3344 Geschichten


Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 3.344 Beiträge und mindestens zwei Mal in der Woche kommen weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen


Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Montag, 26. Oktober 2026

Geschichte: Herr Böse und Herr Streit

 

Quelle: Werner Forneberg


Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Euch eine Geschichte von Heinrich Hannover erzählen:

„Herr Böse und Herr Streit“

Es war einmal ein großer Apfelbaum.
Der stand genau an der Grenze zwischen zwei Gärten.
Und der eine Garten gehörte Herrn Böse, und der andere gehörte Herrn Streit.

Als im Oktober die Äpfel reif wurden, holte Herr Böse mitten in der Nacht seine Leiter aus dem Keller und stieg heimlich und leise auf den Baum und pflückte alle Äpfel ab.

Als Herr Streit am nächsten Tag ernten wollte, war kein einziger Apfel mehr auf dem Baum.
"Warte!" sagte Herr Streit, "Dir werde ich es heimzahlen."
Und im nächsten Jahr pflückte Herr Streit die Äpfel schon im September ab, obwohl sie noch gar nicht reif waren.

"Warte!" sagte Herr Böse, "Dir werde ich es heimzahlen."
Und im nächsten Jahr pflückte Herr Böse die Äpfel schon im August, obwohl sie noch ganz grün und hart waren.

"Warte!" sagte Herr Streit, "Dir werde ich's heimzahlen."
Und im nächsten Jahr pflückte Herr Streit die Äpfel schon im Juli, obwohl sie noch ganz grün und hart und sooo klein waren.

"Warte!" sagte Herr Böse, "Dir werde ich es heimzahlen."
Und im nächsten Jahr pflückte Herr Böse die Äpfel schon im Juni, obwohl sie noch klein wie Rosinen waren.

"Warte!" sagte Herr Streit, "Dir werde ich es heimzahlen."
Und im nächsten Jahr schlug Herr Streit alle Blüten ab, sodass der Baum überhaupt keine Früchte mehr trug.

"Warte!" sagte Herr Böse, „Dir werde ich es heimzahlen."
Und im nächsten Jahr im April schlug Herr Böse den Baum mit der Axt um. "So", sagte Herr Böse, "jetzt hat Herr Streit seine Strafe."

Von da ab trafen sie sich häufiger im Laden beim Äpfelkaufen.“

 

Quelle: Wikipedia.org

Ihr Lieben,

wenn wir diese Geschichte aufmerksam lesen, so bemerken wir, dass ein Satz immer wieder auftaucht: „Dir werde ich es heimzahlen.“

Der Wunsch des Menschen, jemandem etwas heimzuzahlen, taucht immer dann auf, wenn ein Mensch Böses erfahren hat, wenn ihm böse mitgespielt wurde, wenn er das Opfer böser Täter oder böser Machenschaften wurde. Dieser Wunsch, etwas heimzuzahlen, ist sehr stark und ähnelt seiner Schwester, der Rache.

Warum aber führt das Heimzahlen, wie unsere Geschichte zeigt,
niemals zu einem guten Ende?

Das Heimzahlen führt deshalb niemals zu einem guten Ende, weil es Böse mit Bösem vergilt, weil es eine böse Tat mit einer bösen Tat rächen möchte.

Aber das Heimzahlen bringt eine böse Tat niemals zu einem guten Ende.
Es führt eher zu einer Eskalation der Gewalt.
Es führt in einen Teufelskreis.
Vor allem aber heilt es niemals die inneren Wunden des Opfers und macht eine Versöhnung zwischen Täter und Opfer unmöglich.

Es gibt nur einen Weg, um einen böse Tat zu einem guten Ende zu bringen:
Eine böse Tat kann man nur mit einer guten Tat zu einem guten Ende bringen.

Vergebung ist besser als Vergeltung
Quelle: Alexander Rykow
Nur wenn wir aus dem Teufelskreis ausbrechen, nur wenn wir bereit sind, uns mit dem Täter zu versöhnen oder, wenn das unmöglich ist, ihm zu verzeihen, dann kommen wir innerlich zur Ruhe, nur dann erwächst aus der bösen Tat die gute Pflanze der inneren Ruhe, die alle alten Wunden heilt.

Ich wünsche Euch einen ruhigen gelassenen Abend und grüße Euch herzlich aus meinem Wohnzimmer in Bremen

Euer fröhlicher Werner,
das ESELSKIND



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