3326 Geschichten


Auf dem ESELSKIND-Blog stehen inzwischen 3.326 Beiträge und mindestens zwei Mal in der Woche kommen weitere hinzu.

Ich wünsche jeder Leserin und jedem Leser recht viel Freude beim Lesen der Geschichten und ich hoffe, dass Euch die Geschichten ein wenig ermutigen und Euch veranlassen, niemals aufzugeben, denn denkt bitte immer daran:
Ihr seid etwas Besonderes, Ihr müsst nur Eurer Licht zum Leuchten bringen


Euer fröhlicher Werner aus Bremen

Freitag, 17. Januar 2014

Was Du freilässt, kehrt zu Dir zurück, was Du fesselst, entflieht Dir!

Quelle: Helmut Mühlbacher
Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Wilhelm Bruners erzählen:

„Der Mann, der Garten und die Vögel“

„Es war einmal ein Mann, der lebte in einem wunderschönen Garten.
Der war voller Blumen und seltener Pflanzen, und die edelsten Bäume spendeten
wohltuenden Schatten. 


Ein süßer Duft von Jasmin- und Rosenblüten durchwehte seine Pinienalleen.
Weißer und roter Oleander beugten sich tief in die Wege und warfen ihre Blüten in die Haare der Vorübergehenden. Überall sprudelten kleine Wasserquellen, auf deren Wellen Blätter wie Segelschiffe auf und ab wogten.
www,gartencenter.co.at
Das Wundersamste an diesem Garten aber waren seine Vögel. Jeden Morgen, sobald die Nacht ihr schwarzes Kleid abgelegt hatte, hub ein vielstimmiges Konzert an, das erst hier und da begann, so als würden sich die Sänger einstimmen, und schwoll dann zu einem großen Chor an, der vom Wind weit hinausgetragen wurde in das Land, sodass sich viele daran erfreuen konnten.

Der Mann wurde Morgen für Morgen von diesem Konzert geweckt und er liebte den Gesang der Vögel, die bis an sein Fenster flogen und ihn mit ihrer Stimme begrüßten.
So ging es viele Jahre und immer neue Vögel entdeckte der Mann in seinem Garten:
bunte und graue, große und kleine, Vögel mit heller und Vögel mit dunkler Stimme. 

Manche Vögel wohnten ständig in seinem Garten, andere kamen eine Zeit lang und wurden dann nie mehr gesehen, wieder andere ruhten sich eine Weile aus, ehe sie auf ihren uralten, geheimnisvollen Straßen weiterflogen, um später einmal wieder zu kommen.
www.rp-online.de
Den Mann aber machte es traurig, dass nicht alle Vögel ständig in seinem Garten blieben. Er fragte sich: "Warum fliegen die Vögel weiter? Haben sie in meinem Garten nicht alles, was sie brauchen?" Und unruhig überlegte er, was er tun könnte, um sie alle immer bei sich zu halten.

Eines Tages errichtete er draußen vor dem Garten große Schilder: 
"Zuflug nur für Vögel, die bleiben!" 
Und im Garten standen Schilder: 
"Ausflug verboten!" 

Da die Vögel aber seine Schrift nicht lesen konnten, blieb alles wie vorher.
‚Die Vögel kamen und flogen davon, andere blieben eine kurze Zeit oder kehrten in Abständen zurück, und wieder andere nisteten und wohnten für immer im Garten des Mannes.

Als der Mann merkte, dass seine Schilder nicht beachtet wurden, ärgerte er sich sehr und seine Traurigkeit wurde noch größer. Da baute er eines Tages eine hohe Mauer um seinen Garten, höher als alle Bäume. 
"Wenn die Vögel die Welt draußen nicht mehr sehen, dann werden sie schon hier bleiben", dachte der Mann. Aber er hatte vergessen, dass Vögel alle Mauern überfliegen können, mögen sie noch so hoch sein. So änderten auch die Mauern am Flug der Vögel nichts - außer, dass die Sonne nicht mehr ungehindert in den Garten scheinen konnte und es an vielen Stellen dunkler war.

"Wenn die Vögel meine Schilder nicht lesen und meine Mauern überfliegen, werde ich wohl ein Netz über den Garten spannen müssen" , sagte der Mann, "dann kann kein Vogel entweichen, und die Zugvögel kommen nicht mehr herein". Also zog der Mann von Mauer zu Mauer ein eng geknüpftes Netz. Jetzt konnte tatsächlich kein Vogel mehr hinaus - und hereinfliegen. 


War der Mann bisher traurig gewesen, dass Vögel kamen und wieder flogen, so erfüllte ihn nun die Angst, das Netz könnte zerreißen. Deshalb kontrollierte er es Tag für Tag, und wo er auch nur das kleinste Loch fand, nähte er es umso fester zu.

Auch unter den Vögeln hatte sich eine seltsame Unruhe breit gemacht. Ihr Gesang war leiser geworden und ihr ruhiger Flug war einem aufgeregten Flattern gewichen.

Viele Vögel, die bisher im Garten gelebt hatten, versuchten, durch das Netz zu entweichen, beschädigten sich aber die Flügel und fielen ermattet zu Boden. Sie fürchteten sich, wenn der Mann auftauchte, und flogen erschreckt in den äußersten Winkel des Gartens. 

