Straftäter werden zu Patienten
Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann (CDU) will bis Mitte des Jahres die Bedingungen in der Sicherungsverwahrung verbessern. Dazu zählen größere Zellen und vermehrte Außenkontakte.
Eine eigene Einrichtung für gefährliche Täter mit bis zu 50 Plätzen sei dabei denkbar, erklärte der Minister gestern bei einem Besuch der holländischen Therapieeinrichtung Veldzicht in Bralkbrug.
Ari macht sich keine Hoffnungen. "Im Prinzip bleiben wir doch alle hier, bis wir tot sind", sagt der 64-Jährige. Seit zwölf Jahren sitzt er jetzt ununterbrochen hinter Gittern, weil er sich an kleinen Kindern vergangen hat.
Vor zwei Jahren kam Ari nach Veldzicht in Balkbrug in der holländischen Provinz Overijssel. Forensisch-psychiatrisches Zentrum nennt sich die Einrichtung. 450 Mitarbeiter, 230 Insassen - oder besser Patienten, wie Direktor Ben Blekkink immer wieder betont.
Diese haben alle schwerste Straftaten verübt: Morde, Vergewaltigungen, Kindesmissbrauch. Ihnen allen wurde zumindest verminderte Schuldfähigkeit attestiert. Gerichte brummten ihnen neben der regulären Haftstrafe auch die Maßregel "tbc" auf, die holländische Form der Sicherungsverwahrung. Anders als in Deutschland wird sie nicht in normalen Haftanstalten, sondern in 13 speziellen Psychiatriekliniken vollzogen.
Hoffnungslose Fälle gibt es auch hier; "Longstay" werden sie genannt, Langaufenthalte. 50 sind es in Veldzicht, vor allem Pädophile.
"Die sind in der Regel nicht therapierbar", erklärt Psychiater Tom Deene.
Das weiß auch Ari von sich selbst. "Es ist besser, wenn ich hierbleibe, da kann ich nichts anrichten", meint der Vorsitzende des Patientenrats.
Einfach nur weggesperrt sind die Longstay-Insassen dennoch nicht. Einschluss in ihre Zellen, in Veldzicht freundlich Zimmer genannt, gibt es nur während der Nachtstunden. Die Patienten dürfen sich auf dem gesamten Gelände frei bewegen, viele verfügen sogar über eine Key-Card, mit der sie verschiedene Türen öffnen können.
Schlittschuhrennen und angeln
Nach außen gesichert ist Veldzicht mit einem doppelten Zaun, das verklinkerte Hauptgebäude sieht eher aus wie eine Kurklinik.
Wenn der Wassergraben zugefroren ist, liefern sich die Insassen Schlittschuhrennen, sonst angeln sie auf Aale, Brassen und Hechte.
Den Patienten sind eigene Möbel, Fernsehgeräte und Kleidung gestattet.
Ari empfängt die deutsche Besuchergruppe um Niedersachsens Justizminister Bernd Busemann im dunkelblauen Anzug mit Krawatte. Er wohnt in einem halbrunden Flachpavillon gemeinsam mit neun anderen auf einem Trakt, verpflegt sich selbst und bekommt für seine Einkäufe ein Essensgeld.
Sjaak, ein 59-jähriger Pädophiler, bewohnt sogar ein gemütliches Appartement in einer holzvertäfelten Hütte mit eigenem Garten. Es gibt einen gepflegten Rasenplatz für die anstaltseigene Fußballmannschaft, eine Reittherapie, einen Gartenbaubetrieb und im Aufenthaltsraum Spielkonsolen, Internet und Billard.
"Wenn sich unsere Patienten wohlfühlen, ist das nicht nur gut für sie selbst, sondern auch für unser aller Sicherheit", beugt Therapeut Deene möglichen Vorurteilen vom "Kuschel-Knast" vor.
Für den Minister aus Niedersachsen ist Veldzicht Vorbild für das vom Bundesverfassungsgericht geforderte Abstandsgebot zwischen Haft und Sicherungsverwahrung. Da Letztere nicht als Strafe gilt, müssten dort eigentlich die Bedingungen lockerer sein.
"Hier kann man lernen", sagt Busemann. Ähnliches werde man sich auch in Deutschland einfallen müssen: größere, wohnlichere Zellen, mehr Außenkontakte, mehr innere Freiheiten bis hin zum Halten von kleinen Haustieren wie Hamster oder Goldfische."
Ihr Lieben,
erlaubt mir einige Bemerkungen dazu:
Ich bin wirklich kein Mensch, der als unbarmherzig gilt. Aber Menschen, die derartig schwere Straftaten begangen haben, auch noch derartig zu verwöhnen, macht mich wütend und traurig.
Ich habe noch nie gehört, dass Opfern häuslicher Gewalt, von Vergewaltigungen oder sexuellem Missbrauch ähnliche feine Angebote gemacht werden. Bei den Opfern fehlt sogar das Geld für die psychologische Beratung.
Vielleicht wäre es ja ein Weg der Wiedergutmachung, wenn solche Täter, solange sie leben, arbeiten müssten, um mit dem Lohn bei ihren Opfern ein wenig das wieder gut zu machen, was sie angerichtet haben.
Ich grüße Euch ganz herzlich, Euer trauriger und ein wenig wütender Werner
Da gebe ich Werner Recht. Haben diese Gerichte ueberhaupt eine Ahnung, in welcher Hoelle die Opfer dieser Paedophile, den Rest ihres Leben existieren muessen?
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