dass bei Gott auch Zerbrochenes gut aufgehoben ist.
Mit der Zeit bildet sich ein Freundeskreis um den Priester, alles junge Familien. Meist sind auch die Kinder dabei. Man unternimmt gemeinsame Radtouren, trifft sich zum Plätzchenbacken. Der Priester ist immer dabei. Auch bei den Familienfesten. Oft wird abends bei einer Flasche Wein diskutiert. Der Priester ist belesen, spricht mehrere Sprachen, interessiert sich für Kunst und Geschichte. Und er ist da, wenn der Vater stirbt, die Ehe kriselt, eine schwere Krankheit ausbricht.
„Wir hätten uns ein Bein für ihn abhacken lassen“, sagt die Frau, die mit ihrer Familie zum engeren Zirkel gehörte. Eine Woche lang sind sie überzeugt, dass jemand dem Priester Böses will. Einer, der sich über ihn geärgert hat. Oder eine Frau, die bei ihm abblitzte. Dann kommen die ersten Zweifel. Täglich stehen neue Meldungen über die Ermittlungen in der Zeitung. Der Priester wird aus der Untersuchungshaft entlassen, aber nur unter strengen Auflagen. Er darf nicht in sein Haus zurückkehren, darf keinen Kontakt zur Gemeinde haben. Einige aus dem Freundeskreis treffen sich trotzdem mit ihm. Er weint, entschuldigt sich. Räumt den Missbrauch des Jungen ein.
Gibt dessen Eltern Mitschuld. Er sei da „hineingeraten“. Die Familie – so offen und zärtlich, im Haus hatten sie eine „Kuschelecke“; der Junge – so anhänglich. Und er – so liebesbedürftig nach einer Kindheit mit einem harten Kriegsrückkehrervater. Die Frau aus der Gemeinde und ihre Familie brechen den Kontakt zum Priester ab. Zu tief fühlen sie sich belogen. Sie haben einen heranwachsenden Sohn. Er war oft mit dem Priester unterwegs. Ihm ist nie etwas aufgefallen.
Andere halten an dem Priester fest. Es kommt zum Streit unter den Gemeindemitgliedern. Wie könnt ihr ihn so im Stich gelassen? fragen die einen. Wie könnt ihr nach alldem noch zu ihm halten? sagen die anderen.
Der Prozess
Der Junge, der inzwischen ein junger Mann ist, hat sich vorbereitet. Er hat einen guten Anwalt gefunden, nicht viel älter als er selbst. Einer, der ihm das Gefühl gibt, nicht allein zu sein. Der Junge hat auch die Kiste der Erinnerungen aufgemacht. Er hat sich alles, was er darin fand, genau angeschaut. Auch, wenn es wehtat.
Er will sagen, was war. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.
Die Bistumsleitung hat ihm einen Brief geschrieben. Man sei „tief betroffenen über das, was wir in den vergangenen Tagen erfahren mussten“, heißt es darin. Dann werden Termine für ein mögliches Gespräch aneinandergereiht, „um zu klären, ob und in welcher Weise wir Ihnen helfen können“. Michael L. hat darauf nicht geantwortet. Er hätte sich mehr Mitgefühl statt hilfloser Formeln gewünscht.
Als der Prozess beginnt, sieht er den Priester zum ersten Mal wieder. Er sitzt mit seinem Verteidiger auf der Nebenbank. Sieht unverändert aus. Der junge Mann sieht den Priester lächeln, als er spricht. Er versucht, sich auf seinen Atem zu konzentrieren. Auch aus der Gemeinde des Priesters sind einige gekommen. Sie sitzen hinten im Saal. „Lügner“ zischeln sie, wenn Michael L. von den erlittenen Qualen erzählt. Unheilvoll wie ein Chor in einem antiken Drama.
Das trifft ihn schlimmer als das Verhalten des Priesters. Er hat sich so Mühe gegeben, dass Ulrich H. nicht noch mehr Schuld tragen muss. Auch wegen des unsinnigen Gefühls, das seit damals in seinem Inneren nagt. Ein typisches Gefühl für Opfer von sexuellem Missbrauch, sagen Psychologen. Der junge Mann fühlt sich mitschuldig.
Der Priester nutzt die Gelegenheit zur Buße nicht. Er streitet ab, räumt dann nur das ein, was ihm nachgewiesen werden kann. Sieht sich als den Verführten. Er habe das Ankuscheln des Jungen „missverstanden“. Das Gericht glaubt ihm nicht. Zehn Fälle von schwerem Missbrauch wird der Richter am Ende als erwiesen ansehen und den Priester zu drei Jahren Haft verurteilen. Der Priester nimmt das Urteil reglos entgegen. Er, der immer so viele Worte für Sühne und Schuld gefunden hat – für die eigene findet er keine.