Sie wagten nicht mehr, den Mann morgens zu wecken, weil sie Angst hatten, er würde sie einfangen. Tatsächlich ging der Mann her und baute Käfige, in die er die schönsten Singvögel einsperrte.

Der ganze Garten war ein einziger großer Käfig geworden, in dem viele kleine Käfige standen. Endgültig war der Gesang der Vögel verstummt. Und auch das beste Vogelfutter vermochte die Vögel nicht zu bewegen, ihre Stimme zu erheben. Totenstille breitete sich aus.

Eines Tages besuchte den Mann eine weise Frau. Ihr klagte der Mann sein Leid und erzählte ihr von seinen Ängsten. Sie hörte ihm lange zu. Dann sagte sie: 

"Sieh, die Vögel sind für den Himmel bestimmt. Wisse, sie erheben nur ihre Stimme, wenn sie frei fliegen können. Erkenne, es ist besser, einige Vögel kommen und ziehen zu lassen, als alle in einen Käfig zu sperren. Und lerne, das die Trauer über die kleine Abschiede besser ist, als die Angst, alles zu verlieren."

Der Mann verstand. Er ging hin und öffnete die Käfige, zerriss das Netz und ließ alle Vögel frei.  Und von derselben Stunde an füllte sich der Garten wieder mit Leben und Gesang. Die Mauern stürzten mit der Zeit ein und Hecken wuchsen, in denen die Vögel ihre Nester bauten.

Der Mann verlor seine Angst, die Vögel würden entweichen.
Und wenn im Frühling die Zugvögel kamen und wieder flogen, dann wusste er, das es nach einer alten Ordnung so sein musste. Er ahnte, das hinter dem Horizont noch ein anderer Garten war und dass viele Vögel eine Sehnsucht nach diesem Garten spürten.

Und manchmal - spürte er diese Sehnsucht auch in sich.“
Quelle: Astrid Müller
Ihr Lieben,

heute Morgen, nachdem ich diese Geschichte gelesen hatte, ging ich ein wenig durch meinen Garten.

Als ich vor 8 Jahren in das Zehnfamilienhaus einzog, war der Garten rund um das Haus eine einzige Wüste, leer, traurig und grau. Vögel konnte ich nur ganz wenige beobachten.

Jetzt acht Jahre später hat sich der Garten in einen Rosengarten verwandelt, in dem im Frühjahr zusätzlich aus 1500 Zwiebeln Tulpen und Narzissen sprießen. Daneben blühen in dem Garten viele Frühlings-, Sommer- und Herbstblumen und heute Morgen, also mitten im Winter konnte ich an dem eigens eingerichteten Futterplatz fast 40 (!) Vögel zählen.
www.rosengarten.de
Unser Leben gleicht einer großen Bühne:
Wir begegnen vielen Menschen, z.B. im Kindergarten, in der Grundschule, in den weiterführenden Schulen, in der Ausbildung, im  Studium, im Beruf.

Die meisten dieser Menschen verschwinden nach einer Zeit wieder aus unserem Blickfeld, oft fast unbemerkt. Andere, wie unsere Freunde und Bekannten, gehen eine lange Wegstrecke mit uns, und unsere Lieben, unsere Partnerin/unser Partner und unsere Kinder und Enkelkinder begleiten uns manchmal unser ganzes Leben lang, von dem Zeitpunkt an, an dem sie in unser Leben treten.

Aber wenn ich in meinen Garten schaue, so sehe ich, dass ich die schönste Rose nicht dazu überreden kann, sich im Herbst von mir zu verabschieden. Sie geht und kehrt im Frühling zurück.

Auch viele Zugvögel, wie z.B. die Störche, die ich sehr gerne mag, sind nur eine Zeitlang im Jahr da und brechen dann zu ihren Winterquartieren auf.

So wie wir den Blumen im Garten und den Vögeln erlauben müssen, uns zu verlassen und wiederzukehren, so müssen wir auch bereit sein, unsere Kinder, unsere Enkelkinder gehen zu lassen.

Wenn wir versuchen, sie an uns zu ketten, werden wir sie verlieren.
Wenn wir sie aber ermutigen, ihren eigenen Weg zu gehen, 
dann  kehren sie gerne zu uns zurück.

Auch wenn wir unsere Kinder und Enkel noch so sehr lieben, 
sie sind nicht unser Besitz.

Kinder sind niemandes Besitz, sie gehören sich nur selbst.
Kinder sind ein Geschenk an uns, das wir eine Weile bei uns haben dürfen, dem wir aber die Freiheit schenken müssen, wenn der Zeitpunkt gekommen ist.
www.dksb.de
Ihr Lieben,

ich wünsche Euch nun ein erholsames Wochenende, eine gute Zeit, eine Zeit der Freude und des Frohsinns, eine Zeit der Liebe und der Zuwendung, eine Zeit der Zuversicht und Hoffnung, eine Zeit der Ermutigung und ich grüße Euch ganz herzlich aus Bremen

Euer fröhlicher Werner




Quelle: Karin Heringshausen 

Mittwoch, 15. Januar 2014

Auch Du bist ein Meisterwerk!

Quelle: Helmut Mühlbacher
Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Norbert Lechleitner erzählen:

„Das Meisterwerk“

„Der Leiter des Altenheims war lange Zeit skeptisch, ob es wirklich eine so gute Idee gewesen war, die beiden Künstler in ein Zimmer zu legen. Noch hegte er die Hoffnung, dass die Interessen der beiden Männer sich ergänzen und so ihre gemeinsamen Jahres des Alters angenehmer würden.

Beide waren Maler, jedoch von sehr unterschiedlichem Temperament.
Während der eine als Maler mit zahlreichen Ausstellungen weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt geworden war, hatte sich der andere als Kunstlehrer seinen Lebensunterhalt verdient.

Seine Malerei war kaum über die Räume seiner Wohnung hinausgekommen, und er tat sich schwer, auf Menschen zuzugehen. Er war eher ein sich sich gekehrter Mensch, ein nachdenklicher Typ, der sich dem anderen nicht leicht öffnete.

Als sich jeder von ihnen an die Eigenheiten des anderen gewöhnt hatte, fielen ihnen auch die Gespräche leichter. Stundenlang redeten sie über die Kunst und natürlich über das Leben.

Sie spielten Schach, sie lasen oder hingen schweigend ihren Gedanken nach.
Einmal in der Woche kam die Tochter des Lehrers zu Besuch. Manchmal brachte sie die beiden Enkel mit und dann ging es eine ganze Weile richtig munter zu in dem Altherrenzimmer. Sie brachten Blumen und kleine Geschenke mit und der Schwiegersohn stellte ab und zu eine Flasche Rotwein auf den Tisch.
www.dksb.de
An einem späten Abend saßen die beiden alten Männer alleine in ihrem Zimmer und tranken schweigend den guten Wein. „Es war immer mein Traum, eines Tages ein großartiges Bild zu malen“, sagte der Lehrer plötzlich in die Stille. „Ich habe mit diesem Bild gelebt, ich konnte es sehen, in allen Einzelheiten, die Leuchtkraft und Struktur des Farbauftrags, die Wirkung des Lichtes – ein wahres Meisterwerk! Aber es war mir nicht vergönnt, es zu malen. Ich schaffte es nicht. Ich habe es geträumt, aber ich habe es nicht gemalt. Ich habe versagt!“

„Was bist Du bloß für ein Idiot!“, schimpfte sein Gefährte.
Hast Du denn nicht verstanden, dass jeder Mensch nur ein einziges, wahres Meisterwerk schaffen kann? DAS IST SEIN LEBEN! Alles, was er tut, was er gibt, was er denkt, wie er Erhaltenes verwendet, wie er seine Zeit gestaltet und ihr Farbe gibt, das ist sein Meisterwerk!

„Und Du trauerst einem ungemalten Bilde nach. Dabei hast Du wahrscheinlich mehr Menschen durch Deinen Unterricht die Liebe zur Kunst vermittelt, als es Dein ach so geniales Meisterwerk es jemals vermocht hätte! Was habe ich denn geschaffen? Kommen meine Bilder etwa zu mir? Bringen sie mir Zuneigung und Lachen, schenken sie mir guten Wein? Nein, jetzt hängen sie in dunklen Museen – genauso wie ich.“

Einige Minuten herrschte betroffenes Schweigen zwischen den beiden.
Dann erhob sich der Lehrer aus seinem Sessel, ging hinüber zu seinem Gefährten und umarmte voller Liebe seinen Freunde.“
Quelle: Helga und Gerd Steuer
Ihr Lieben,

Die Menschen haben viele Sehnsüchte, viele Hoffnungen, viele Träume.
Aber wenn man sie danach fragt, was der Sinn ihres Lebens ist, dann wissen sie darauf oft keine Antwort. Dabei ist die Antwort ganz einfach:


Wir sollen mit unserem Leben ein wenig dazu beitragen, diese Welt ein wenig menschlicher, ein wenig liebevoller, ein wenig friedvoller, ein wenig hoffnungsvoller zu gestalten.

Es gab Zeiten in meinem Leben, da hat mich die vermeintliche Größe der Aufgabe fast erdrückt. Ich glaubte, die ganze Welt verändern zu müssen, und gleichzeitig erkannte ich, dass meine Kraft kaum ausreichte, die kleine Welt in meiner Straße zu verändern.

Aber ich ließ mich nicht entmutigen, denn ich erkannte, wie wichtig gerade mein Licht ist, mein Beitrag ist, um diese Welt zu verbessern. Diese Erkenntnis gewann ich, weil ich erkannte, dass es nicht auf meine großartigen Leistungen ankommt, sondern darauf, dass ich mich überhaupt auf den Weg mache, diese Welt zu verändern.