Danach
Zwei Jahre sind seit dem Prozess vergangen. Die Kirche mit dem weißen Zeltdach, die sich in die Mitte eines kleinen Parks einer mitteldeutschen Kleinstadt schmiegt, wirkt friedlich wie immer. Und doch ist alles anders geworden. Der Freundeskreis des Priesters ist auseinander gebrochen. In der Gemeinde hilft jetzt ein pensionierter Geistlicher aus. Er kann den Priester nicht ersetzen, versucht es auch nicht. Gefeiert wird hier kaum mehr. Zu Sankt Martin fiel der Umzug aus.
Offiziell ist der frühere Priester in der Gemeinde kein Thema mehr. Tatsächlich aber wird ständig über ihn gesprochen. Viele können es bis heute nicht fassen. Auch die Frau aus der Gemeinde nicht. Beim Prozess ist sie nicht gewesen. „Anfangs habe ich gehofft, dass ich die beiden Bilder von ihm eines Tages zusammenbringe“, sagt die Frau. „Aber es geht nicht.“ Dann weint sie. Die Lücke, die der Priester in der Familie hinterlassen hat, schmerzt bis heute. „Der Mensch, den wir kannten, fehlt.“
Der Priester will mit der Presse nicht sprechen. Er ist jetzt im offenen Vollzug. Wenn er sich gut führt, wird er im kommenden Jahr entlassen werden – und doch ein Gefangener seiner Schuld bleiben. Rom hat ein Strafdekret mit vielen Auflagen über ihn verhängt. Wenn er frei ist, darf er nicht mehr mit Jugendlichen arbeiten. Er muss jede Reise vorher anmelden und den Raum sofort verlassen, wenn sich Minderjährige in ihm befinden. Zu seiner Gemeinde darf er keinen Kontakt mehr haben. Er hat wie der Junge sein altes Leben für immer verloren. Aber er bleibt von der höchsten Strafe verschont: Er darf Priester bleiben.
Der junge Mann hat geheiratet, ein Kind bekommen. Er arbeitet als Erzieher. Das Gefühl sucht ihn in Wellen heim. Eine seltsame Ohnmacht, eine innere Leere. Er hat eine künstlerische Therapie dagegen gemacht. Manchmal hilft es ihm, zu plastizieren – das Gefühl, selbst zu gestalten, statt ausgeliefert zu sein. Über die schlechten Momente redet er nicht gern. Wenn er es doch tut, versucht er, seine Gedanken als Puffer zwischen seine Erinnerungen und seine Gefühlen zu schieben. Er sagt dann, dass es viel darauf ankommt, mit welchem Blick man auf die Dinge schaut. Das ewige Opfer ist für ihn kein Lebensmodell. Wenn er Meldungen über missbrauchte Kinder hört, spürt er sich manchmal ganz dünnhäutig werden. Er weiß, was sie erlebt haben. Und er wünscht ihnen, dass sie wie er die Kraft finden, das Schweigen zu brechen.
Dem Priester habe er im Kopf vergeben, sagt er. Im Herzen nicht. Seinen Eltern schon. Weil er sich seine Kindheit nicht nehmen lassen will. Es war eine glückliche, sagt er. Bis zum Missbrauch. Der junge Mann hat ein Ziel: Eines Tages will er die Kiste mit dem roten Samt offen stehen lassen können.
Nimms nicht persönlich. Kennst Du das nicht auch, dass Dir irgendetwas widerfährt und Du von jetzt auf gleich wütend oder ärgerlich reagierst?
Vielleicht hast Du ja sogar einen guten Grund für Deinen plötzlichen Ärger, vielleicht ist er aber auch, bei näherem Betrachten, ziemlich überflüssig und nutzlos.
Wie auch immer, irgendetwas in Dir hat innerhalb von Sekundenbruchteilen die Kontrolle übernommen und in einer mehr oder weniger gewohnten Weise reagiert.
Es gibt da eine alte Geschichte von einem Mann, der im Dunklen über einen See rudert und plötzlich bemerkt, wie ihm ein anderes Boot entgegenkommt. Er regt sich fürchterlich über den anderen Steuermann auf, ruft ihm entgegen, dass er gefälligst aufpassen und ihm aus dem Weg steuern solle. Doch so sehr er auch ruft und sich immer mehr ärgert, das andere Boot bewegt unverändert immer weiter in seine Richtung.
Also bleibt unserem guten Mann nichts anderes übrig, als selbst den Kurs zu ändern, um den Zusammenstoß zu vermeiden. Und wie er das fremde Boot so vorüberziehen sieht, bemerkt er, dass gar niemand drin sitzt.
Und so schnell, wie seine Wut gekommen war, so schnell ist sie auch wieder verraucht - als er nämlich feststellt, dass da gar niemand ist, den er beschuldigen und über den er sich aufregen könnte.
Was hält Dich eigentlich davon ab, alle Situationen in Deinem Leben wie ein leeres Boot zu betrachten? Es gibt wirklich nichts, worüber es sich aufzuregen lohnt. Es sei denn, Du nimmst die Dinge sehr persönlich oder suchst nach Schuldigen. Doch wenn Dir nur noch leere Boote begegnen, gibt es keine Schuldigen.
Also bist da nur noch Du - und wenn Du die Dinge nicht mehr so persönlich nimmst...