Denn mag die Dunkelheit dieser Welt auch noch so gewaltig sein, gegen mein kleines Licht kann sie nichts ausrichten, sie kann es nicht zum Erlöschen bringen. Ein wunderbares Wort von Dietrich Bonhoeffer half mir, zu akzeptieren, dass ich nicht die ganze Welt verändern konnte:
„Das Wenige, das wir tun können,
darf uns Alibi sein für das, was wir nicht tun können!“

Du und ich, wir sind nicht dazu aufgerufen, ähnliche Taten wie Nelson Mendela, Mutter Theresa oder Karlheinz Böhm zu tun, wir sind nur dazu aufgerufen, in unserem Umkreis und unter unseren Lieben aus unserem Leben ein Meisterwerk zu machen, indem wir liebevoll mit den Menschen umgehen, die uns täglich begegnen, indem wir den Menschen, die sich in unserer Umgebung nach Ermutigung sehnen, Hoffnung und Zuversicht schenken, indem wir Licht in das Leben der Menschen in unserer Umgebung hineintragen, die in der Dunkelheit leben.
www.dessau.de
Ihr Lieben,

Ich wünsche Euch einen liebevoller, zuversichtlichen, mutigen und fröhlichen Abend und grüße Euch herzlich aus Bremen

Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen

Dienstag, 14. Januar 2014

Entdecke den Drachen in Dir!

Quelle: Helmut Mühlbacher
Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Peter Bleeser erzählen:

„Der kleine Drache“

„In einem weit abgelegenen, unwegsamen Tal lebte einst eine Familie von Drachen. Es waren die letzten Drachen, die es überhaupt auf der Welt gab. Sie waren die Nachkommen jener prächtige, Feuer speienden und fliegenden Geschöpfe, die einst überall auf der Welt zu finden waren.

Aber mit ihren Vorfahren hatten die letzten Drachen nicht mehr viel gemeinsam, von deren Kraft und Schönheit war so gut wie nichts übrig geblieben. Keiner wusste, dass es sie überhaupt noch gab. Sie hatten sich in Erdhöhlen verkrochen, aus denen sie fast nie ans Tageslicht kamen. Vom Fliegen und Feuerspeien ganz zu schweigen! So führten sie ein eintöniges, trübes und furchtsames Leben.

Aber da war ein ganz junger Drache, dem wollte es ganz und gar nicht in den Kopf, dass er sich immer nur in einer muffigen und dunklen Höhle verkriechen sollte, der war neugierig und wollte die Welt draußen kennenlernen.
Quelle: Raymonde Graber
Entdeckungsfreudig, aufgeregt und auch ein wenig ängstlich steckte er eines Tages zuerst den Kopf aus seiner Höhle, dann kroch er ganz daraus hervor. Es war ein wunderschöner warmer Sommertag. Die Sonnenstrahlen blendeten den kleinen Drachen, er musste sich erst an die ungewohnte Helligkeit gewöhnen.

Er freute sich an den vielen Farben, die das Licht erstrahlen ließ, und er genoss die Wärme. Er ging vorsichtig über die Wiese und staunte über alle die verschiedenen Lebewesen und über die Vielfalt der Blumen und Gräser. Und dann all die wundersamen Gerüche, die um ihn herum zu riechen waren.

Er schnupperte an einer Blume und musste niesen. Und die Grashalme kitzelten in an seinem weichen Bauch. Aber das Allerschönste war der Gesang der Vögel.
Der kleine Drache lauschte wie verzaubert, etwas Schöneres hatte er noch nie zuvor erlebt.

Über all das freute er sich so sehr, dass er begann, mit seinen Flügeln, die er nie zuvor benutzt hatte und die nur noch schlaff und nutzlos herabhingen, zu flattern.
Und was dann geschah, erschien dem kleinen Drachen wie ein Wunder. Langsam, anfangs noch ein wenig schwerfällig, erhob er sich vom Boden. Er konnte fliegen, er schwebte schwerelos in der Luft!

Er war so glücklich, dass er einen lauten Jubelruf ausstieß. Und da geschah das zweite Wunder.  Während er jubelte, brach aus seinem Rachen eine tiefrote Flamme hervor. Jubelnd und Feier speiend flog der kleine Drache über die Berge. Endlich würde er die Welt sehen können. Nach einiger Zeit aber fielen ihm die anderen Drachen in ihren Höhlen ein und er wurde traurig.
Quelle: Helga und Gerd Steuer
“Wie glücklich sie sein könnten!“, dachte er bei sich, „wenn sie nur nicht immer in ihren Höhlen hocken würden.“ Und dann fasste er einen Entschluss. Er würde zurückfliegen und ihnen von seinen Erlebnissen erzählen.

Als er in das Tal zurückgekehrt war, ging er von Höhle zu Höhle und erzählte von seinen Erfahrungen, die er gesammelt hatte, von der Welt da draußen und wie schön es sei, zu fliegen und Feuer zu speien.

Die alten Drachen aber waren misstrauisch und wollten seinen Geschichte gar nicht hören. Aus ihren Höhlen herauskommen wollten sie schon gar nicht.

Aber einige junge Drachen wurden neugierig. Die Erzählungen des kleinen Drachen berührten sie etwas tief in ihnen. Einer nach dem anderen kamen sie vorsichtig aus ihren Höhlen hervor. Und alle lernten sie zu sehen, zu hören, zu riechen und zu spüren. Und sie lernten ihre Kraft und Schönheit kennen.

Die Freude und das neue Leben der jungen Drachen ließen auch die alten Drachen auf Dauer nicht unberührt. Misstrauisch und langsam krochen sie aus ihren Höhlen. Und auch sie lernten wieder, was es heißt, ein Drache zu sein. 

Bald waren die Höhlen, die Kälte und die Dunkelheit, die Angst und das Misstrauen vergessen und die Drachen wurden wieder zu jenen schönen und kraftvollen Geschöpfen, die sie vor langer, langer Zeit einmal gewesen waren.“


Ihr Lieben,

Ein Drache zu sein, bedeutet, etwas Außergewöhnliches leisten zu können.
Die Drachen haben die Menschen immer, so lange es Menschen gibt, 
fasziniert und das hat drei Gründe:

1.  Die Drachen waren starke Geschöpfe und um sie zu besiegen,
     bedurfte eines strahlenden Helden.


2. Die Drachen bargen in sich eine starke Kraft,
    nach der sich die Menschen alle sehnten, das Feuer.

    Das Feuer schützte die Menschen vor wilden Tieren,
    das Feuer half bei der Zubereitung von  Speisen und das Feuer schenkte Wärme.

www.dksb.de
3. Die Drachen konnten fliegen und der Wunsch des Menschen,
    fliegen zu können, hatte nicht nur damit zu tun, auf diese Weise
    eine bestimmte Strecke zu bewältigen, sondern auch mit dem tiefen inneren
    Wunsch des Menschen, Hindernisse und Probleme zu entfliehen,
    sie hinter sich zu lassen und frei zu werden.
    Vielleicht hat ja auch der Papierdrachen, den wir gerne als Kinder steigen ließen,
    mit dieser Sehnsucht zu tun.

In uns allen ist ein kleiner Drache verborgen.
Auch wir haben mehr Kräfte, mehr Talente und mehr Fähigkeiten in uns, als wir ahnen. Auch wir haben in uns ein Feuer, das Feuer der Liebe, das Feuer der Hoffnung, das Feuer des Mutes, das Feuer des Lichtes, auf das viele Menschen warten. Auch wir können fliegen, indem wir uns lösen können von unseren Problemen und Ängsten:


Wir können leider nicht immer dafür sorgen, dass unsere Probleme und Ängste verschwinden, aber wir können selbst aktiv werden und wer aktiv wird, fängt an, seine Ängste zu besiegen und seine Problem zu bewältigen.


Ihr Lieben,
Ich wünsche Euch, dass Ihr den Drachen in Euch entdeckt und mutig aktiv werdet und fliegen lernt. Ich wünsche Euch einen fröhlichen und zuversichtlichen Abend und grüße Euch ganz herzlich und ermutigend aus dem schönen Bremen
Euer fröhlicher und zuversichtlicher Drache Werner

Quelle: Karin Heringshausen


Freitag, 10. Januar 2014

Nimm Kritik nicht allzu schwer!

Quelle: Helmut Mühlbacher

Ihr Lieben,

heute Abend möchte ich Euch eine Geschichte von Kristina Reftel erzählen:

„Das Bild und die Kritiker“

„Nadja war die begabteste Schülerin auf der Kunsthochschule.
Durch harte Arbeit, Hingabe, Fantasie und große künstlerische Begabung hatte die anspruchsvolle Ausbildung durchlaufen und nun war sie fast fertig.

„Nun steht nur noch eine Lektion aus, sagte ihr Lehrer eines Tages.
„Deine Aufgabe ist es, ein Bild zu malen, das Dein bis dahin hervorragendstes Werk werden soll.“ 
Nadja arbeitete Tag und Nacht und schließlich war das Bild fertig. 
Es war wirklich ihr bislang bestes Werk.

„Sehr gut“, lobte der Lehrer. „Nimm und bring es zum Marktplatz und hänge es so auf, dass alles es sehen können. Hänge zusätzlich ein Schild daneben, auf dem Du mitteilst, dass Du Dein Werk zur allgemeinen Betrachtung und Beurteilung ausstellst und dass Du dankbar bist, wenn alle, die einen Fehler auf dem Bild bemerken, diese Stelle mit einem Kreuz markieren.“


Nadja tat, was der Lehrer gesagt hatte, und wartete ungeduldig einige Tage.
Dann ging sie zum Marktplatz, gespannt vor Erwartung.
Sollte sie den Test bestanden haben?
Würden keine Kreuze auf ihrem Bild sein?

Doch das Herz wurde ihr schwer, als sie das Bild sah.
Schon von Weitem konnte sie erkennen, dass das Bild vollkommen mit Kreuzen bedeckt war. Nun würde sie sicher von ihrem Lehrer ein „Ungenügend“ für das Bild bekommen. 
Betrübt ging sie zur Schule zurück und zeigte ihrem Lehrer das Bild.

Der aber sagte nicht viel, sondern bat Nadja, ein neues Bild zu malen, wenn möglich ein noch besseres. Dieses Mal arbeitete Nadja noch härter. Sie wollte so gerne erfolgreich sein.

Der Lehrer lobte auch dieses neue Bild und erklärte ihr, dass sie auch dieses Bild auf dem Marktplatz ausstellen solle. Doch diese Mal sollte die Mitteilung auf dem Schild neben dem Bild ein wenig anders lauten. Nadja hörte auf die Hinweise ihres Lehrers und beeilte sich dann, zum Marktplatz zu gehen. Dort hängte sie ihr Bild zusammen mit dem neuen Hinweisschild auf.


Auch auf diesem Schild wurden die Leute dazu aufgefordert, auf mögliche Fehler hinzuweisen. Doch diesmal bekamen die Zuschauer die Chance, die Fehler, die sie entdeckt hatten, selbst zu korrigieren, und zwar mithilfe von Pinsel und Farbe, die daneben standen.

Und als Nadja nach einigen Tagen zu ihrem Bild zurückkehrte, hatte niemand auch nur einen einzigen Fehler finden können. Freudestrahlend ging sie zur Schule zurück und zeigte ihrem Lehrer das Bild.

„Nun hast Du die letzte Lektion gelernt, die Du lernen musstest“, sagte der Lehrer mit einem Lächeln. „Und die Lehre ist folgende:
Es wird immer Menschen geben, die Deine Werke, die das, was Du tust, beurteilen.
Das erste Bild war voll mit Kreuzen, weil viele gerne ein Wörtchen mitreden wollen, wenn sie die Möglichkeit dazu bekommen, auch wenn sie überhaupt keine Ahnung von der Sache haben.

Dein zweites Bild war völlig ohne Kreuze, weil in diesem Fall auch das Können und die Geschicklichkeit der Betrachtenden und Beurteilenden selbst gefragt waren.

Darum gilt:
Wenn Du Deine Seele, Deine Begabung und Dein Herz in ein Werk, eine Tat hineingelegt hast, dann fälle Dein eigenes Urteil. Du bist derjenige, der dem, was Du tust, den Wert gibst.
Das können Dir alle Kritiker dieser Welt nicht wegnehmen.
Und vergiss nicht: Dasselbe gilt auch, wenn Du das Lebenswerk eines anderen Menschen beurteilen sollst.“
Quelle: Helga und Gerd Steuer
Ihr Lieben,

auch wenn wir es oft nicht zugeben wollen, so ergeht es uns doch oft wie der jungen Frau in unserer Geschichte. Wenn wir kritisiert werden, dann wird und das Herz schwer. Wir fühlen und schlecht und haben starke Zweifel, ob das, was wir getan haben und was kritisiert wurde, wirklich gut und gelungen ist. Diese Zweifel können so stark werden und unser Herz kann so schwer werden, dass wir uns nichts mehr zutrauen, dass wir unser Selbstbewusstsein verlieren und uns für Versager halten.

Wir müssen uns einfach einmal die Tatsache verdeutlichen, dass Kritik zum menschlichen Leben einfach dazu gehört. Immer wenn Menschen zusammen sind, immer dann, wenn jemand darüber berichtet, was er getan oder geleistet hat, gibt es Menschen, die meinen, ihn kritisieren zu müssen.

Viele Menschen können gar nicht anders, als andere Menschen zu kritisieren, deshalb kennt unsere Sprache ja auch das Wort „Kritiksucht“.

Als Kind und Jugendlicher habe ich unter der Kritik sehr gelitten:
Ich wurde kritisiert, weil ich unehelich geboren wurde.
Ich wurde kritisiert, weil ich so klein war.
Ich wurde kritisiert, weil ich ein schlechter Esser war.
Ich wurde kritisiert, weil ich nicht gut singen konnte.
Ich wurde kritisiert, wenn ich etwas getan oder geleistet hatte.
Ich wurde kritisiert, wenn ich nichts getan oder geleistet hatte.
Ich wurde kritisiert wegen meines Aussehens.
Ich wurde kritisiert wegen meiner schlechten schulischen Leistungen.
I
ch wurde kritisiert, weil ich ein schlechter Sportler war.
Diese Liste könnte ich stundenlang fortsetzen.

Jede Kritik wiegt wie ein Kieselstein und wenn wir uns jede Kritik, wie ich das damals tat, zu Herzen nehmen und die Kritik wie einen Kieselstein in den Rucksack unseres Lebens stecken, dann wird die Last mit der Zeit so schwer, so unerträglich, dass die Gefahr besteht, dass wir darunter zusammenbrechen.

Es ist wie in unserer Geschichte:
Egal, welches Bild wir den anderen Menschen von uns bieten, sie werden immer etwas zu kritisieren haben, sie werden wie in der Geschichte ihr Kreuz machen und am Ende wird unser Bild nicht mehr zu erkennen sein.


Dabei gibt es eine einfache Waffe gegen Kritik:

Oft begehen wir einen großen Fehler, wenn wir kritisiert werden: Wir verteidigen unser Tun. Ich kann Euch allen nur raten: Lasst das sein! Ihr werdet Eure Kritiker nicht überzeugen, denn ihnen geht es ja nicht darum, etwas besser zu machen, sondern darum, Euch zu kritisieren.

Das einfache Mittel gegen Kritik besteht darin, denjenigen, der uns kritisiert in unserem Tun und Handeln, darum zu bitten, Verbesserungsvorschläge zu machen, also so zu handeln wie die junge Frau in unserer heutigen Geschichte.

Ich habe schon eine ganze Menge Kritiker in meinem Leben entwaffnen können, indem ich zu ihnen gesagt habe: „Ich finde Deine Kritik an dem, was ich getan habe, in Ordnung. Nun bitte ich Dich herzlich, mir zu sagen, wie ich es besser machen kann, denn ich möchte gerne noch dazulernen."

Als ich in der Kindheit mich über die so zahlreichen Kritiken ärgerte, als mir dadurch das Herz schwer wurde und ich traurig wurde, da habe ich, so wie der Honig die Bienen anzieht, die Kritiker angezogen, sodass ich ihrer zuletzt kaum noch Herr werden konnte.

Seit ich als Erwachsener auf Kritik reagiere, indem ich den Kritiker um Verbesserungsvorschläge bitte, ist die Zahl meiner Kritiker immer kleiner geworden. Probiert es doch auch einmal aus!
Quelle: Astrid Müller

Ihr Lieben,
ich wünsche Euch nun einen kritikfreien, ruhigen und gemütlichen Start ins Wochenende und ich grüße Euch von Herzen aus Bremen
Euer fröhlicher Werner
Quelle: Karin Heringshausen

Dienstag, 7. Januar 2014

Helfen kann jeder, auch Du!


"Die Dankbarkeit ist das Gedächtnis des Herzens.“

Jean-Baptiste Massillon
Quelle: Raymonde Graber
Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Jean de La Fontaine erzählen:

"Die Taube und die Ameise"

"An einem heißen Sommertag flog eine durstige Taube an einen kleinen, rieselnden Bach. Sie girrte vor Verlangen, neigte ihren Kopf und tauchte den Schnabel in das klare Wasser. Hastig saugte sie den kühlen Trunk. 
www.kapernaum-berlin.de
Doch plötzlich hielt sie inne. Sie sah, wie eine Ameise heftig mit ihren winzigen Beinchen strampelte und sich verzweifelt bemühte, wieder an Land zu paddeln. 

Die Taube überlegte nicht lange, knickte einen dicken, langen Grasstengel ab und warf ihn der Ameise zu. Flink kletterte diese auf den Halm und krabbelte über die Rettungsbrücke an Land. 

Die Taube brummelte zufrieden, schlurfte noch ein wenig Wasser und sonnte sich danach auf einem dicken, dürren Ast, den der Blitz von einem mächtigen Baum abgespalten hatte und der nahe am Bach lag. 

Ein junger Bursch patschte barfüßig durch die Wiesen zum Wasser. Er trug einen selbstgeschnitzten Pfeil und Bogen. Als er die Taube erblickte, blitzten seine Augen auf. "Gebratene Tauben sind meine Lieblingsspeise", lachte er und spannte siegesgewiß seinen Bogen. 

Erbost über dieses unerhörte Vorhaben gegen ihren gefiederten Wohltäter kroch die Ameise behende auf seinen Fuß und zwickte ihn voller Zorn. 
www.wikipedia.org
Der Taugenichts zuckte zusammen und schlug mit seiner Hand kräftig nach dem kleinen Quälgeist. 
Das klatschende Geräusch schreckte die Taube aus ihren sonnigen Träumen auf, und eilig flog sie davon. 

Aus Freude, dass sie ihrem Retter danken konnte, biß die Ameise noch einmal kräftig zu und kroch dann wohlgelaunt in einen Maulwurfshügel."


Ihr Lieben,

diese kleine feine Geschichte erzählt uns zwei wunderbare Dinge:
Zum einen: 
Es kommt nicht auf die Größe und die eigene Stärke an, wenn man in dieser Welt helfen möchte.
Zum anderen: 
Dankbarkeit ist eine der schönsten und wertvollsten Eigenschaften.


Ich komme mir auch oft vor wie die kleine Ameise. ich kann auch nicht viel ausrichten in dieser Welt, aber ich gebe dennoch niemals auf. 

Wer sich einmal in einem Wald in aller Ruhe einen großen Ameisenhaufen angesehen hat, begreift, was viele Einzelne, die allein kaum etwas vollbringen könnten, in der Gemeinschaft schaffen können

www.wikipedia.org
Mein kleines Licht kann weder die Welt, noch Deutschland, nicht einmal die Straße, in der ich wohne, erhellen, aber wenn viele Lichter zusammenkommen, wenn wir alle unser Licht der Liebe in dieser Welt leuchten lassen, wird es heller, menschlicher und wärmer in dieser Welt werden.

Ebenso wichtig ist die Dankbarkeit. Mir haben viele Menschen auf dem Weg heraus aus dem Grauen meiner Kindheit und Jugend geholfen. Mit den Menschen, die mir Böses angetan haben, habe ich mich versöhnt, das Böse habe ich hinter mich geworfen. 


Die Erinnerung ist noch da, aber es hat keine Gewalt und keinen Einfluss mehr auf mein heutiges Leben.
Quelle: Helmut Mühlbacher
Den Menschen aber, die mir geholfen haben, bin ich unendlich dankbar und versuche, in ihrem Sinne weiterzugehen und ebenfalls anderen Menschen zu helfen und sie zur Versöhnung aufzurufen und dazu, ihr Licht in dieser Welt leuchten zu lassen.
Quelle: Astrid Müller
Ihr Lieben,
Ich wünsche Euch heute einen fröhlichen Abend und morgen einen Tag der Dankbarkeit und der Freude und ich grüße Euch herzlich aus dem schönen Bremen
Euer fröhlicher Werner



Das Foto wurde von Karin Heringshausen zur Verfügung gestellt

Freitag, 3. Januar 2014

Sei auch Du ein lebendiger See, ein See mit Abfluss und Zufluss!

Quelle: Helmut Mühlbacher
Ihr Lieben,

heute möchte ich Euch eine Geschichte von Kristina Reftel erzählen:

„Die beiden Seen“

„In Israel gibt es zwei Seen.
Den See Kinnareth, der vielleicht besser bekannt ist unter dem Namen See Genezareth, und das Tote Meer, das trotz des Namens ein See ist und kein Meer.

Der See Genezareth ist nicht besonders groß, lediglich 168 Quadratkilometer, also etwa ein Drittel so groß wie der Bodensee. Doch der See Genezareth ist ein See voller Leben und er ist bedeutsam für Israel. 
www.ufz.de
Der See ist nämlich das wichtigste Wasserreservoir des Landes und bewässert unter anderem die trockenen südwestlichen Teile Israels. Viele Fischer verdienen hier ihren Lebensunterhalt, unter anderem mit Petrusfischen, einer in vielen Restaurants geschätzten Delikatesse.

Der Jordan, der durch den See Genezareth hindurchfließt, fließt weiter in Richtung Süden und erreicht nach einer Weile das Tote Meer. Die Wasseroberfläche des Toten Meeres ist zugleich der tiefste Punkt des Jordan, sie liegt 417 Meter (!) unter dem Meeresspiegel.

Wie der Name bereits andeutet, gibt es keinerlei Leben im Toten Meer – weder Pflanzen noch Tiere überleben aufgrund des hohen Salzgehaltes. Diejenigen, die im Toten Meer baden, müssen ein Brennen in den Augen und in offenen Wunden aushalten, das von den Salzen und Mineralien im Wasser des Toten Meeres herrührt.
www.israelmagazin.de
Worin besteht nun der entscheidende Unterschied zwischen dem Leben spendenden See Genezareth und dem Toten Meer? Es ist nicht das Wasser als solches – beide Seen werden von demselben Wasser des Jordan gespeist.

Der Unterschied besteht darin, dass der See Genezareth das Wasser des Jordan nicht nur entgegennimmt, sondern es auch wieder herausfließen lässt.

Für jeden Wassertropfen, den der See in sich aufnimmt, gibt er einen Tropfen weiter.

Das Tote Meer hingegen hat keinen Ausfluss. Abgesehen von der Verdunstung behalt das Tote Meer jeden Tropfen, der aus dem Jordan in es hineinrinnt.

Der See, der weitergibt, fließt über vor Leben,
während derjenige, der alles für sich selbst behält, vollkommen tot ist.
www.pkzrt8.de
Ihr Lieben,

die beiden Seen aus unserer heutigen Geschichte sind Sinnbilder für unser Leben.
In jedem neuen Jahr werden uns Lasten auferlegt und wenn wir nicht ab und zu innehalten und uns von mancher Laste befreien, werden wir darunter zusammenbrechen.

Als junger Erwachsener wurde mir eines Tages klar, dass ich vor der wichtigsten Entscheidung meines Lebens stand: Ich hasste und verfluchte die Menschen, die mich in der Kindheit geschlagen, gequält, gedemütigt und sexuell missbraucht hatten. Ich erkannte aber, wenn ich auf diesem Weg weitergehen würde, dass mein Hass und meine Wut mein Leben vergiften würden.

Denn das ist die grauenhafte Kehrseite des Hasses, der Rachegedanken und der Wut.
Wenn wir uns nicht von ihnen trennen, wenn wir sie nicht auf uns herausfließen lassen wie das Wasser aus einem See, dann vergiften sie uns, dann richten sie unser Leben zugrunde.


Ich entdeckte, dass nicht Rache und Hass der richtige Weg waren, sondern Vergebung und Versöhnung. Und je mehr ich vergab und je häufiger ich mich versöhnte, desto mehr Liebe, Frieden und Freude kehrten in mein Leben ein.

Denn das ist das Geheimnis, das wir von dem See Genezareth lernen können:

Wenn wir Frieden stiften, dann werden auch wir in uns Frieden verspüren.

Wenn wir Freude wecken, dann wird es auch in unserem Leben hell werden und das Wunderbare ist:Wenn wir Freude wecken, wir unsere eigene Freude nicht weniger.

Wenn wir Liebe schenken, dann werden wir selbst Liebe geschenkt bekommen, zwar nicht immer von denen, von denen wir es erhoffen, dafür aber oft von Menschen, von denen wir das gar nicht erwarten.

Wenn wir das, was wir haben, mit anderen teilen, dann kommen wir der Bestimmung unseres Lebens ganz nahe:
Der Sinn unseres Lebens ist es nicht, ein toter See zu sein, der alles für sich behält.
Der Sinn unseres Lebens ist es, ein lebendiger See zu sein, der die Menschen in unserer Umgebung mit Leben, mit Liebe, mit Fröhlichkeit, mit Freude, mit Glück, mit Hoffnung, mit Zuversicht, mit Mut speist.


Ihr Lieben,
ich wünsche Euch einen ganz fröhlichen Start in das erste Wochenende des neuen Jahres. Möge das neue Jahr Eure Hoffnungen und Sehnsüchte erfüllen und Euch Zeit schenken für Euch, eure Seele und Eure Lieben.
Euer fröhlicher Werner aus Bremen
Quelle: www.gesund-netzwerk.de